Ich finde es immer spannend, wenn die großen Autohersteller auf Messen wie der Techno Classica ihre – warum auch immer – gescheiterten Projekte ins Licht der Scheinwerfer stellen. Der Z 02 genannte Prototyp eines Motorrads mit dem Motor des Audi 50 gehört definitiv in diese Kategorie.

Dem Volkwagen-Konzern wurde immer wieder mal nachgesagt, ein Interesse am Bau von Motorrädern zu haben. Schließlich gilt das teilweise immer noch als gutes Geschäft. Zudem besitzt der Konzern in seinem reichaltigen Portfolio auch die Markenrechte an den Namen DKW und NSU. Beide eint, früher Motorräder gebaut zu haben und in Audi aufgegangen zu sein.

NSU war in den 1950er-Jahren zweitweilig sogar der größte Motorrad-Hersteller der Welt. Bis heute ist der Name unter der Registernummer 677041 beim Deutschen Patent und Markenamt in der Nizza-Klasse 12 (Motorräder, Motorroller, Motorfahrräder, Mopeds, Fahrräder, Drei- und Vierrad-Kraftfahrzeuge, Sättel, Soziussitze) für Audi geschützt.

Doch eine Nutzung des Namens dürfte zurzeit zumindest in Deutschland schwierig sein. Und es wirkte durchaus etwas überstützt, als Audi im Frühjahr 2012 dem bisherigen AMG-Partner Ducati kaufte. Denn wenige Monate zuvor war bekannt geworden, dass eine Thüringer Terrorzelle unter dem „Namen“ NSU (für „Nationalsozialistischer Untergrund“) agierte.

Ob es zurzeit in Wolfsburg und Ingolstadt noch Pläne zum Wiedereinstieg in das Motorradgeschäft gibt, ist unklar. Trotzdem ist es interessant, dass die PR-Profis der Unternehmen jetzt auf der Techno Classica in Essen auch einen 40 Jahre alten Motorrad-Prototypen in die Auslage stellten. Der Z 02 getaufte Motorrad-Prototyp entstand ab 1975 in der Audi Vorausentwicklung.

Damals war der Konzern im Umbruch

Der Käfer, lange das Fundament des Unternehmens, schwächelte und lief langsam aus. Trotz erster Erfolge war nicht klar, ob der Strategiewechsel (weg vom luftgekühlten Boxer im Heck, hin zum wassergekühlten Frontmotor) auf Dauer gelingt. Im Bau eines Oberklasse-Motorrads sahen die Verantwortlichen eine weitere Möglichkeit, Geld zu verdienen.

Rund um den wassergekühlten Vierzylinder des Auto 50 entstand in der Vorserienentwicklung ein Tourenmotorrad der Motorrad-Oberklasse. Auch wenn der Einsatz von nur fünf Mitarbeitern für dieses Projekt darauf hindeutet, dass das Projekt nicht auf großer Flamme gekocht wurde. Aber ähnlich war ein paar Jahre zuvor der Audi 100 entstanden. Der gilt heute als wichtiger Meilenstein beim Wandel des Konzerns.

Die Anordnung des Motors im Motorrad erinnert an die von Friedel Münch gebauten Maschinen mit dem Motor des NSU TT. Bei der Gestaltung erhielten die Entwickler Unterstüzung aus der Audi-Designabteilung. Die Verkleidung des Prototypen folgt dem Zeitgeist. Die eher eckige Form der Verkleidung erinnert durchaus auch an die 1976 vorgestellten „Strich-Siebener“ Motorrad-Modelle (R 100 RS/7) von BMW. Auch wenn dem Entwurf von Audi der aerodynamische Feinschliff der BMW fehlt.

Auch beim Rahmen holten sich die Audi-Entwickler Hilfe bei BMW. Denn Grundlage der Z 02 war eine gebraucht gekaufte R 90S, deren Rahmen an den Reihenmotor des Audi 50 angepasst wurde. Wobei die Techniker bei Audi auf den Kardanatrieb der BMW verzichteten und ihrem Motorrad einen konventionellen Kettenantrieb verpassten. Das Getriebe des Prototypen stammte aus einer Norton Commando.

Ferdinand Piëch, damals bei Audi Vorstandsmitglied für Technik, soll von dem Projekt gewusst haben. Die Leitung des kleinen Teams oblag Roland Gumpert, der auch selbst die Testfahrten unternahm. Gumpert wurde später Sportchef bei Audi und baute schließlich ab 2004 den Supersportwagen Gumpert Apollo.

Der Vorstand entschied sich gegen die Z 02

1977 stellten die Entwickler ihren Prototypen in Wolfsburg vor. Dazu hatten sie Pläne entwickelt, die Maschine in Brasilien mit 1.100 und 1.300 ccm großen Motoren zu fertigen. Offen bleibt, unter welche Marke das Motorrad wohl angeboten worden wäre. Wäre es eine DKW oder eher eine NSU geworden? Der Prototyp verfügt über kein Markenzeichen.

Doch anders als beim Golf GTI, der als Sport-Golf ebenfalls aus einer „Spielerei“ entstand, wurden die Motorrad-Pläne verworfen. Besonders Vertriebschef Dr. Werner P. Schmidt lehnte den Bau von Motorrädern kategorisch ab. Die Z 02 blieb daher ein Einzelstück und verschwand in den Archiven.

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