Wie Autos aus Japan nach Deutschland kamen!

Autos aus Japan sind heute ein fester Bestandteil des unseres Straßenbilds. Noch Anfang der 1970er-Jahre war das völlig anders. Doch dann wagten sich Honda, Toyota, Nissan und Co. auch auf einen der schwierigsten Automärkte der Welt. Am Ende des Jahrzehnts waren praktisch alle japanischen Autobauer in Deutschland aktiv. Wir blicken auf den Start der Japaner in Deutschland zurück.

Tom Schwede
Von Tom Schwede
06. Juli 2013 9 Minuten Lesezeit
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1963 stehen Autofahrer an, um eine TÜV-Plakette auf ihr Nummernschild zu bekommen.

Im März 1963 stehen Autofahrer in Kiel an, um eine TÜV-Plakette auf ihr Nummernschild zu bekommen. Zu sehen von vor allem Volkswagen. Auch Opel, Ford und Mercedes-Benz sind stark vertreten. Ein Renault im Hintergrund ist das einige Import-Fahrzeug. [Foto: Friedrich Magnussen (1914-1987) – Kieler Stadtarchiv]

Ende der 1960er-Jahre war der Automarkt einfach. Alte Fotos zeigen das deutlich. Denn wer Bilder aus westdeutschen Städten von damals betrachtet, sieht vor allem viele Volkswagen. Auch Autos von Opel oder Ford sind auf solchen Fotos vergleichsweise oft zu sehen. Der Marktanteil dieser Marken war damals deutlich höher als heute. BMW und Daimler-Benz waren als Luxusmarken dagegen eher selten. Wobei sicher ein Mercedes auf dem Bild war, wenn zufällig ein Taxi durchs Bild fuhr.

Ebenso auffällig ist, dass Autos aus dem Ausland damals deutlich seltener auf unseren Straßen unterwegs waren. Wobei diese meist aus Frankreich oder Italien stammten. Fahrzeuge aus Großbritannien oder den USA waren Exoten. Der Freund solcher Fahrzeuge musste meist lange auf allen Bildern stöbern, um sie zu erspähen. Erst in den 1970er-Jahren verschoben sich die Marktanteile dramatisch. Als Auslöser gelten die Ölkrisen von 1973 und 1979/80. Denn durch sie legten im Autoland Deutschland plötzlich kleinere und sparsamere Autos deutlich in der Gunst der Käufer zu.

Ein Umstand, den sich besonders die japanischen Autobauer zunutze machten. Denn das lange rückständige Kaiserreich Japan setzte nach dem Zweiten Weltkrieg darauf, dass die Automobilindustrie als Wachstumsmotor die gesamte Volkswirtschaft beflügelt. Dabei setzten die japanischen Unternehmen früh auf rationelle Fertigungsmethoden und eine hohe Quote gleicher Teile. In Verbindung mit günstigen Wechselkursen wurden die Autos aus Japan innerhalb kurzer Zeit zu einer Herausforderung für die etablierten Autobauer.

Schon 1961 bereitete Honda den Weg für Autos aus Japan

Als erster japanischer Hersteller wagte Honda den Schritt nach Deutschland. Bereits 1961 gründete das japanische Unternehmen in Hamburg die European Honda Motor Trading GmbH, um Motorräder und kleinere Industriemotoren zu verkaufen. Erster „deutscher“ Geschäftsführer war Unternehmensgründer Soichiro Honda. Kurz nach dem Schritt nach Europa stellte der Unternehmer in seiner Heimat mit dem Honda S500 sein erstes Auto vor. Gut ein Jahr nach der Premiere Ende Oktober auf der Tokyo Motor Show präsentierte Honda den Sportwagen auch offiziell in Europa.

Sōichirō Honda (4. v. l.) 1968 bei einem Besuch der Honda-Niederlassung in Deutschland

Sōichirō Honda (4. v. l.) bei einem Besuch der Honda-Niederlassung in Deutschland (Foto: Honda)

Soichiro Honda, der nicht nur ein begnadeter Techniker, sondern auch ein Marketingfachmann war, hatte Deutschland von Anfang an im Blick. Zur Europa-Premiere des S500 mietete der Unternehmer einen Rheindampfer und lud Journalisten nach Koblenz ein. Diese Showeinlage machte mehr Eindruck als das erste Auto aus Japan. Denn so schick der kleine Sportwagen war, technisch war er relativ speziell. Der S500 trieb seine Hinterräder über zwei getrennte Ketten an, die in mit Öl gefüllten Schwingen liefen.

Das war sportlicher Leichtbau und sparte gegenüber einer konventionellen Achse viel Gewicht. Trotzdem war diese Hinterachse für Autoliebhaber in Deutschland ein gefundenes Fressen. Honda könne seine Herkunft als Motorradhersteller nicht verbergen, war ein weit verbreiteter Spott. Wohl auch deshalb lieferte Honda sein erstes Auto zunächst nur in Länder wie Italien oder die Schweiz. Der Umschlag der Fahrzeuge aus Japan erfolgte dabei über die Europazentrale in Hamburg.

Der Start der Autos aus Japan erforderte mehr Geduld als erwartet

Erst den Nachfolger S800 bot Honda ab 1967 auch in Deutschland offiziell an. Doch auch dieser Sportwagen war zunächst nur ein Imageträger für Autos aus Japan. Es war wohl auch Soichiro Honda klar, dass der Erstling nicht zum Massengeschäft taugte. Denn auch die Kleinwagen N360 und N600 gingen noch am Bedarf der europäischen Kunden vorbei. Die Zahl ihrer Käufer blieb überschaubar, und Honda sowie andere japanische Hersteller galten weiterhin als Randerscheinung.

Doch 1974, kurz nach der ersten Ölkrise, brachte Honda den Civic auf den deutschen Markt. Das war der Durchbruch für Autos aus Japan. Der Kleinwagen war das richtige Auto zur richtigen Zeit und fand auch hierzulande bald zahlreiche Käufer. Das machte Mut auf mehr Autos aus Japan. Daher erweiterte Honda 1976 auch in Deutschland das Programm um die Mittelklasse-Limousine Accord. Zwei Jahre später folgte das Coupé Prelude. Da galten Honda und Autos aus Japan fast schon als etabliert.

Toyota kam 1970 nach Europa und verkaufte ebenfalls Autos aus Japan

Toyota, Japans größter Autobauer, benötigte etwas länger als Honda, um den Schritt nach Deutschland zu wagen. Toyota fand im portugiesischen Bushersteller Salvador Caetano einen Partner, der 1970 die Produktion des Toyota Corolla in Europa aufnahm. Später fertigte Salvador Caetano auch den Toyota Corona und das Nutzfahrzeug Dyna.

Die Toyota Corolla von 1974 gehörte zu den ersten in Deutschland verkauften Autos aus Japan.

Toyota Corolla 1974–79: Auch bei Toyota war es ein Kleinwagen, der den Durchbruch für Autos aus Japan in Deutschland brachte. (Foto: Toyota)

Doch das Geschäft mit Autos aus Japan blieb auch für Toyota zunächst schwierig. Mit der Ölkrise nahm das Wachstum zunächst ab. Ab 1971 bot Toyota seine Fahrzeuge auch in Deutschland an, zunächst über einen freien Importeur. Erst nach drei Jahren nahm die Toyota Motor Corporation das Geschäft mit Autos aus Japan in die eigene Hand. Die Celica meines Vaters aus dem Modelljahr 1975 war eines der ersten Fahrzeuge, die die Toyota Motor Corporation in Kiel verkaufte.

Wo Toyota ist, da ist auch Nissan

Ein Jahr nach Toyota nahm auch Nissan 1972 den Verkauf in Deutschland auf. Unter dem Markennamen Datsun setzte das 1911 gegründete Unternehmen wie in den USA auf den Datsun 240Z als Imageträger. Dazu hatte Nissan von Anfang an den Sunny im Programm.

Datsun Sunny, 1978

Bei Nissan war der Datsun Sunny, hier ein Coupé von 1978, ein wichtiger Erfolgsbaustein für den Verkauf seiner Autos aus Japan. (Foto: Nissan)

Der Kleinwagen galt als besonders sparsam. So belegte der Sunny 1973 in einem von der US-Umweltbehörde organisierten Benzinverbrauchstest den ersten Platz. Das interessierte auf dem Höhepunkt der Ölkrise auch in Deutschland die Käufer und baute die Skepsis gegenüber Autos aus Japan ab. Mit Erfolg, denn 1982 war Nissan vorübergehend sogar der erfolgreichste Anbieter von Autos aus Japan in Deutschland.

Mazda gewinnt den ersten wichtigen Vergleichstest

Etwa zeitgleich mit Nissan kam auch Mazda nach Deutschland. Mit den Modellen 616, 818 und RX-3 bot Mazda von Anfang an drei unterschiedliche Fahrzeuge in Deutschland an. Durch attraktive Preise genoss die Marke aus Hiroshima bald einen guten Ruf bei kostenbewussten Autofahrern. Hinzu kam, dass Mazda seine Fahrzeuge von Beginn an komplett ausgestattet anbot. Schon 1973 folgte mit der Stufenhecklimousine 1000/1300 auch bei Mazda ein Kleinwagen, der in einer Zeit hoher Öl- und Benzinpreise reißenden Absatz fand.

Auch das Mazda RX-3 Coupé gehörte zu den Autos aus Japan.

Neben der Brot-und-Butter-Ware Mazda 616 und 818 bot Mazda 1973 auch das RX-3 Coupé an. (Foto: Mazda)

Mazda konnte den Trend auch mit dem 1977 vorgestellten Mazda 323 fortschreiben. Mit dem Mazda 626 eroberte die Marke zudem die Mittelklasse. Als erster Japaner gewann Mazda mit dem 626 einen Vergleichstest der Fachzeitschrift „auto motor und sport“ gegen die etablierte Konkurrenz. Und als 1989 der Mazda MX-5 eine längst vergessene Sportwagentradition wiederbelebte, schaffte es Mazda sogar, mit Autos aus Japan emotionale Akzente zu setzen.

1980 begann die Suzuki-Geschichte in Deutschland

Mit dem LJ80 brachte Suzuki 1980 einen kleinen, ursprünglich für die australische Armee entwickelten Geländewagen nach Deutschland. Dessen zivile Version wurde weltweit bald zum beliebten Spaßmobil. Zum spartanischen Konzept gehörten 800 Kilogramm Gewicht und 3,20 Meter Länge. Damit konnte der Kleine seinen Ursprung als Einsatzfahrzeug für Fallschirmjäger nicht verbergen. Trotzdem oder gerade deswegen begeisterte der „Eljot“ bald Surfer, Hippies und andere Großstadt-Cowboys.

Der Suzuki LJ80 war das Spaßmobil unter den Autos aus Japan.

Der Suzuki LJ80 war der erste Suzuki, der in Deutschland angeboten wurde. (Foto: Suzuki)

Vom Erfolg des LJ80 beflügelt brachte Suzuki ein Jahr später auch den Kleinwagen Alto nach Deutschland. Ihm folgten der Swift, der Vitara sowie die LJ80-Nachfolger SJ410 und Samurai. Bis heute behauptet sich Suzuki als Spezialist für Kleinwagen und Modelle der Kompaktklasse. Allerdings bot Suzuki mit dem Grand Vitara und dem in der Mittelklasse positionierten Kizashi später auch größere Fahrzeuge an.

Und dann waren da noch Isuzu, Subaru und Mitsubishi

Der Fahrzeugbauer Isuzu aus der Nähe von Tokio wollte Anfang der 1980er-Jahre ebenfalls in Deutschland Fuß fassen. Isuzu bot den Geländewagen Trooper und den kompakten Gemini an. Doch nachhaltigen Erfolg erzielte die Marke mit diesem Programm nicht. Anfang der 1990er-Jahre beschloss das Unternehmen den Ausstieg aus der Fertigung von Personenkraftwagen. Über den Anteilseigner General Motors fanden die Geländewagen des Hauses als Opel Monterey und Opel Frontera dennoch ihren Weg nach Deutschland.

Seit General Motors seine Beteiligung an Isuzu 2006 aufgab, tritt das Unternehmen wieder selbstständig in Deutschland auf. Es bietet neben Nutzfahrzeugen weiterhin Geländewagen und Pick-ups an. Auf dem Rückzug ist dagegen Daihatsu. Der Kleinwagenspezialist begann 1977 mit dem Export seiner Fahrzeuge nach Deutschland. Inzwischen zieht sich der Autobauer, der in seiner Heimat eng mit Toyota kooperiert, aus Deutschland zurück. Dazu werden wir im Rahmen unserer Serie „Wie kamen die Japaner eigentlich nach Deutschland?“ einen gesonderten Artikel veröffentlichen.

Subaru, die Autosparte des Großkonzerns Fuji Heavy Industries, fand seinen Weg nach Deutschland als konsequenter Verfechter des Allradantriebs. Das geht auf eine Ausschreibung der japanischen Elektrizitätsgesellschaft Tohoku Electric Power Company zurück. Sie suchte einen kleinen Allrad-Pkw für ihre Servicetechniker in Japans Bergen. Subaru entwickelte den Leone Station Wagon 4WD und erhielt den Auftrag. 1979 wagte Subaru damit den Schritt in die Schweiz. Ein Jahr später kam der Leone auch nach Deutschland, gleichzeitig eröffnete Subaru ein Büro in Bad Hersfeld. Bis 2007 konzentrierte sich Subaru auf Allradfahrzeuge. Erst der im Herbst 2007 eingeführte Justy beendete diese Tradition.


Wie Subaru entwickelte sich auch Mitsubishi Motors aus einem Großkonzern heraus. Die Geschichte der Marke mit den drei Diamanten ist so umfangreich, dass ich ihr in den kommenden Tagen einen eigenen Beitrag widmen werde.

Die ganze Story über Daihatsu gibt es ebenfalls in einem weiteren Beitrag.

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