Mike Jordan betreibt in der Rennstadt Hohenstein-Ernstthal das „Motorrennsport-Archiv Jordan“. AutoNatives.de sprach mit ihm über die umfangreiche Sammlung.

Motorsport begeistert seit Beginn des mobiles Zeitalters. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Motorsport-Wettbewerbe durchgeführt. Das Publikum war begeistert und strömte zu den Rennen. Insbesondere in den 1920er-Jahren entstanden immer mehr Rennstrecken. Einige davon auch in Sachsen und Thüringen. Ein Chronist dieser Rennszene – von den Anfangen, über die sozialistischen Jahre in der „DDR“ bis zur Gegenwart – ist Mike Jordan, der im Gespräch mit AutoNatives.de seine umfangreiche Sammlung vorstellt.

Herr Jordan, wie würden Sie einem zufälligen Bekannten das Motorrennsport-Archiv beschreiben?

Es ist die umfangreichste Foto- und Informationssammlung über ostdeutsche Rennstrecken. Es befindet sich in Privathand und muss sich finanziell selbst tragen.

Wie viele Fotos, Programmhefte, Veranstaltungsplakate und Berichte umfasst das Archiv?

Katalogisiert sind über 112.000 Motive und 52.000 Memorablien, dazu kommen noch Zeitschriften und Jahrbücher vieler Jahrgänge.

Wo liegt der Schwerpunkt der Sammlung?

Das sind alle Rennstrecken Ostdeutschlands, eingeschlossen die Gebiete, welche seit 1945 nicht mehr zu Deutschland gehören. Naturgemäß sind die meisten Unterlagen vom Sachsenring, Schleizer Dreieck, Frohburger Dreieck, MotorsportArena Oschersleben und EuroSpeedway Lausitz.

Sind die Berichte und Fotos ausschließlich von Rennen aus dem ehemaligen Ostblock?

Nein, es gibt auch Unterlagen und Fotos von westdeutschen und westeuropäischen Rennstrecken. Die Sammlung wird aber nicht explizit in diese Richtung erweitert.

Wie kamen Sie zum Motorrennsport-Archiv?

Es ist das Erbe meines Vaters, der als junger Mensch aktiver Motorsportler war. 1955 hat mein Vater das Archiv als „Motorrennsport-Archiv Sachsenring“ gegründet. Grundlage war der Nachlass von Paul Berger, der 1927 der erste Rennleiter des Sachsenrings war.

Ihr Vater war aktiver Rennfahrer. Was ist er gefahren?

Er war – heute würde man sagen – motorsportlicher Breitensportler. Er fuhr Motocross, nahm an Motorradakrobatik-Wettbewerben teil und war Rallyebeifahrer. Im Winter war er Skispringer.

Ist er über das Motorrennsport-Archiv auf Tuchführung mit der Motorsport-Szene geblieben?

Ja, er war zu diesem Zeitpunkt Streckenposten, später Pressehelfer, Sportkommissar und 1960 Pressechef bei der Radsport-WM sowie 1968-75 Pressechef auf dem Sachsenring.

Wann waren Sie selbst erstmals bei einem Rennen? Wo war das?

Das war 1962 mit einem Jahr im Kinderwagen am Sachsenring.

Hat es Sie nie gejuckt, ebenfalls zu fahren?

Natürlich, am liebsten Tourenwagen. Aber das war finanziell nicht möglich. So habe ich es beruflich „nur“ zum Testingenieur bei „Trabant“ in Zwickau geschafft.

Heute verkaufen Sie im Internet, wie lief das vorher? Wie lief das insbesondere in der „DDR“?

Da ich das Archiv genau 1989 übernahm, weiß ich nur noch, dass „vorher“ kaum einer wissen durfte, was wir eigentlich besaßen. Es wurde mehr oder weniger schwarz gehandelt. Mein Vater hatte eine komplett eingerichtete Dunkelkammer zur Fotoentwicklung. Ab 1990 verkaufte ich auf Veranstaltungen und Märkten. Die Entwicklung des Internets war für mich wie geschaffen. Das Angebot über die ganze Welt zu präsentieren – einfach genial. Die Domain´s „motorrennsportarchiv“ und „ostmotorsport“ waren glücklicherweise noch frei.

Wo sitzen Ihre Kunden? Was war der „weiteste“ Verkauf?

Ein Plakat ging in die USA, Zeitschriften noch Hongkong oder Fotos nach Australien. Dort entsteht gerade ein Buch über australische Motorradrennfahrer.

Was ist Ihr Lieblingsfoto? Welches ist Ihr Lieblingsprogrammheft?

Es gibt ein Foto des Zweirad-Pioniers Hans Grade (auch Flugzeugbauer) von 1906. Erst kürzlich erwarb ich das Programm der Eröffnung der Avus von 1921. Eine Original-Studie zum Bau des Großdeutschlandrings von 1933 und andere Memorablien vervollständigen das Archiv.

Welcher Pilot, dessen Karriere Sie im Motorrennsport-Archiv dokumentiert haben, ist Ihre Lieblingsfahrer?

Lieblingsfahrer sind alle die, welche Ausnahmekarrieren durchlaufen, wie aktuell Michael Schumacher oder Valentino Rossi. Aber auch in der Vergangenheit gab es viele dieser Piloten. Wichtig ist für mich die Verbindung zu den ostdeutschen Rennstrecken. So ist Bernd Rosemeyer in den 1930er Jahren fast auf allen Rennstrecken hier gefahren und wenn es nur zu Präsentationszwecken war.

Gibt es etwas, was Sie schon sehr lange suchen, um eine Lücke im Archiv zu schließen?

Die Lücken im Archiv sind nicht bei den großen Veranstaltungen zu finden. Es fehlen manchmal Unterlagen von regionalen Bergrennen in Thüringen und Sachsen (Vorkrieg und DDR). Dazu gibt es Lücken bei den vielen Vorkriegsrennen, die teilweise mit internationaler Besetzung in den Gebieten, die jetzt zu Polen gehören, stattgefunden haben. Bisher wurden immerhin 200 Rennstrecken „gefunden“ und im Archiv katalogisiert.

1300ccm.de dankt für das Gespräch.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Mike Jordan vor einigen der etwa 200 Archivkartons (Foto: Jordan)

Mike Jordan vor einigen der etwa 200 Archivkartons (Foto: Jordan)

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