Über dieses Auto zu schreiben ist nicht einfach. Doch dieses Auto muss in diese Serie. Denn der Jaguar E-Type gehört zu den wichtigsten Autos, die in der langen Geschichte des Schweizer Autosalons ihre Premiere am Genfer See feiern durften.

Jaguar gewann von 1955 bis 1957 dreimal in Folge mit dem Jaguar D-Type das legendäre 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Auf Basis des Rennwagens entstand ausschließlich für amerikanische Kunden der Jaguar XK-SS. Doch der Rennwagen erwies sich nicht als geeignete Basis, um einen Sportwagen für die Kunden des Unternehmens wirtschaftlich zu fertigen. Gleichzeitig wusste die Jaguar-Mannschaft, dass sich die Ära des D-Type dem Ende zu neigt.

Bereits 1957/8 entstand ein E1A genannter Prototyp. Dieser soll in den Augen der Entwicklungsmannschaft die Nachfolge des erfolgreichen D-Type antreten. Und gleichzeitig die Basis für einen Straßensportwagen bilden. Heute gilt dieser erste E-Type als verschollen. Die Entwickler haben den Protoytpen vermutlich verschrottet.

Als zweiter E-Type-Prototyp gilt der Jaguar D-Type 2A, den die Truppe von Briggs Cunningham 1960 in Le Mans an den Start brachte. Der intern E2A benannte Rennwagen hatte einen 3-Liter-Motor aus Aluminium und ein 4-Gang-Schnellschaltgetriebe. Damit verfehlten die Piloten Dan Gurney und Walt Hansgen am Ende der Hunaudières-Geraden die 300-km/h-Schallmauer knapp. Im Rennen lag die Mannschaft der beiden Amerikaner zeitweise in Front. Erreichte das Ziel nach technischen Problemen jedoch nicht.

Jaguar D-Type 2A 2011 in Pebble Beach
Jaguar D-Type 2A 2011 in Pebble Beach

Wer sich das Foto des E2A heute ansieht, erkannt die wesentlichen Merkmale des E-Type. Wie beim späteren Serienfahrzeug verbirgt sich im vorderen Teil auch beim E2A unter der Karosserie ein Rohrrahmen. Die Hinterradaufhängung ist mit einem brückenartigen Hilfsrahmen an der Karosserie, die im hinteren Teil selbsttragend ist, befestigt.

Vorgestellt wird der E-Type in Genf mit einem 3,8-Liter-Reihensechszylinder, der 269 PS zur Verfügung stellt. Verfügbar ist zunächst nur der Roadster. Das Serienfahrzeug erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 241 km/h. Für die Karosserie ist Malcolm Sayer verantwortlich. Der gelernte Luftfahrtingenieur schafft hier sein Meisterstück.

Der Sportwagen schlägt ein wie eine Bombe. Das Design begeistert. Noch am ersten Messetag weist Jaguar-Gründer Sir William Lyons Chef-Testfahrer Norman Dewis an, einen zweiten E-Type in die Schweiz zu holen. Anders sieht Jaguar keine Chance, den Andrang am eigenen Stand zu bewältigen. Enzo Ferrari bezeichnet den E-Type einmal als das schönste Auto der Welt. Eine Einschätzung, die noch heute, mehr als 50 Jahre nach dem Debüt des E-Type, viele Oldtimer-Freunde teilen.

Sir William Lyons Jaguar E-Type Coupé
Sir William Lyons mit dem 1966 vorgestellten E-Type Coupé (Foto: Jaguar)

Bis 1974 lässt Jaguar den E-Type im Programm. Inklusive der 1966 vorgestellten Coupé-Version verkauft Jaguar mehr als 70.000 Exemplare des Mythos E-Type. Dazu trägt bei, dass der Jaguar E-Type 1961 mit einem Preis von £2.256 vergleichsweise günstig ist. Denn das wären heute weniger als 50.000 Euro.

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