Als nach dem Ersten Weltkrieg die Autobauer Benz und Daimler in den Einflussbereich eines Spekulanten gerieten, drohte beiden das Aus. Der Weg aus der Krise führte über einen Zusammenschluss, der heute vor 89 Jahren vollzogen wurde.

Carl Benz erfand 1886 das Auto mit Verbrennungsmotor. Seine Firma, die Benz & Cie. in Mannheim steigt zum ersten Automobilhersteller der Welt auf. Die Absatzzahlen und die Zahl der Mitarbeiter stiegen sprunghaft an. Doch zur Jahrhundertwende geriet das junge Unternehmen in Schwierigkeiten. Die Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) aus Stuttgart übertrumpfte ihren Konkurrenten mit ihren modernen Mercedes-Modellen. Benz hielt zwar dagegen, aber die DMG baute ihren Vorsprung bis zum Ende des Ersten Weltkriegs kontinuierlich aus.

Werbeplakat aus dem Jahr 1926 zur Fusion von Daimler und Benz
Werbeplakat aus dem Jahr 1926 zur Fusion von Daimler und Benz

Mit der einsetzenden Inflation Anfang der 1920er-Jahre gerieten beide Unternehmen in den Einfluss des Finanzspekulanten Jacob Schapiro. Der Berliner Kaufmann erwarb bis 1924 rund 60% des Aktienkapitals der Firma Benz & Cie. Daneben stieg Schapiro auch bei der DMG und weiteren Autoherstellern zu einem wichtigen Aktionär auf. Doch sein Geschäftsmodell funktionierte nur dank der Hyperinflation. Denn der Kaufmann bezahlte die von ihm gehandelten Waren grundsätzlich mit Wechseln. Dabei setzte Schapiro darauf, dass sich die Wechselbeträge dank der Inflation bis zum Einlösen an Wert verloren.

Das funktionierte, bis sich die Verhältnisse in Deutschland 1924 langsam normalisierten. Schapiro konnte die Wechsel trotz seiner umfangreichen Industriebeteiligungen nicht einlösen. Unter dem Druck der Gläubiger geht ein großer Teil seines Vermögens in die Zwangsversteigerung. Doch solche Verfahren dauern und sorgen besonders bei den Unternehmen, die an Schapiro Waren gegen Wechsel verkauft hatten, für einen Liquiditätsengpass.

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Dem Zusammenschluss ging eine Vertriebskooperation voraus.

Besonders hart betroffen waren die Autohersteller. Denn Schapiro war damals zeitweise der größte Autohändler in Deutschland. Dazu betrieb er in Berlin eine große Taxiflotte. Dank seiner Beteiligungen verfügte Schapiro über genügend Einfluss, um die Vorstände der Unternehmen zu den ungünstigen Wechsel-Geschäften zu veranlassen. Alle Autobauer, an denen Schapiro Beteiligungen hielt, gerieten in eine existenzbedrohende Krise. NSU verkaufte seine Autosparte an Fiat. Bei Hansa-Lloyd übernahm Carl F. W. Borgward die Geschäfte.

Und bei Benz & Cie. sowie der Daimler-Motoren-Gesellschaft wurde die Deutsche Bank aktiv. Die kaufte gezielt Forderungen beider Unternehmen auf. Denn deren Vorstände waren auch vor fast 90 Jahren schon an einem guten Investment interessiert. Sie sahen die Möglichkeit, die Anleihen in Anteile zu tauschen. Gleichzeitig sahen auch Manager in den Unternehmen die Chancen eines Zusammenschusses. Bereits 1924 starteten die Fusionsverhandlungen. Ein Jahr später zog Benz-Direktor Wilhelm Kissel bereits in den Vorstand der DMG ein – ohne eine finanzielle Verflechtung der Unternehmen.

Am 28. Juni 1926 vereinbarten Benz & Cie. und die Daimler-Motoren-Gesellschaft die Fusion. Das neue Unternehmen nahm am 1. Juli 1926 unter dem Namen Daimler-Benz AG seinen Betrieb auf. Das Ereignis wurde mit einem offiziellen Fusionsplakat beworben. Es zeigt den Dreizackstern von Mercedes und den Lorbeerkranz von Benz, die später zum Logo der Daimler-Benz AG zusammenwuchsen.

Doch im Mittelpunkt des Plakats steht eine Abwandlung der Göttin Victoria. Sie war seit dem 19. Jahrhundert im Deutschen Reich ein beliebtes Motiv. Wie auf der Spitze der Berliner Siegessäule von 1873 hält auch die Victoria bei Daimler-Benz in ihrer erhobenem rechten Hand einen Lorbeerkranz. Doch statt eines Friedenssymbols, das bei anderen Victoria-Darstellungen dieser Zeit üblich ist, trägt Daimlers Victoria einen Hammer.

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