29. August 1885: Gottlieb Daimler beantragt das Patent für das erste Motorrad der Welt

Heute vor 130 Jahren meldete Gottlieb Daimler zusammen mit seinem engen Mitarbeiter Wilhelm Maybach den Daimler-Reitwagen zum Patent an.

Das Unternehmen, das sich auf Gottlieb Daimler zurückführen lässt, beteiligte sich erst im vergangenen Jahr mit 25 Prozent an einem Motorradhersteller. Das ist auch deshalb erstaunlich, weil der Daimler-Reitwagen heute als erstes von einem benzinbetriebenen Verbrennungsmotor (Benzin) angetriebenes Motorrad gilt. Gottlieb Daimler hatte sich in den 1870er-Jahren als Erfinder einen Namen gemacht.  1882 verlies Daimler die Deutz AG, und machte sich mit einer Versuchswerkstatt in Cannstatt selbständig.

Dort entstand ein kompakter, schnell laufender Einzylinder-Viertaktmotor. Der als „Standuhr“ bezeichnete Motor erreichte mit einem Hubraum von 462 ccm bei 600 Umdrehungen pro Minute eine Leistung von einem PS. Kurze Zeit später stellte Daimler eine kleinere Standuhr mit 264 ccm Hubraum vor. Mit 60 Kilogramm Gewicht deutlich schwerer als heutige Industriemotoren, die etwas den gleichen Hubraum haben. Und mit 0,5 PS auch schwächer als der größere Vorgänger.

Idee: Daimler-Reitwagen

Trotzdem wollte Gottlieb Daimler seine Motoren nicht nur als Stationärmotoren verkaufen. Zusammen konstruierten Daimler und Maybach deshalb ein hölzernes und mit Stützrädern versehenes Zweirad. Den Rahmen des Gefährts fertigten sie aus dem Holz von Wallnussbäumen und verstärkten ihn mit Eisenplatten. Im Zentrum der Konstruktion stand der Motor. Als Kupplung konstruierten sie einen lösbaren Antriebsriemen.

Die Räder des Gefährts waren 60 cm hohe Holzspeichenräder, die 35 mm breite Eisenreifen als Verstärkung trugen. Damals im Kutschenbau eine übliche Technik. Der Auspuff führte die Abgase unter dem wie bei einem Reitsattel geformten Ledersitz hindurch ins Freie. Heute bei Sportmotorrädern immer noch eine gern gewählte Auspuffführung.

Und anders als Nicholas Cugnot 1769 bei seinem ersten Dampfwagen dachten Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach bei ihrem bis zu 12 km/h schnellen Gefährt auch ans Bremsen. Ihr – wie es in der Patentschrift hieß – „Fahrzeug mit Gas- bzw. Petroleum-Kraftmaschine“ überfügte über eine das Hinterrad wirkende Klotzbremse. Der Fahrer konnte die Bremse über Schnüre vom Lenker aus betätigen.

Die Daimler-Söhne Paul und Adolf – damals gerade 14 Jahre alt – unternahmen die Rolle der Testfahrer. Überliefert ist ein drei Kilometer langer Ausflug von Cannstatt und Untertürkheim. Bei den damaligen Straßenverhältnissen mit einem ungefederten Gefährt sicherlich nicht nur ein Vergnügen. In zeitgenössischen Quellen hieß es dazu:

„Wenn der Motor in Gang gesetzt werden soll, so wird unter dem Glührohr die kleine Flamme angezündet und der Motor mittels der Kurbel einmal angedreht; diese Vorbereitung ist in einer Minute geschehen. Der Motor arbeitet ruhig, da zur Dämpfung des Auspuffes in die Auspuffleitung ein Auspufftopf eingeschaltet ist. Soll das Fahrzeug in Bewegung gesetzt werden, so besteigt der Fahrer dasselbe, ergreift das Steuer und bringt den Motor mit dem Fahrrad in Verbindung. Dies geschieht durch den Hebel, die Schnur und die Spannrolle; durch diese wird nämlich der Treibriemen gegen die Scheibe angezogen. Die Riemenscheiben dienen zur Erzielung verschiedener Geschwindigkeiten; wird der Treibriemen in die obere Lage gebracht, so fährt das Fahrrad langsam, von der unteren Lage aus erzielt man ein schnelleres Fahren. Die Bremse wird durch eine Schnur angezogen, die für den Fahrer bequem erreichbar ist; will man das Fahrrad zum Stillstand bringen, so schaltet man durch einen Hebel zwischen Sitz und Lenkrad den Treibriemen aus und alle Bewegung hat ein Ende.“

Im Winter 1885/86 bauten die Erfinder das Motorrad zu einem Snowmobil um. Beim Daimler-Motorschlitten ersetzte eine Kufe das Vorderrad. Die gefederten Stützräder ersetzen die Konstrukteure durch Gleitschienen und das Hinterrad bestückten sie mit Spikes. Doch Fahrversuche auf zugefrorenen Cannstatter See verliefen nicht zufriedenstellend. Und Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach entwickelten die Idee der selbstfahrenden Maschine zum Motorwagen weiter. Im Oktober 1886 bauten sie ihren Motor in eine Kutsche ein. Der Rest ist Geschichte …

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Als Kind der 1970er-Jahre hatte Tom das große Vergnügen, in einem ausgesprochen automobilen Umfeld aufzuwachsen. Das war der optimale Nährboden, um heute über Autos zu schreiben und regelmäßig am Mikrofon über Autos zu sprechen. Denn Tom Schwede moderiert seit 2010 bei großen Oldtimer- und Klassik-Veranstaltungen in Deutschland. So ist Tom unter anderem bei den Classic Days (früher Schloß Dyck, heute in Düsseldorf) oder dem 1.000 Kilometer-Rennen am Nürburgring zu hören. Wenn Sie also einen Moderator oder Streckensprecher für Ihre Oldtimer-Rallye oder Ihr Oldtimer-Treffen suchen, dann sind Sie bei Tom definitiv richtig!