Im Zentrum unsers Wochenrückblicks #5/2014 steht diesmal das „Automagazin“ GRIP. Es versucht seit Jahren, Autothemen clownesk aufzubereiten. Scheint nicht wirklich zu funktionieren, denn neuerdings crasht die Redaktion dabei auf der verzweifelten Suche nach Aufmerksamkeit die Testfahrzeuge.

Was war?

Das ist immer die Frage, was uns oder andere Auto-Blogger in den vergangenen sieben Tagen beschäftigt hat. Für mich persönlich war es, was das Bloggen betrifft, eine eher ruhige Woche. Zu den Artikeln über Daihatsu und über den unorthodoxen Dreizylinder von Nissan habe ich Leserreaktionen erhalten, die mich sehr gefreut haben. Es ist immer toll, wenn unsere Artikel für angenehme Erinnerungen bei den Lesern gesorgt haben. Solche Zuschriften sind die Momente, wo Blogger völlig unabhängig von nackten Zugriffszahlen spüren, dass sie gelesen werden.

Es ist längst kein Geheimnis mehr: Bloggen wirkt!

Verlassen wir dazu für einen kurzen Moment mal die Auto-Welt. Auto-Native Karla betreibt auch ein Foto-Blog. Dort stellt sie ihren Lesern regelmäßig Kameras, Objektive und anderes Fotozubehör vor. Jüngst erst die Powershot G16 von Canon. Immerhin eine rund 500 € teure Kamera für anspruchsvolle Hobbyfotografen. Mindestens fünf Leser ihres Blogs haben sich anschließend die G16 gekauft. Der Test und die Fotos der Foto-Bloggerin haben sie von der Kamera überzeugt, wie Leserfotos belegen.

Was ist?

Meinungsbildung ist längst kein Privileg der etablierten Zeitungen und Zeitschriften. Auch Blogger haben sich ihren Platz erobert. Dabei sind sie nicht nur auf sich selbst fixiert. Mit dem wachen Auge der Unabhängigkeit nehmen sie sich Themen vor, die sonst im Journalismus keinen Platz finden. Denn dort, so ist der Eindruck, hackt eine Krähe der anderen kein Auge aus.

Ein schönes Beispiel dafür ist in dieser Woche der Hinweis von Sebastian Bauer auf die „Auto-Sendung“ GRIP. Dort wurden, wie Sebastian schreibt, innerhalb kurzer Zeit zwei Autos beim „Testen“ – oder vielleicht schreiben wir besser „Spielen“ – nachhaltig beschädigt. Zunächst ein Nissan 370Z Nismo, dessen Kupplung die Schauspieler Axel Stein und Moritz Bleibtreu ruinierten. Eine Woche später ein Lotus Exige, der das Opfer eines Geschlechterkampfs „Mann gegen“ Frau wurde.

Den Anfang dieses Berichts habe ich am vergangenen Sonntag zufällig auch gesehen. Dann aber schnell weitergeschaltet, weil mir diese sogenannten „Tests“ in TV-Sendungen schon länger auf den Geist gehen. Die Punktewertungen dieser „Tests“ sind meist nur wenig nachvollziehbar, wirken oft sogar willkürlich. Schließlich soll, so mein Eindruck, am Ende immer ein Unentschieden oder allenfalls ein knapper Sieg herauskommen. Damit, das haben die TV-Macher sicherlich gemessen, werden am wenigsten Zuschauer verprellt.

Denn produziert wird, was gefällt – den Zuschauern! Und der Werbeindustrie!

TV-Produktionsfirmen sind primär Wirtschaftsunternehmen, die um Zuschauer und damit mittelbar um Werbeeinnahmen kämpfen. Deshalb bieten die Aktionen von GRIP deutlich mehr Raum zum Reiben, als Sebastian gefunden hat. Sebastian reduziert seine Kritik auf das Verschrotten. Interessant wäre, auch die Reaktion der Hersteller zu erfahren. Ich würde gar nicht ausschließen, dass ihnen dieser Schwund recht ist, wenn die Quote stimmt.

Schrott als Versuch, die Quote zu retten?

Vermutlich! Denn GRIP läuft seit einiger Zeit Sonntags um 18 Uhr, eine Stunde eher als zuvor. Wenn ich mein eigenes TV-Verhalten als Maßstab nehme, ist die aktuelle Sendezeit der deutlich schlechtere Sendeplatz. Also hat die Redaktion eine „Krawalloffensive“ gestartet, um die Zuschauer hinter dem Ofen hervorzulocken.

Mit etwas „Kernschrott“ könnte das sogar funktionieren. Wer sich die Kommentare unter den zahlreichen Crash-Videos bei YouTube ansieht, weiß warum. Also liefert GRIP konsequent das Niveau. Auch wenn die Verantwortlichen vermutlich eher die britische Auto-Sendung Top Gear als Vorbild heranziehen. Die Briten beweisen seit Jahren, wie man unterhaltsam Autos bis an ihre Grenzen bringt.

Dumm nur, dass der Redaktion von GRIP einfach der geistreiche Witz fehlt, der die Briten auszeichnet. Daher wirken die GRIP-Beiträge nicht erst jetzt einfach fade, öde und niveauarm. Wo sollte jetzt ein höheres Niveau plötzlich herkommen? Die GRIP-Redaktion macht seit Jahren inhaltsarme „Tests“ zu völlig unwichtigen Fragen. Viele Beiträge werden clownesk aufbereitet. Neuerdings gehören offensichtlich Crashszenen dazu. Für mich hat die Redaktion damit die Sendung GRIP endgültig an die Wand gefahren!

Und was kommt?

GRIP auf meinem Bildschirm jedenfalls nicht! Aber die Frage „was kommt“ betrifft immer auch das, was wir gerade in Arbeit haben. Das ist zurzeit vor allem ein Slalom-Rennwagen. Über dessen Bau-Fortschritt werden wir ab morgen regelmäßig in diesem Auto-Blog berichten. Es bleibt also spannend im Auto-Blogger-Land.


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Unser Wochenrückblick „Worte am Sonntag“ nimmt die zurückliegende Woche in den Rückspiegel.

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Author

Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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