Bis weit in die 1960er-Jahre war der Automarkt in Deutschland einfach. VW dominierte mit dem Käfer den Markt. Opel forderte die Wolfsburger ab 1962 mit dem Kadett heraus. Mit dem damals in der unteren Mittelklasse platzierten Kadett bot Opel ein richtiges Auto. Der Kadett glänzte mit einer ordentlichen Raumaufteilung und bot sogar einen richtigen Kofferraum. Im August 1973 stellte Opel die dritte Generation seines Kadett vor. Damit sah der Käfer endgültig alt aus. Es war zweitweise nicht mal klar, ob die Wolfsburger den Turnaround schaffen sollten.
Praktisch, modern – und doch mit klassischem Antrieb
Der Kadett C stand auf der sogenannten GM-T Plattform, einem 1973 eingeführten weltweiten Baukasten von General Motors für kompakte Hecktriebler. Er war modular aufgebaut und erlaubte Synergien über Marken- und Ländergrenzen hinweg. Ihn nutzten unter anderem in Großbritannien der eng mit dem Kadett verwandte Vauxhall Chevette, in Japan der Isuzu Gemini und der Pontiac T1000 in den USA. Doch 1974 stellte Volkswagen den Golf vor. Das änderte alles. Denn mit dem neuen Wolfsburger wurde in Deutschland die Schräghecklimousine salonfähig.
Da half es auch nicht, dass Opel mit dem Kadett einen neuen grundsoliden Kompaktwagen im Angebot hatte, der vom biederen Familienauto bis hin zum sportlichen GT/E die ganze Breite des Markts abdeckte. Die Kunden fuhren auf das Schrägheck des Golf ab. Ein solches Auto gab es in Rüsselsheim bisher nicht. Deshalb schob Opel 1975 den Kadett City nach. Einen Kadett mit abgeschnittenem Kofferraum – kompakter, mit großer Heckklappe und damit ideal für junge Familien und Freizeitaktive. Kurzum, der City war das Auto, das Opel fehlte.
Der wendige Opel mit dem großen Einsatzspielraum
Der City war nur 3,90 Meter lang, satte 20 Zentimeter kürzer als der „normale“ Kadett. Dafür punktete er aber mit seiner praktischen Klappe und einer ebenen Ladefläche, war ein echtes Raumwunder. Legendär war die Werbung: „Der wendige Opel mit dem großen Einsatzspielraum“. Doch so modern das Schrägheck auch wirkte, unter dem Blech blieb alles beim Alten. Denn Opel hielt am klassischen Antriebskonzept mit längs eingebautem Frontmotor und Hinterradantrieb fest.

Damit baute Opel auf Bewährtes – auf ein Konzept, das in der Kompaktklasse zunehmend als rückständig galt. Denn nicht nur der Golf vertraute auf Frontmotor, Frontantrieb und platzsparende Raumkonzepte. Renault zeigte bereits 1968 mit dem kompakten R6, wohin die Reise geht. Fiat folgte nur ein Jahr später mit dem Fiat 128 und trieb den Umbau seiner Produktpalette auf Fronantriebsmodelle fortan ähnlich wie VW konsequent voran. Damit geriet der klassische Heckantrieb in der Kompaktklasse weiter unter Druck.
Trotzdem war Opel nicht allein auf weiter Flur
Weshalb Opel ab 1979 beim Kadett D den Beispielen der Wettbewerber folgen sollte. Doch dahin sollte es noch ein paar Jahre dauern. Denn bis zur Premiere des Kadett D sollte es noch vier Jahre dauern. Und zuvor, 1977 stellte die britische Niederlassung des Chrysler-Konzerns mit dem Chrysler Sunbeam sogar noch ein völlig neues kompaktes Auto mit Schrägheck vor, das auf angetriebene Hinterräder setzte. Irgendwie bezeichnend, dass die europäischen Töchter amerikanischer Autoriesen so lange brauchten, um den Trendwechsel zu erkennen.
Doch die technische Gegenkultur zum Golf-Prinzip war pragmatisch und bewährt, aber nicht ewig zukunftsfähig. Gleichwohl hatte der Kadett City dank seines Längsmotors und seines Hinterradantrieb ein ausgewogenes Fahrverhalten und eine präzise Lenkung. Dazu bot Opel den City mit breitem Antriebsangebot – von 40 bis 75 PS – an und stattete ihn auf Wunsch sogar einer Automatik aus. Wer es sportlich mochte, konnte den City mit 13-Zoll-ATS-Leichtmetallfelgen und 185er-Bereifung zum flotten Kurvenräuber machen.
Der Abschied vom Heckantrieb kam … schrittweise!
Schon im Sommer 1979 lief der Kadett C aus. Insgesamt stellte Opel etwa 1,6 Millionen Exemplare der dritten Generation des Kadett her. Davon waren 263.090 Exemplare ein Kadett City. Dann wagte auch Opel den Schritt zum Frontantrieb. Mit dem Nachfolger, dem Kadett D, brach Opel endgültig mit der alten Schule. Denn wie fast alle neuen Klein- und Kompaktwagen jener Jahre– vom Ford Fiesta bis zum Honda Civic – verfolgte mit ihm nun auch Opel das „Alles-vorne“-Prinzip.

Trotzdem kehrte der City im Oktober 1980 nochmals nach Deutschland zurück. Denn um unterhalb des Kadett ein günstigeres Auto anzubieten, boten die Rüsselsheimer den Opel Chevette an. Dabei handelte es sich um die linksgelenkte Version des von 1975 bis 1982 produzierten Modells Vauxhall Chevette – dem britischen Zwillingsbruder des C-Kadett. Dessen besonderes Merkmal war die „Droop Snoot“ – eine aerodynamisch geformte, nach vorn gezogene Frontpartie, deren Name sich etwa mit „Hängeschnauze“ übersetzen lässt.
1982 war endgültig Schluss
Bis zum April 1982 bot Opel seine – in Großbritannien gebaute Chevette an. Dann rollte der Heckantrieb bei Opel in der Kompaktklasse in Deutschland endgültig in den Ruhestand. Vauxhall bot ihn noch bis 1984 an. So bleibt, dass der City in einer Zeit des Umbruchs ein Bindeglied zwischen Bewährten und dem Kommenden, zwischen deutscher Ingenieurskunst und globaler Konzernstrategie war. Heute gilt der City als Kultklassiker. Er erinnert daran, wie vielfältig und experimentierfreudig die Wege in die Kompaktklasse einst waren.
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