Es gibt Autos, die gelten bereits bei ihrem Debüt als „megaout“. Damit kann man sich doch nicht sehen lassen, heißt es. Die Chance, dass gerade diese Fahrzeuge später einmal zu einem Klassiker reifen ist nur sehr, sehr klein. Doch es gibt diese Märchengeschichten. Denn in seltenen Fällen wird die hässliche Ente im Rückblick zu einem schönen Schwan. Der Opel Manta 400 ist so ein Fall. Beim Debüt eher verkannt, ist er heute ein gesuchter Klassiker.

Opel ist in den 1970er und frühen 1980er-Jahren auf den Rallye-Pisten der Welt zu Hause. Und obwohl man mit den 1979 vorgestellten Ascona noch wettbewerbsfähig ist, stellt Opel auf dem Genfer Automobilsalon 1981 den Manta 400 als neues Homologationsmodell für den Motorsport vor. Für die Homologation in der Gruppe 4 schreiben die Regularien der Fédération Internationale de l’Automobile (FIA) eine Stückzahl von 400 gefertigten Fahrzeugen vor. Diese Stückzahl wird zum Namensbestandteil der Sportversion.

Gebaut für den Motorsport

Der 400 unterscheidet sich von den zivilen Modellen der von 1975 bis 1988 gefertigten Manta B-Baureihe deutlich. Die Ausrichtung auf den Motorsport ist offensichtlich. Herzstück des Manta 400 ist der 2,4 Liter-Vierzylindermotor mit einer Leistung von 144 PS. Auf dem Motorblock sitzt ein Querstromzylinderkopf mit 16 Ventilen, die von zwei obenliegenden Nockenwellen betätigt werden.

Die Kurbelwelle verfügt über acht Ausgleichsgewichte. Die Spritversorgung übernimmt eine Bosch-LE-Jetronic-Einspritzanlage. Serienmäßig ist ein Fünfganggetriebe an Bord, bereits ab Werk kann der Kunde – der Einsatzzweck „Sport“ lässt grüßen – zwischen zwei Hinterachsübersetzungen wählen. Das Fahrwerk verfügt über eine Hinterachse, die von fünf Lenkern geführt wird.

Vor 30 Jahren sorgt dieser verhältnismäßig große Aufwand – bereits in der Serienversion – für überdurchschnittliche Fahrleistungen. Den Sprint von null auf Tempo 100 absolviert der Manta 400 in 7,5 Sekunden. Am Ende der Beschleunigung liegt eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h an. Gut, dass da an der Vorderachse eine mit innenbelüfteten Scheiben optimierte Bremsanlage für Verzögerung sorgt.

Verfügbar in limitierter Auflage

Opel bewirbt das in limitierter Auflage für 31.201 DM verfügbare Sportcoupé mit dem Slogan: „Dynamischer Ausdruck reiner Fahrfreude. Für Kenner und Könner“. Für den Einsatz im Motorsport stehen zahlreiche – heute sagt man – „Updates“ bereit. Das Tuning-Paket von Partner Irmscher bietet einen Stoßfänger aus Kunststoff – vorne mit integriertem Frontspoiler – sowie verbreiterte Kotflügel, Seitenschweller und Leichtmetallräder im Format 8 J x 15, die Reifen der Größe 225/50 VR 15 tragen können. Auf der Heckklappe thront nach dem Update ein dreiteiliger Heckspoiler.

Mit diesem Paket wird der 400er zum Vorbild für zahlreiche „Bastelbuden“, die einige Jahre später zum schlechten Image des Opel Manta beitragen sollten. Für den echten Opel Manta 400 bietet Opel auch im Motorenbereich die für den Rennsport notwendige Aufrüstung. Zunächst erreicht man 250 PS. Spätere „Phase-II“- und „Phase-III“-Triebwerke bieten sogar bis zu 280 PS. Mit dem leistungsstärksten Aggregat beschleunigt der 400er in nur 5,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h.

Von der Entwicklung geschlagen

Opel hat den Manta 400 für den Einsatz in der Rallye-Weltmeisterschaft konstruiert. Doch in der Rallye-Weltmeisterschaft weht inzwischen ein anderer Wind: Audi läutet 1981 mit dem quattro das Zeitalter der Allrad-Fahrzeuge ein. Dazu kommt, dass die FIA kurz nach der Vorstellung des Opel Manta 400 zur Saison 1982 das Reglement ändert. Für die neue Gruppe B müssen nur noch 200 gebaute Fahrzeuge nachgewiesen werden. Die Wettbewerber entwickeln daraufhin Fahrzeuge wie den Audi Sport quattro oder den Peugeot 205 Turbo 16, die mit den namensgebenden Serienfahrzeugen nur noch ganz entfernt verwandt sind.

Opel baut tapfer 245 Einheiten des Manta 400, um das Fahrzeug in der Gruppe B zu homologieren. Doch mit seinem Heckantrieb steht der Manta auf den Rallye-Pisten der Welt auf verlorenem Posten – auch das trägt nicht zu einem guten Image bei. Immerhin werden 1983 in Deutschland Erwin Weber und sein Copilot Gunter Wanger Deutscher Rallye Meister, doch in der Weltmeisterschaft kann man – anders als mit dem Vorgänger, dem Opel Ascona 400 – nicht mehr um Gesamtsiege kämpfen.

Opel geht in die Wüste

Bei der Rallye Paris-Dakar 1984 feiert der Opel Manta 400 den wohl größten Erfolg seiner Motorsport-Karriere. Die Belgier Guy Colsoul und Alain Lopes gewinnen nach rund 11.000 Kilometern die Wertung der Fahrzeuge ohne Allradantrieb – und kommen dabei als Vierte hinter drei allradgetriebenen Wettbewerbern ins Ziel. Den Sieg feiert Porsche mit dem Porsche 953 genannten 911 SC/RS 4×4, der ein Versuchsträger für den Übersportwagen Porsche 959 ist.

Neue Heimat in der „Grünen Hölle“

Nachdem es auf den Rallye-Pisten der Welt nicht zu den ganz großen Erfolgen gereicht hat, entdecken die privaten Rennsportgemeinschaften den Opel Manta 400 als erstaunlich preiswertes, weil haltbares Sportgerät. 1986 belegt der heutige Mercedes-Motorsport-Direktor Norbert Haug gemeinsam mit dem damaligen Opel-Kommunikationsdirektor Karl Mauer und Joachim Winkelhock beim 24 Stunden-Rennen auf dem Nürburgring den zweiten Platz.

In den kommenden Jahren werden die Opel Manta 400 ein fester Bestandteil der Szene des Langstreckenpokals. Und selbst heute, 30 Jahre nach seinem Debüt ist der Manta 400 noch in der „Grünen Hölle“ aktiv. Bernhard Schmittner und Opel-Mitarbeiter Peter Hass treten regelmäßig mit ihrem Opel Manta 400 im Langstreckenpokal an. Nach der Übernahme des ehemaligen Werkswagens 1987 kann das Team bis heute bei fast 100 Langstreckenrennen mehr als 40 Klassensiege gegen die – zum Teil deutlich moderne – Konkurrenz verbuchen.

Auch bei Oldtimer-Treffen entlocken echte Opel Manta 400 heute kein Entsetzen mehr. Die hässliche Ente lockt, da sie nun als Schwan wahrgenommen wird, meist sogar ein bewunderndes Lächeln hervor. Die Traditionspflege und der Erhalt der sportlichen Opel-Modelle wird von den Mitgliedern des bereits 1986 gegründeten Opel-400-Clubs aktiv unterstützt. Der Club bietet Freunden des 400er Rat und Hilfe für die Restaurierung ihrer Schätze, sowie viele Informationen zur Historie und zum ggf. sportlichen Werdegang ihrer Fahrzeuge.

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