Vor ein paar Jahren sah ich im Fahrerlager am Nürburgring einen DOME RC82 mit Straßenzulassung. Die Geschichte des Gruppe C Sportwagens ist spannend.

Vor Kurzem kündigte Toyota einen Sportwagen an, der die Technik der Sportprotypen von Le Mans auf die Straße bringt. Die Idee ist faszinierend, aber nicht ganz neu. Bis vor gut 60 Jahren war das sogar der Standard. Denn in den 1950er-Jahren gab es selbst vom dreifachen Le Mans Sieger Jaguar D-Type mit dem Jaguar XK-SS eine Variante für die Straße. Auch vom Ford GT40 gab es noch ein Serienmodell.

Seit den 1970er-Jahren blieben Straßenversionen der Rennwagen die Ausnahme. Denn in den letzten Jahrzehnten gab es nur kurze Phasen, wo die Regelhüter eine Straßenversion verlangten, um ein Modell zum Start zuzulassen. Nach dem Scheitern der Gruppe C war das in Le Mans zuletzt Mitte der 1990er-Jahre der Fall.

Die meiste Zeit rannten in Le Mans und der Sportwagen-Weltmeisterschaft echte Prototypen. Dieseentstanden ohne Rücksicht Zulassungsbestimmungen. Deshalb blieben die Fans, die mit viel Geld oder zumindest Einfallsreichtum die Hürden einer Straßenzulassung überwanden, die Ausnahme. Porsche 917, 956 oder 962 mit Straßenzulassung sind in der Szene bekannt wie bunte Hunde.

Doch es gibt noch mehr Sportprototypen mit Straßenzulassung. Vor gut zehn Jahren lief ich beispielsweise im Fahrerlager am Nürburgring an einem DOME RC82 mit Straßenzulassung vorbei. Im Vorbeigehen schoss ich zumindest ein Foto. Dann vergaß ich die Begegnung, bis ich heute früh durch Zufall auf das Foto stieß.

DOME RC82 – Gruppe C mit Straßenzulassung

Das Design des Sportprototypen stammt von DOME aus Japan. Den Bau des Fahrzeugs übernahm der britische Rennwagenbauer MARCH. DOME entwickelt und setzt seit 1978 regelmäßig Rennwagen in der Sportwagen-Szene ein. In der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre entstand mit dem DOME F105 zudem ein Formel-1-Rennwagen, der jedoch über Tests nicht hinauskam. Bei YouTube gibt es noch das DOME F105 Promovideo.

Mit dem DOME RC82 trat der japanische Rennwagenbauer 1982 in Le Mans an. Es war das erste Jahr der Gruppe C. Das lockte damals einige Hersteller, die hofften, mit dem Verkauf von Rennwagen Geld zu verdienen. Mit dem Werkseinsatz 1982 wollte DOME die Kunden für den RC82 begeistern. Obwohl DOME nur den Einsatz eines Werkswagen plante, entstanden bei MARCH zwei Chassis. Wobei zunächst wohl nur eines der Chassis komplettiert wurde.

Im Heck des Sportwagens vertraute DOME wie Ford im Ford C100 auf die Langstreckenvariante DFL des erfolgreichen Cosworth DFV. Ursprünglich sollte der DFL seine Kraft aus 3,9 Liter Hubraum schöpfen. Doch das funktionierte nicht. Der Motor litt unter starken Vibrationen. Die Beschränkung auf 3,3 Liter minderte das Problem. Doch damit fehlte Cosworth im Vergleich zum Porsche 956 Leistung. Damit waren die Ford-Teams in der Gruppe C von Anfang an im Nachteil.

Als Fahrer verpflichtete DOME für Le Mans die Formel-1-Piloten Raul Boesel und Eliseo Salazar. Als dritter Pilot gehörte der Brite Chris Craft zum DOME-Fahrerkader. Den Briten kennen Auto-Natives als Hersteller des Light Car Company Rocket. Diesen kernigen Sportwagen baute Craft ab 1991 zusammen mit Formel-1-Design-Legende Gordon Murray in der Light Car Company. 1983 griff auch Pink Floyd Drummer Nick Mason ins Lenkrad des Werkswagens.

Debüt in Silverstone – wie der Porsche 956

Sein Debüt feierte der DOME RC82 bei den Silverstone Six Hours. Den WM-Lauf in Monza einen Monat zuvor lies das Team aus. Damit war DOME in guter Gesellschaft. Denn auch Porsche rückte mit dem legendären Porsche 956 beim zweiten WM-Lauf erstmals aus. Craft und Salazar qualifizierten den DOME RC82 in Silverstone auf dem 17. Startplatz – mit fast neun Sekunden Rückstand auf den Werksporsche.

Im Rennen war nach 116 Runden Schluß. Der DOME RC82 fiel mit einem Problem an der Benzinversorgung aus. Einen Monat später in Le Mans wiederholte sich das „Spiel“. Das Team ging vom 20. Startplatz ins Rennen und fiel aus. Nach 85 Runden brach ein Teil der Aufhängung, bevor Raul Boesel überhaupt ins Cockpit steigen durfte. Nach diesen beiden Rennen beendete DOME die Saison.

Erst 1983 rückte der DOME RC82 in Le Mans wieder aus. Diesmal kollabierte nach 75 Runden die Kupplung. Im Anschluss ersetze DOME den RC82 durch den Nachfolger RC83, der in der eigenen Werkstatt entstand. Trotzdem fand sich für den RC82 ein Käufer. Dorset Racing übernahm den Sportwagen. Trotzdem blieben die Einsätze übersichtlich. 1984 trat Dorset zweimal in der Sportwagen-Weltmeisterschaft an. Wieder fiel der Rennwagen zweimal aus.

1985 nannte Dorset Racing den RC82 bei zwei weiteren Rennen. Als Fahrer sollte der spätere Lola-Besitzer Martin Birrane ins Lenkrad greifen. Das Team gab Nennungen für die WM-Rennen in Le Mans und Hockenheim ab, ohne bei den Rennen tatsächlich anzutreten. Der Rennfahrer Mark Hales kaufte 1987 den Rennwagen. Hales rüstete den Rennwagen mit einem V8 von Chevrolet aus, um mit dem Rennwagen in der Thundersports Series anzutreten.

1988 wollte Hales mit dem DOME RC82 in Oulton Park antreten. Doch nach einem Motorschaden im Training zog der Brite seine Nennung zurück. Es blieb bei diesem Versuch. Der DOME RC82 ging als Rennwagen in die Geschichte ein, der – zu seiner aktiven Zeit – nie die Zielflagge sah. Der deutsche Rennfahrer Peter Hoffmann erwarb den Rennwagen und schaffte es, den Rennwagen für die Straße zuzulassen.

Renneinsätze des DOME RC82:

  • 16.5.1982 – 6h Silverstone – Sportwagen-WM – Chris Craft (GB), Raul Boesel (BR) und Eliseo Salazar (RCH) – 17. Startplatz – Ausfall (Benzindruck)
  • 20.6.1982 – 24h von Le Mans – Sportwagen-WM – Chris Craft (GB), Raul Boesel (BR) und Eliseo Salazar (RCH) – 20. Startplatz – Ausfall (Aufhängung)
  • 19.6.1983 – 24h von Le Mans – Sportwagen-WM – Chris Craft (GB), Eliseo Salazar (RCH) und Nick Mason (GB) – 29. Startplatz – Ausfall (Kupplung)
  • 13.5.1984 – 1000km Silverstone – Sportwagen-WM – Richard Jones (GB), Mark Galvin (IRL) und John Williams (GB) – 31. Startplatz – Ausfall (Ventilschaden)
  • 17.6.1984 – 24h von Le Mans – Sportwagen-WM – Richard Jones (GB), Nick Faure (GB) und Mark Galvin (IRL) – 41. Startplatz – Ausfall (Öldruck)
  • 1.4.1988 – John Foulston Atlantic Thundersports Race Day Oulton Park – Thundersports – Mark Hales (GB) und Bill Hall (GB) – 6. Startplatz – Kein Start (Motorschaden im Training)

1 Kommentar

  1. Guten Abend!

    Ähliches Foto vom DOME hab ich auch! 😉
    Und wenn ich darf, schicke ich ein 30MB Video wie der Wagen aus seiner Garage kommt..

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