Frankreich, noch gezeichnet vom Krieg, erlebte im Herzen von Paris mehr als nur einen sportlichen Wettkampf. Die Rennen waren ein Symbol für Freiheit und Neuanfang. Zahlreiche Größen der Vorkriegszeit standen wieder am Start, darunter die Le-Mans-Sieger Jean-Pierre Wimille (1937 und 1939) und Raymond Sommer (1932 und 1933). Dazu kamen „Jungstars“ wie Maurice Trintignant oder René Bonnet.
Maurice Mestivier belebte den Grand-Prix-Sport in Europa neu!
Das Rennen ging auf Maurice Mestivier (1902 bis 1975) und den von ihm geführten A.G.A.C.I. (Association Générale Automobile des Coureurs Indépendants) zurück. Mestivier, dessen Bruder Marius 1925 in Le Mans starb, begann mit 19 Jahren als Mechaniker bei Amilcar und stieg dort bald zum Chef-Techniker auf. 1935 übernahm Mestivier die Präsidentschaft im A.G.A.C.I. und arbeitete schon mit der Befreiung Frankreichs am Comeback des Motorsports.

Die französische Regierung stimmte zu, als Mestivier ankündigte, das Hauptrennen für Autos über 3 Liter Hubraum „Coupe des Prisonniers“ („Pokal der Gefangenen“) zu nennen. Denn dieser Titel würdigte die aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrenden Soldaten und war gleichzeitig ein Signal für den anstehenden Aufbruch. Die US-Army, deren europäisches Hauptquartier „US Forces, European Theater“ (USFET) in Paris lag, stellte Benzin zur Verfügung.
Am 9. September 1945 war es soweit!
Die Zuschauer – hungrig nach Ablenkung und Hoffnung – säumten in Scharen die 2,826 km lange Strecke im Pariser Park Bois de Boulogne. Im Hauptrennen, der „Coupe des Prisonniers“ für Rennwagen über 3 Liter Hubraum, fuhr Jean-Pierre Wimille in seinem Bugatti T59/50B zu einem souveränen Sieg. Aus der letzten Startreihe gestartet, unterstrich er mit der schnellsten Rennrunde, dass er beim ersten großen Rennen nach dem Zweiten Weltkrieg der Schnellste war.
Zweiter wurde Raymond Sommer (Talbot-Lago T26 MC), gefolgt von Eugène Chaboud im Delahaye 135S. In der kleineren „Coupe Robert Benoist“ dominierte Amédée Gordini mit seinem Gordini/Simca. Gordini pilotierte einen Rennwagen, der schon 1939 in Le Mans für Furore gesorgt hatte. Denn den Eigenbau auf Basis eines Simca 8 trieb ein 1,1 Liter großer Vierzylinder von Fiat an. Die „Coupe de la Libération“ gewann Henri Louveau im Maserati 6CM.
Die Rennen waren mehr als Motorsport!
Sie standen für die Hoffnung auf einen zügigen Wiederaufbau. Denn in Paris benötigten im Sommer 1945 die Einwohner noch Bezugsscheine, um Lebensmittel oder gar Ersatzteile für ihre Autos zu erwerben. Da war der Klang röhrender Motoren und der Einsatz der ausgedienten, aber geliebten Rennwagen ein erster Schritt zurück zu einer friedlicheren Normalität. Der Park Bois de Boulogne wurde an diesem Tag zur Bühne eines kulturellen und sportlichen Neubeginns. Das Rennen markierte nicht nur die Rückkehr des Motorsports, sondern auch der europäischen Lebensfreude – dröhnende Motoren als Klang der Hoffnung.
Die Ergebnisse im Überblick:
Coupe des Prisonniers (Hauptklasse > 3000 cm³)
- Jean‑Pierre Wimille, Bugatti T59/50B – 43 Runden (~121,5 km)
- Raymond Sommer, Talbot‑Lago T26 MC, etwa 1:20 Minuten zurück
- Eugène Chaboud, Delahaye 135S, etwa drei Runden Rückstand
Schnellste Runde: Jean‑Pierre Wimille mit 1:27,8 Minuten (rund 115 km/h)
Coupe Robert Benoist (bis 1500 cm³)
- Sieger: Amedée Gordini in einem Gordini T8 / Simca Fiat
Coupe de la Libération (1500–2000 cm³)
- Henri Louveau im Maserati 6CM
- Auguste Veuillet (MG Magnette K3)
- Lascaud im Amilcar
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