Heute sind luftgefüllte Reifen aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Ihnen schenken wir erst Beachtung, wenn sie ihren Inhalt verlieren. Heute vor 130 Jahren meldete John Boyd Dunlop luftgefüllte Reifen zum Patent an.

Dunlop, ein gelernter Tierarzt, hatte sich zuvor lange mit den Einsatzmöglichkeiten von Kautschuk beschäftigt. Die Legende besagt, dass Dunlop die ersten luftgefüllten Reifen für das Dreirad seines Sohns konstruierte. Es lief mit luftgefüllten Reifen deutlich leiser und erheblich schneller als mit den zuvor genutzten Metallscheiben. Dunlop konstruierte daraufhin einen Fahrradreifen und überzeugte sich bei Testfahrten auf einem Sportplatz selbst von den Vorteilen der neuen Technik, um sie dann zum Patent anzumelden.

Die Patentanmeldung war zunächst erfolgreich und Dunlop gewann mit Willie Hume einen damals bekannten Radfahrer dafür, mit luftgefüllten Reifen anzutreten. Hume eilte 1889 mit dem Dunlop-Reifen von Erfolg zu Erfolg. Das weckte das Interesse des Unternehmers William Harvey Du Cros, der als Präsident der Irish Cyclists‘ Association vorstand. Zusammen mit Dunlop gründete Du Cros die „Pneumatic Tyre & Booth’s Cycle Agency“, die die Rechte am Patent erwarb und 1890 die Produktion von luftgefüllten Reifen aufnahm.

Der erste luftgefüllte Fahrradreifen von John Boyd Dunlop
Der erste luftgefüllte Fahrradreifen von John Boyd Dunlop in einem Museum in Schottland

Das Geschäft funktionierte von Anfang an. Denn zunächst war die „Pneumatic Tyre & Booth’s Cycle Agency“ das weltweit einzige Unternehmen, das luftgefüllte Reifen anbot. Doch zwei Jahre nach der Patentanmeldung von Dunlop widerriefen die Patentbehörden die Eintragung. Denn inzwischen war ihnen aufgefallen, dass Robert William Thomson die gleiche Idee bereits 1846 zum Patent angemeldet hatte. Damit war Dunlop, der die Arbeit von Thomson nicht kannte, „nur“ der Wiederentdecker des Prinzips, Reifen mit Luft zu füllen.

Thomson war zu früh – Dunlop kommt zur richtigen Zeit

Mitte des 19. Jahrhunderts war die Zeit offensichtlich noch nicht reif für den luftgefüllten Reifen. Daher gelang es dem Erfinder Thomson nicht, seine Erfindung wirtschaftlich erfolgreich zu nutzen. Die Schutzrechte des Schotten liefen aus und der luftgefüllte Reifen geriet weitergehend in Vergessenheit. Erst Dunlop beendete den Dornröschenschlaf. Seine Fahrradreifen waren bald ein Muss für ambitionierte Sportfahrer in aller Welt. Auch wenn sich an den Besitzverhältnissen nichts änderte, wurde aus der „Pneumatic Tyre & Booth’s Cycle Agency“ nach kurzer Zeit die „Dunlop Rubber Company“.

Der Name des „Erfinders“ sollte helfen, sich im Wettbewerb mit den Nachahmern erfolgreich zu behaupten. Das Unternehmen  „Dunlop“ expandierte schnell ins Ausland. Wobei Dunlop dort in der Regel das Knowhow und seinen Namen einbrachte. Das Geld für die Gründung des Unternehmens steuerten lokale Unternehmer bei. 1893 entstand so im hessischen Hanau in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Fahrradfabrikanten Heinrich Kleyer (Adler-Werke) die „The Dunlop Pneumatic Tire Co. GmbH“.

1895 zog sich John Boyd Dunlop aus dem nach ihm benannten Unternehmen zurück. Ein Jahr später verkaufte Mitgründer Du Cros das Unternehmen für 3 Millionen Pfund an den britischen Finanzier Terah Hooley. Hooley intensivierte das Marketing und platzierte die „Dunlop Rubber Company“ innerhalb weniger Monate erfolgreich an der Börse. Dabei strich Hooley Aufgeld von rund 1,7 Millionen Pfund ein. Das unterstreicht eindrucksvoll die Stimmung, die damals herrschte.

Denn der Siegeszug des luftgefüllten Reifens war nicht aufzuhalten. Innerhalb von nur zehn Jahren verdrängte der luftgefüllte Reifen die zuvor genutzten Vollgummireifen fast vollständig vom Markt. Zudem übertrug Michelin das Konzept der Luftfüllung erfolgreich auf Autoreifen. Die „Dunlop Rubber Company“ folgte diesem Beispiel schnell und bot ab 1900 ebenfalls Autoreifen an. Der Rest ist Geschichte!


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Der erste luftgefüllte Fahrradreifen von John Boyd Dunlop

Foto: Geni (GFDL CC-BY-SA)

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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