Der Civic gehört seit mehr als 40 Jahren zum Honda-Programm. Neun Generationen des Volumenmodells sind in dieser langen Zeit entstanden. Ursprünglich eher ein Kleinwagen, ist der Honda Civic inzwischen längst in der Kompaktklasse zu Hause. Erstmals seit 1983 bietet Honda in der Civic Baureihe wieder einen Kombi an. Wir hatten jetzt die Gelegenheit dem Honda Civic Tourer 1.6 i-DTEC Executive bei einer ausgedehnten Probefahrt auf den Zahn zu fühlen.

Dabei kam mir vieles bekannt vor. Denn bereits vor gut einem Jahr habe ich das fünftürige Schrägheckmodell Honda Civic Sport ausführlich getestet. Damals hat mir besonders das Fahrwerk des Civic zugesagt. Auf meiner persönlichen Hausstrecke wusste der sportliche Japaner aus Großbritannien mit Leichtfüssigkeit zu überzeugen. Besonders das Einlenkverhalten des Civic, der in unserem damaligen Test mit einem 2,2 Liter großen und 150 PS starken Dieselmotor ausgerüstet war, hat mir damals gefallen.

Bereits damals kündigte Honda einen 1,6 Liter großen Dieselmotor an. Dieser kleine Diesel würde die Vorderachse im Vergleich zum großen Diesel um rund 50 Kilogramm entlasten. Das müsste – der Theorie nach – das Einlenkverhalten nochmals verbessern. Außerdem sei der neu entwickelte 1.6 i-DTEC Dieselmotor nochmals erheblich sparsamer. Als Normverbrauch (kombinierte Messung) gibt Honda für den Kombi einen Verbrauch von nur 3,8 Liter Diesel für 100 Kilometer an. Ob das auch im Alltag zu erreichen ist, lies sich auf einer rund dreistündigen Testfahrt durch die hessische Wetterau nicht abschließend klären. Bestätigt hat auf der Testfahrt mit dem 1,6 Liter großen Dieselmotor jedoch der Eindruck, ein agiles Auto zu fahren.

Auch mit 120 PS ist der Civic ausreichend motorisiert

Beim Sprint von Ampel zu Ampel meistert der Civic alle Herausforderungen des Stadtverkehrs. Auch beim Überholen auf der Landstraße machen sich die „fehlenden“ 30 PS nicht negativ bemerkbar. Mühelos beschleunigt auch der kleine Diesel den Civic auf die Autobahn. Wer will, der kann die Beschleunigung auch deutlich über die Autobahn-Richtgeschwindigkeit hinaus fortsetzen. Erst jenseits der Marke von 180 km/h stockt der Vortrieb des Honda Civic Tourer 1.6 i-DTEC spürbar. Um die Höchstgeschwindigkeit von 208 km/h tatsächlich zu erreichen, benötigt der Honda Civic etwas Anlauf. Das ist locker zu verschmerzen. Denn auch wenn der Name Honda natürlich immer mit Sportwagen wie dem S800 oder den NSX verbunden wird. Auch wenn zum Image von Honda auch Kompaktsportler wie der Civic Type R beigetragen haben, wer Höchstgeschwindigkeit zum Kaufkriterium macht, greift nicht zum Kombi. Zumindest nicht zum Honda Civic Tourer 1.6 i-DTEC.

Welche Kunden nimmt Honda mit dem Honda Civic Tourer 1.6 i-DTEC ins Visier?

Bei der Schrägheckversion spricht Honda traditionell Kunden an, die sich vom Einheitsbrei der Kompaktklasse nicht angesprochen fühlen. Bewusst setzen die Japaner auf ein etwas ungewöhnliches Äußeres. Die Gefahr den Civic mit einem seiner Konkurrenten zu verwechseln besteht nicht. Beim Tourer verliert Honda etwas von diesem Alleinstellungsmerkmal. Von vorne ist der Honda Civic auch als Kombi klar als Mitglied der Civic-Familie zu erkennen. Doch von hinten ist das nicht mehr so klar. Honda hat der Gefahr widerstanden, mit einer außergewöhnlichen Gestaltung Kombi-Kunden zu verprellen oder den Nutzwert einzuschränken. Der 24 cm längere Kombi gibt sich von außen in weiten Teilen ungewohnt konservativ.

Dafür überzeugt der Civic auch als Kombi mit inneren Werten. Selbst mit einer Körpergröße jenseits der zwei Meter finde ich bequem im Civic Platz. Das kann nicht jeder Honda und klappt hier bei Bedarf sogar auf der Rückbank. Das war in der Schrägheckversion noch nicht so bequem möglich. Durch den Sandwichboden und dem unter den Vordersitzen positionierten Tank gewinnt Honda Raum zwischen den Hinterrädern. Dort, wo die Wettbewerber üblicherweise ihren Tank unterbringen, verfügt der Honda Civic Tourer über ein zusätzliches Gepäckfach. Zwei Trolleys in Handgepäckgröße passen hinein. Zusammen mit dem Inhalt des „normalen“ Laderaums verstaut der Civic ein Ladevolumen von 624 Litern. Bei umgeklappten Sitzen sind es sogar 1.668 Liter. Das ist fast schon Passat-Niveau in der Kompaktklasse. Und könnte helfen, die Frage nach dem angestrebten Kundenkreis zu beantworten. Den Honda Civic Tourer kauft, wer viel zu verstauen hat! Dafür sorgen auch die „Magic Seats“, die mir schon beim Schrägheckmodell gefallen haben.

Das Fahrwerk des Honda Civic Tourer 1.6 i-DTEC Executive

Damit die „Fuhre“ beim Fahren nicht aus der Kontrolle gerät, vertraut Honda in den höherwertigen Ausstattungspaketen Lifestyle und Executive an der Hinterachse serienmäßig auf ein adaptives Dämpfersystem. Als der Civic noch ein junger Hüpfer war, hieß so etwas im Mercedes 300 D (W123) meines Großvaters einfach Niveauregulierung. Das sorgte für eine optimale Bodenfreiheit und eine waagerechte Lage des Fahrzeugs – unabhängig vom Ladezustand. Heute sind die Systeme komplexer. Bei der Steuerung unterstützt natürlich längst Kollege Computer. Deshalb bekommen solche Systeme heute klingende Namen. Die lassen sich prima abkürzen und machen sich damit in Verkaufsprospekten besonders gut. Doch am Ende bedeutet „ADS“, dass der Civic als Tourer an der Vorderachse konventionell gefedert wird, während an der Hinterachse Stoßdämpfer zum Einsatz kommen, deren Verhalten im Betrieb steuerbar ist.

Honda vertraut dabei auf „Twin-tube CDCi“ Stoßdämpfer von ZF Sachs. Die kommunizieren über den CAN-Bus mit den weiteren Sicherheitssystemen des Civic. Das ermöglicht, die Dämpfung an die jeweilige Fahrsituation anzupassen und stellt so eine aktive Wankstabilisierung sicher. Dabei ist möglich, Wünsche des Fahrers zu berücksichtigen. Drei Einstellungen bietet das adaptives Dämpfersystem, das in unserem Testwagen an Bord ist. Neben dem Normalmodus kennt das System auch die Einstellungen Dynamik und Comfort. Die Unterschiede sind – zumindest ohne üppig gefüllten Kofferraum – marginal. Am deutlichsten wird der Unterschied auf langen Bodenwellen. Sie schwingen in der Komforteinstellung länger als in der Sporteinstellung nach. Am mit diesem Dämpfersystem immer etwas nervösen Heck des Kombis ändert sich in keiner der Einstellungsvarianten etwas. Wo das Schrägheckmodell leichtfüßig und willig auf Lenkbewegungen reagiert, wirkt der Kombi mit ADS immer etwas schwammig.

Mein Fazit zum Honda Civic Tourer 1.6 i-DTEC

Mit dem neuen Kombi ist Honda im Civic ein solides Kombi-Comeback gelungen. Mit dem doppelten Kofferraumboden und den praktischen „Magic Seats“ hat der Tourer das Zeug zum Lademeister. Der 1,6 Liter große und 120 PS starke Dieselmotor des Testwagens überzeugte mich mit einem fast benzintypischen Fahrverhalten. Leichtfüssig erklimmt der Diesel auch höhere Drehzahlen.

Das Sechsgang-Getriebe lässt sich leicht und einfach schalten. Bei Bedarf lässt sich der Honda auch dieseltypisch schaltfaul fahren. 300 Nm Drehmoment, die bei 2000 U/min anliegen, ermöglichen bei Bedarf auch im größeren Gang den spontanen Sprint. Für Kritik am Testwagen sorgt nur die immer etwas schwammige Hinterachse. Um dem sportlichen Anspruch der Marke Honda gerecht zu werden, würde ich mir auch in der höherwertigen Ausstattungsvariante Executive im Heck etwas mehr Präzision wünschen.

Fotos vom Honda Civic Tourer 1.6 i-DTEC Executive

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