An diesem Wochenende wird der Nürburgring 90 Jahre alt. Am 18. Juni 1927 – heute vor 90 Jahren – fand auf der Strecke in der Eifel mit dem Eifelrennen für Motorräder das erste Rennen statt. Einen Tag später durften dann auch Autos auf die – wie es offiziell hieß – erste Gebirgs-, Renn- und Prüfungsstrecke.

Meine persönliche Beziehung zum Nürburgring begann natürlich etwas später. Ich entdeckte die Strecke im Herbst 1975, als meine Eltern auf dem Rückweg aus dem Urlaub einen Zwischenstopp in der Eifel einlegten. Ganz verwegen drehten wir – mit dem gesamten Urlaubsgepäck im Auto – eine Runde auf der Nordschleife. Schließlich gehören Touristenfahrten in der Eifel fest zum Programm.

Bereits seit der Eröffnung vor 90 Jahren können sich ganz normale Autofahrer sich der Herausforderung Nürburgring stellen, wenn gerade kein Test- oder Rennbetrieb auf der Strecke ist. Der unlängst verstorbene Manfred Förster hat mit seiner Rhapsody in Blech in den 1970er-Jahren das Treiben auf der Strecke wunderbar festgehalten.

Motorsport sorgt für den Mythos Ring!

Piloten wie Rudolf Caracciola, Bernd Rosemeyer oder auch Tazio Nuvolari kannte vor dem Zweiten Weltkrieg fast jedes Kind. In den ersten Jahren fanden die Rennen am Nürburgring übrigens meist die ursprünglich mehr als 28 Kilometer lange Gesamtstrecke aus Süd- und Nordschleife statt. Erst Anfang der 1930 Jahre wurde die damals – inklusive der Start-und-Ziel-Schleife – 22,8 Kilometer lange Nordschleife das Hauptbetätigungsfeld der Motorsportler.

Nach dem Krieg knüpfte der Ring nahtlos an die Tradition der Vorkriegsjahre an. Alberto Ascari und Juan Manuel Fangio waren die Stars der Nachkriegsjahre. In den 1960er-Jahren war mit Graham Hill, John Surtees, Jim Clark und Jack Brabham das Who-is-who der damaligen Motorsport-Szene beim Großen Preis von Deutschland erfolgreich. Denn damals fuhr die Formel 1 tatsächlich auf der Nordschleife um den Großen Preis von Deutschland.

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Szenen der Nürburgring Classic, der Feier zum 90. Geburtstag des Nürburgrings. Ich hatte dort das Vergnügen, die Rennen im Kampf der Zwerge zu moderieren.[/grey_box]

Erst Ende der 1960er-Jahre regte sich Protest. Sir Jackie Stewart prägte in diesen Jahren den Begriff von der „Grünen Hölle“. Die lange Strecke war schwierig zu sichern. Die filigranen Rennwagen der damaligen Zeit passten immer weniger zu den Sprungkuppen. Wohl auch, weil damals statt der heute üblichen Leitplanken Hecken die Strecke säumten.

Die Formel 1 zieht sich vor 40 Jahren zurück!

Als Reaktion auf den Protest der Fahrer fuhr die Formel 1 in Hockenheim um den Großen Preis von Deutschland 1970. Doch nach einem Jahr Abstinenz kehrte die Königsklasse nochmals in die Eifel zurück, bis 1976 der Feuerunfall von Niki Lauda deutlich machte, dass die Formel 1 der Strecke entwachsen war. Erst 2006 dröhnte wieder ein Formel 1 von BMW-Sauber mit Nick Heidfeld am Steuer bei einer Demofahrt durch die Eifel. Selbstredend, dass ich dabei vor Ort war!

Doch auch nach dem Abschied des Großen Preis von Deutschland gab es in der Eifel großen Sport. Denn die Formel 2 sowie die Sportwagen fuhren noch ein paar Jahre auf der Nordschleife. Stefan Bellof drehte 1983 mit einer Rundenzeit von 6:11,13 Minuten eine Runde für die Ewigkeit. Schneller war nie jemand in der Eifel unterwegs. Auch wenn uns die Industrie regelmäßig “Rekorde” vermeldet. Das ist – da bleibe ich dabei – nur Marketing. Rekordträger ist und bleibt Stefan Bellof.

Ein Jahr nach der Fabelrunde des Rennfahrers aus Gießen eröffnete die heutige Grand-Prix-Strecke. Das Eröffnungsrennen mit identischen Mercedes-Benz 190 E 2.3-16 auf der neuen Strecke gewann Ayrton Senna. Der Youngster aus Brasilien schlug im Baby-Benz die arrivierten Stars, die der Nürburgring mit einer saftigen Antrittsgage in die Eifel locken konnte. Trotz des Neubaus sorgte erst der Motorsport-Boom, den Michael Schumacher auslöste, dafür, dass die Formel 1 regelmäßig in die Eifel zurückkehrte.

Im Mittelpunkt stand lange der Breitensport!

VLN, RCN (oder wie er lange hieß Castrol-Haugg-Pokal) und GLP füllten regelmäßig die Nordschleife. Zumindest bei den GLP waren Karla und ich dann auch mal am Start. Einmal im Jahr lockte das 24-Stunden-Rennen Hunderttausende in die Eifel. Daneben sorgte das Musikfestival Rock am Ring dafür, dass regelmäßig auch ein anderes Publikum in die Eifel strömte.

Irgendwann packte die Manager und die Politik dann leider der Größenwahn. Sie träumten davon, die Region Nürburgring als ganzjähriges Urlaubsziel zu etablieren. Von Anfang an gab es Stimmen, die die Umsetzbarkeit der Pläne bezweifelten. Auch die Tatsache, dass sich keine privaten Investoren fanden, die das Vorhaben finanzieren wollten, hielt die Verantwortlichen nicht ab.

Genauso unbeirrt wie unbelehrbar hielten sie an ihren Plänen fest. Das Ende ist bekannt! Nach mehr als 80 Jahren ging der Nürburgring in private Hände. Die Stiftungslösung, die ich mir gewünscht hätte, war leider nie ernsthaft ein Thema. In diesem Sinne ist der 90. Geburtstag nicht nur ein Grund zum Feiern. Trotzdem ist die Strecke immer noch wunderbar!

2 Kommentare

  1. Andreas Menger Reply

    Endlich mal Einer, der nicht nur als Jubelperser über den Geburtstag feiert. Richtig! Da oben in der Eifel ist in den letzten Jahren ziemlich viel ziemlich dumm gelaufen …

  2. Hallo, ich bin sehr angetan von diesem Artikel. Der Nürnburgring ist der Hammer. Gratulation

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