Die „FIA World Touring Car Championship“ startete 1987 mit große Erwartungen. Alfa Romeo setzte den bereits in Italien erprobten Alfa Romeo 75 Turbo ein. BMW trat mit dem BMW M3, Ford mit dem Ford Sierra Cosworth an. Dazu kamen Exoten wie der Holden Commodore, ein Opel Senator mit V8 von der Konzernmutter General Motors, der Maserati Biturbo sowie von Zeit zu Zeit auch einige Mercedes-Benz 190E 2.3-16 oder Volvo 240 turbo.
Wer WM-Punkte erhalten wollte, der musste zunächst eine Einschreibegebühr in Höhe von 60.000 US-$ entrichten. Nur 15 Fahrzeuge bezahlten diese Gebühr: Drei Ford (2 x Eggenberger, 1 x Rouse), vier BMW M3 (2 x Schnitzer und je ein CiBiEmme und Bigazzi), sechs Alfa Romeos 75 sowie ein Maserati und ein Alfa Romeo 33. Das Meldeergebnis blieb deutlich hinter den Erwartungen der Veranstalter und der FIA zurück.
Die Saison begann mit einem Skandal
Die Rennen der neuen Tourenwagen-Weltmeisterschaft orientierten sich an der Tourenwagen-Europameisterschaft. Zu fahren waren jeweils 500 Kilometer lange Rennen, wobei sich zwei Piloten das Fahrzeug teilten. Schon der Saisonstart in Monza war eine Katastrophe. Die Werkswagen von Ford scheiterten dank einer Bosch-Motronic an der Abnahme. Laut Homologation hatten die Sierra eine Elektronik von Marelli-Weber.
Die Werkswagen von BMW M3 wurden nach dem Rennen disqualifiziert, das Material der Hauben entsprach nicht dem Serienzustand. Die Verantwortlichen von BMW gaben den Austausch zu, waren sich jedoch trotzdem keiner Schuld bewusst. Denn die Homologationsblätter beschreiben die Form, nicht das Material. Und so halten sie ihre Kevlar-Hauben heute noch für legal.
Das Problem der dünnen Dächer!
Doch der Skandal ging weiter. Denn nachdem die Rennwagen bereits im Transporter verladen waren, legten die Sportkommissare nach. Sie forderten die Blechstärke der Dächer messen zu dürfen. Dabei stellten sie fest, die Dächer der Werkwagen waren aus dünnerem Blech als das der Serienfahrzeuge. So verlor BMW seinen Sechsfach-Sieg. Ursache dieser Querelen war ein teilweise unsauber formuliertes Reglement.
Denn auch bei den weiteren Rennen gab es immer wieder Diskussionen um die Regelauslegung. In Bathurst wurden die Ford Sierra wegen Modifikationen an den hinteren Radkästen disqualifiziert. Da war Alfa Romeo schon nicht mehr dabei. Denn die Italiener zogen sich vor den Übersee-Rennen zurück. Am Ende gewann Roberto Ravaglia mit einem Punkt Vorsprung auf das Ford-Duo Klaus Ludwig und Klaus Niedzwiedz den Titel.
Alle Rennen, Rennsieger und Meister der „FIA World Touring Car Championship 1987“:
| Nr. | Datum | Rennstrecke | Sieger | Team |
|---|---|---|---|---|
| 1. | 22. März 1987 | Monza (I) | John Harvey (AUS)/Alan Moffat (CDN) | Allan Moffat Racing Holden Commodore #5 |
| 2. | 19. April 1987 | Jarama (E) | Emanuele Pirro (I)/Roberto Ravaglia (I) | Schnitzer BMW M3 #46 |
| 3. | 10. Mai 1987 | Dijon (F) | Gianfranco Brancatelli (I)/Johnny Cecotto (YV) | CiBiEmme BMW M3 #42 |
| 4. | 12. Juli 1987 | Nürburgring (D) | Klaus Ludwig (D)/Klaus Niedzwiedz (D) | Eggenberger Ford Sierra RS Cosworth #7 |
| 6. | 16. August 1987 | Brno (CZ) | Klaus Ludwig (D)/Klaus Niedzwiedz (D) | Eggenberger Ford Sierra RS Cosworth #7 |
| 7. | 6. September 1987 | Silverstone (GB) | Enzo Calderari (I)/Fabio Mancini (I) | CiBiEmme BMW M3 #48 |
| 8. | 5. Oktober 1987 | Bathurst (AUS) | Peter Brock (AUS)/Peter McLeod (AUS)/David Parsons (AUS) | HDT Holden Commodore #10 |
| 9. | 11. Oktober 1987 | Calder (AUS) | Pierre Dieudonne (B)/Steve Soper (GB) | Eggenberger Ford Sierra RS Cosworth #6 |
| 10. | 26. Oktober 1987 | Wellington (NZ) | Klaus Ludwig (D)/Klaus Niedzwiedz (D) | Eggenberger Ford Sierra RS Cosworth #7 |
| 11. | 15. November 1987 | Fuji (J) | Klaus Ludwig (D)/Klaus Niedzwiedz (D) | Eggenberger Ford Sierra RS Cosworth #6 |
Die FIA verzichtete nach nur einem Jahr auf das Ausschreiben der Tourenwagen-Weltmeisterschaft. In den 1990er-Jahren gab es für einige Jahre den „Touring Car World Cup“. Erst im neuen Jahrtausend gab es einen neuen Versuch. Von 2005 bis 2017 schrieb die FIA erneut eine Tourenwagen-Weltmeisterschaft aus. Wobei diese Meisterschaft auf TV-freundliche Sprintrennen setzte und damit einen völlig anderen Charakter hatte.
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