Autohäuser befinden sich an den großen Ausfallstraßen. Alle Autohäuser? Nein! Denn ich war kürzlich in Paris in der DS World – einem Autohaus, das eher an eine Modeboutique erinnert.

Der „perfekte“ Standort für ein Autohaus folgt seit vielen Jahren einem der ungeschriebenen Gesetze der Autoindustrie. Seit den 1980er-Jahren streben die Händler an die großen Ausfallstraßen. Dort stehen inzwischen zahlreiche Verkaufstempel, die sich vom Grundprinzip jedoch kaum unterscheiden. Vor Tür stehen die Gebrauchten. Innen, wahlweise linker oder rechter Hand der Reparaturannahme, stehen die Neuwagen. In ihrer Nähe stehen die Schreibtische der Verkäufer. Eigene Büros für die Vertriebsmitarbeiter gehören bei den meisten Marken nicht zum Standard. Ohne die jeweilige Farbwelt, die Logos der Hersteller und natürlich die ausgestellten Produkte wäre ein Autohaus kaum von einem anderen zu unterscheiden.

Doch es geht auch anders!

Zumindest in echten Großstädten versuchen inzwischen einige Hersteller ein anderes Konzept. Sie etablieren reine Verkaufsstandorte, losgelöst von der Wartung und dem Gebrauchtwagenhandel. Citroën hat dazu vor gut einem Jahr in Paris seine erste DS World eröffnet. Das etwas andere „Autohaus“ ist im vornehmen 8. Arrondissement der französischen Hauptstadt beheimatet. Direkt neben der DS World befinden sich ein Luxushotel und zahlreiche Geschäfte der Haute Couture. In der Nähe verfolgen auch Mercedes-Benz und BMW ähnliche Konzepte.

Mit der DS World bekräftigt Citroën, dass in den kommenden Jahren aus den Modellen der DS-Linie eine eigene Marke wachsen soll. Dabei haben die Verantwortlichen besonders den Markt in China im Blick. Im Reich der Mitte sind französische Modeprodukte begehrte Statussymbole. Französischer Chic mit seiner klassischen, zeitlosen Eleganz hat in China einen Ruf, der in unseren Breiten zuletzt etwas verloren ging.

DS World in Paris
DS World in Paris: Von außen nicht sofort als Autohaus zu erkennen

Citroën will dieses positive Image, das Firmen wie Hermes oder Louis Vuitton aufbauten, für sich nutzen. Die DS World in Paris ist eine der Maßnahmen auf dem Weg zur neuen Marke. Mit ihr rücken die Franzosen ihre neue Marke DS ins Herz der „Goldenen Triangel“. So nennen Reiseführer das Dreieck zwischen Champs Elysees, der Avenue George V und der Montaigne Avenue, die die Heimat aller wichtigen Modemarken ist.

Dabei ist die Marke DS nicht nur in China für Citroën und Konzernmutter PSA wichtig. Denn Vorurteile gegenüber Citroën sind teilweise tief verwurzelt. Wer sich für einen C4 Cactus interessiert, darf sich in seinem Umfeld immer noch oft belächeln lassen. Muss sich – von Unwissenden – anhören, ob ihn denn kein „richtiges“ Auto interessieren würde. Grober Unfug, bei objektiver Betrachtung.

Gleichzeitig hat sich das Kundenverhalten verändert. Selbst bei Brot- und Butter-Autos verlangen Kunden eine gewisse Individualisierung. Beides zusammen bewog Citroën bereits vor knapp fünf Jahren zum Angebot der DS-Linie. Unter dem Label DS, das sich an die legendäre DS 21 von 1955 anlehnt, etablierten die Verantwortlichen ihre Vision von Premium. Durchaus mit Erfolg, denn fast 2/3 der Kunden der DS-Linie entscheiden sich inzwischen erstmals für einen Citroën.

Von der Option zur eigene Marke – mit der DS World

Beim Wandel zur Marke hat Citroën vier Kernwerte identifiziert, die die Kunden ansprechen sollen. Erbe, Avantgarde, Raffinesse und Magie. Alle vier Punkte finden in der DS World statt. Von außen wirkt das „Autohaus“ unscheinbar. Es ist kaum von den Modegeschäften der Nachbarschaft zu unterscheiden. Nur das DS-Logo über die Tür und ein kleines Citroën-Zeichen zeigen an, dass es hier um Autos geht.

DS Cabrio von 1958
Ein DS Cabrio 19 von 1958 ist bei meinem Besuch das Symbol für das Erbe der Marke DS.

Innen stehen 600 m² auf drei Ebenen zur Verfügung. Als ich die DS World besuche, stehen im Erdgeschoss tatsächlich zwei Neuwagen. Das ist nicht immer so, da Citroën den Raum von Zeit zu Zeit auch Künstlern für Ausstellungen zur Verfügung stellt. Magie – einer der Markenwerte der Marke DS – spielt immer auch mit dem Unerwarteten. In diesem Sinne wird direkt nach dem Eintreten in die DS World deutlich, dass sich diese Verkaufsstelle von einem typischen Autohaus unterscheidet.

Im Obergeschoß huldigt die DS World ihrem Erbe. Ich treffe hier auf ein rotes DS Cabrio und ein Sofa, das treue Leser unsers Blogs bereits kennen. Aber auch das ändert sich. Vielleicht steht bei Ihrem Besuch dort schon wieder ein anderes Fahrzeug aus der reichen Geschichte der DS, um das Erbe der Marke zu dokumentieren.

DS World in Paris
Darstellung von Ausstattungsoptionen in der DS World in Paris

Im Untergeschoss besteht schließlich die Möglichkeit, die Avantgarde und die Raffinesse der Marke zu erleben. Mit Modellautos, die auch vor Ort zu kaufen sind, stellt Citroën die Möglichkeiten zur Individualisierung der Fahrzeuge dar. Daneben geben Schaukästen einen Einblick in die Handwerkskunst, die besonders bei der Gestaltung der Innenräume zum Einsatz kommt. Garnrollen und Holzproben ermöglichen dem Interessenten, das Anfassen von Bestandteilen seines zukünftigen Autos.

Spätestens hier wird deutlich, dass die DS World eben auch ein Autohaus ist. Das Konzept scheint zu funktionieren. 80 Prozent der Kunden, die sich in der DS World für ein neues Auto entscheiden, sind zuvor kein Produkt aus dem PSA-Konzern gefahren. Kein Wunder, dass die Franzosen in Shanghai inzwischen die zweite DS World eröffneten.

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