Nürburgring, 1978 – Ein Deutscher im Goldpokal

Ein weißer March, ein VW-Motor – und ein deutscher Fahrer, der Geschichte schrieb. 1978 gewann Helmut Henzler die europäische und deutsche Formel-Super-Vau-Meisterschaft. Unser Archiv-Foto erinnert an ein fast vergessenes Kapitel deutscher Rennsportgeschichte.

Von Fredo Steckgaard 24. November 2025 2 Minuten Lesezeit
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Helmut Henzler im March 783 am Nürburgring
1978 schrieb Helmut Henzler Geschichte: Er gewann als einziger Deutscher die europäische Formel Super Vau und die Deutsche Meisterschaft im selben Jahr. (Foto: Archiv AutoNatives.de)

Manchmal gerät eine Geschichte in Vergessenheit, obwohl sie alles hat, was Motorsport so faszinierend macht: Talent, Technik und eine Portion Beharrlichkeit. Ich suchte Bilder für einen Artikel über die Formel Vau und ihre große Schwester, die Formel Super Vau. Dabei fand ich in unserem Archiv auch dieses Bild von Helmut Henzler. Der Rennfahrer aus der Nähe von Stuttgart schaffte 1978, was keinem anderen Deutschen gelang: den Gewinn des Formula Super Vee Gold Pokals, der Europameisterschaft der Formel Super Vau.

Als es in Nachwuchsserien noch nach Öl roch!

Der March 783, mit dem Henzler im Jahr seiner großen Erfolge am Nürburgring antrat, war ein typischer Vertreter seiner Zeit: flach, kompromisslos, mechanisch ehrlich. Im Heck arbeitete der Golf-Motor, an den Flanken prangten Sponsoren wie Brittania Sportswear, Shell und Castrol – Symbole einer Epoche, in der Nachwuchsserien noch nach Öl rochen und nicht nach Marketing. Henzler war kein Lautsprecher, sondern ein Könner, trat schon 1972 erstmals in der Formel Super V an, fuhr dann jedoch überwiegend GT- und Tourenwagen.

Erst 1978 kehrte Henzler in Vollzeit in die Formel Super Vau zurück. Und 1978 wurde sofort zu seinem Jahr: Neben dem europäischen Titel gewann der Schwabe auch die Deutsche Meisterschaft – eine seltene Doppelkrone, die sonst nur 1972 dem Liechtensteiner Manfred Schurti gelang. Doch während sich andere Meister später in der Formel 1 wiederfanden, schrieb Henzler seine Geschichte etwas leiser weiter, gewann 1981 einen DRM-Lauf und zog sich dann ins Berufsleben zurück.

Die Formel Super Vau war oft das Sprungbrett in die großen Serien!

Keke Rosberg (Deutscher Meister 1975) wurde Formel-1-Weltmeister. Arie Luyendyk (Europameister 1977 und US-Meister 1984) gewann zweimal Indianapolis. Auch John Nielsen (dreimal Europameister) stieg zum Profi auf und gewann 1990 für Jaguar in Le Mans. Für Geoff Brabham (US-Meister 1979) und Michael Andretti (US-Meister 1982) war die Formel Super Vau ebenfalls das Sprungbrett für eine erfolgreiche Motorsportkarriere.

Losgelöst davon fängt unser Archiv-Foto einen Moment voller Konzentration und Geschwindigkeit ein. Es stammt aus einer Zeit, als Motorsport noch roher, ehrlicher und unmittelbarer war. Helmut Henzler blieb bis zu ihrem Ende 1982 der einzige deutsche Sieger der europäischen Formel-Super-Vau-Meisterschaft (Formula Super Vau Gold Pokal – Europa). Damit schrieb Henzler ein bemerkenswertes Kapitel deutscher Motorsport-Geschichte.

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