Heute drehen wir die Zeit zurück – zurück in den Mai 1982, wo sich am Start von Silverstone Benzinduft, Spannung und britischer Frühling mischen. Es ist der Moment vor dem Rennen – der Moment, in dem alles möglich scheint. Auf den Weg machen sich: im Vordergrund der blau lackierte Vogue SP2-Ford (Startnummer 59), schräg dahinter der weiß-blaue BMW M1 (Nr. 62) von EMKA Productions und CANE-Racing sowie im Hintergrund der Rondeau M382 Ford (Nr. 38).
Drei Konzepte, ein Ziel: Silverstone 1982 in seiner buntesten Form
Drei Autos, drei völlig unterschiedliche Konzepte – und doch starten sie gemeinsam ins gleiche Rennen. Und vielleicht war es genau diese Vielfalt, die im Rückblick die Sportwagen-Weltmeisterschaft jener Jahre so besonders macht. Sie entstand, weil die FISA zu Beginn der Saison 1982 die Regeln grundlegend änderte. Mit der neuen Gruppe C wurden geschlossene Sportwagen zum Standard.
Der Rondeau M382 ist ein früher Vertreter dieser Gattung. Ein Schwesterfahrzeug des auf dem Bild aus Silverstone abgebildeten Fahrzeugs konnte vier Wochen zuvor das erste Rennen der Gruppe C für sich entscheiden. Doch den Sieger der 1.000 Kilometer von Monza steuerten mit Henri Pescarolo und Giorgio Francia Profis, während in unserem Rondeau lupenreine Amateure saßen.
Erinnerst Du Dich an eine Zeit, in der Sportwagenrennen noch ein wilder Stilmix waren?
1982 war so ein Jahr – ein Aufbruch in eine neue Ära! Denn die Gruppe C löste die offenen Sportwagen der Gruppe 6 als Topklasse des Sportwagensports ab. Der Vogue SP2, zweifellos der größte Exot auf unserem Bild, folgt diesem Reglement. Der 1975 von Lester Ray gebaute Sportwagen ist flach, offen, minimalistisch. Sein Antrieb war ein Ford FVA – der legendäre Vierzylinder aus der Formel 2, der als halber DFV gilt.
Zwischen den beiden Fahrzeugen bahnt sich ein BMW M1 seinen Weg. Er wirkt neben den anderen Rennwagen fast wie ein Straßenkreuzer. Der von CANE Racing für EMKA Productions eingesetzte M1 entstand ursprünglich für die Procar-Serie. Dort setzte Project Four von Ron Dennis den Wagen 1979 mit Niki Lauda und ein Jahr später mit Hans-Joachim Stuck ein.
Heute ist der BMW M1 wieder ein Procar!
1981 erwarb Steve O’Rourke, im richtigen Leben Manager der Rockband Pink Floyd, den BMW. CANE Racing baute den M1 zum Langstreckenrennwagen um. Die Briten änderten die Front, verpassten dem Rennwagen breitere Kotflügel und modifizierten das Heck. Ins Cockpit stieg neben O’Rourke regelmäßig Nick Mason, Schlagzeuger von Pink Floyd.
Mason teilte sich auch im Mai 1982 in Silverstone den BMW mit dem Fahrzeugeigner. Bei anderen Rennen verpflichtete dieser Profis wie Derek Bell oder David Hobbs. 1981 saß einmal auch Eddie Jordan in diesem BMW. Nach den 24 Stunden von Le Mans 1982 ging der BMW M1 in den Ruhestand. Inzwischen gehört der Rennwagen – im Procar-Look – zu einer deutschen Sammlung.
Alle drei fuhren die 6 Stunden von Silverstone zu Ende!
Das 6-Stunden-Rennen in Silverstone nahmen die drei von den Startplätzen 24 bis 26 auf – und drehten tatsächlich sechs Stunden lang ihre Runden. Da damals etwas mehr als ein Drittel der Starter ausfiel, hätte rein rechnerisch einer der drei Boliden vorzeitig abstellen müssen. Was nicht passierte – aber so ist das mit dem Zufall und der „Defekthexe“: Manchmal trifft es die anderen.
Unabhängig von unseren drei ging das Rennen in Silverstone als erster Einsatz des Porsche 956 in die Geschichte ein. Offensichtlich sortierte Porsche beim brandneuen Sportgerät noch Probleme aus. Denn das Debüt war eines der wenigen Rennen, das der frühe 956 „verlor“. Jacky Ickx und Derek Bell wurden Zweite – hinter dem Lancia LC1 von Michele Alboreto und Riccardo Patrese.
63 Runden Rückstand ergab den 20. Platz
Der BMW M1 von Steve O’Rourke erreichte Platz 20 und legte auf dem Weg dorthin 177 Runden zurück. Womit dem BMW auf die Sieger satte 63 Runden fehlten. Der offene Vogue SP2 Ford schaffte noch einmal zehn Runden weniger. Die Rondeau-Mannschaft verlor weitere acht Runden. Daher fielen beide Rennwagen, obwohl sie die Zielflagge sahen, am Ende aus der Wertung.
Losgelöst davon erinnert das Bild an einen Moment, wie ihn der Motorsport heute kaum noch kennt. Es ist ein Bild aus einer Ära, in der nicht nur die pure Geschwindigkeit zählte, sondern auch Vielfalt, Improvisation und Ingenieurskunst. Dieses Bild ist mehr als nur ein Blick in die Vergangenheit – es ist eine Erinnerung an eine Ära, in der der Motorsport noch Bühne, Labor und Abenteuer zugleich war.
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