Das Stuttgarter Neckartor gilt als der dreckigste Ort der Republik – lufttechnisch gesehen zumindest. Denn an der dortigen Messstation wurden im ersten Halbjahr des Jahres 2015 bereits an 44 Tagen die erlaubten Grenzwerte für die Feinstaubbelastung überschritten. Das darf, so sehen es die Gesetze vor, jedoch nur 35 Mal im ganzen Jahr passieren. Bei den ebenfalls gemessenen Stickoxidwerten sieht es ähnlich aus.

Natürlich ist das eine Belastung für die Bewohner der Stadt. Doch in Stuttgart ist das dank der Kessellage der Stadt nichts Neues. Trotzdem löst das Überschreiten der Grenzwerte bei den verantwortlichen Politikern, besonders bei denen der Grünen, die bekannten Reflexe aus. Besonders für Grüne ist der Autoverkehr die Wurzel des Übels. Der Baden-Württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann von den Grünen kündigte deshalb Ende Juni eine Initiative seines Landes im Bundesrat an.

Geht es nach den Schwaben, dann soll eine blaue Plakette das bisher gelb-rot-grüne Plaketten-Trio zum Quartett ergänzen. Die Deutsche Umwelthilfe schlug das Gleiche übrigens schon vor einem Jahr vor. Von den klassischen Verbrennungsmotoren bekommen die blaue Plakette nur Erdgas-Fahrzeuge, Benziner, die die Euro-3-Norm erfüllen, und Diesel, die die Euro-6-Norm schaffen. Anschließend sollen – so planen es die Grünen – nur noch Fahrzeuge mit blauer Plakette auf Stuttgarts Straßen unterwegs sein. Selbst Fahrzeuge mit grüner Plakette sollen dann spätestens 2019 nicht mehr in die Stadt einfahren dürfen.

Grüne? Nur im Enteignen und der Verteuflung des Autos groß!

Mehr als 660.000 der heute in der Region Stuttgart zugelassenen Fahrzeuge dürften dann nicht mehr in Stuttgart unterwegs sein. Sicherlich wird das eine oder andere dieser Fahrzeuge bis 2019 durch einen Neuwagen ersetzt. Trotzdem – Stand heute – werden in vier Jahren mehrere 100.000 Fahrzeuge – alleine im Großraum Stuttgart – mit einem Federstrich praktisch wertlos. Das betrifft dann auch viele Fahrzeuge, die erst 2014 oder Anfang 2015 erstmals zugelassen wurden. Sie sind 2019 gerade mal fünf Jahre alt. Ich nenne das eine Enteignung.

Zumal eine Nachrüstung – besonders der Diesel – praktisch unmöglich ist. Die Euro-6-Norm reduziert im Wesentlichen die zulässigen Stickoxidwerte auf weniger als die Hälfte. Um das beim Diesel-Motor zu erfüllen, bedarf es einer zusätzlichen Nachbehandlung der Abgase. Mithilfe der selektiven katalytischen Reduktion (SCR) lässt sich der Anteil von Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2) im Abgas reduzieren. Voraussetzung für den Prozess ist die kontrollierte Beimischung von Ammoniak.

Die blaue Plakette ist ein Etikettenschwindel

Doch selbst wo eine Umrüstung gelingt, das Problem Feinstaub bleibt ungelöst. Denn die Anforderungen der Normen Euro-5 und Euro-6 unterscheiden sich in dieser Frage kaum. Offen ist sowieso, warum nur das Auto als Sündenbock herhalten muss. Denn der Straßenverkehr ist nur für weniger als ein Drittel der Feinstaubbelastung verantwortlich. Bei den Stickoxidwerten liegt die Verantwortung des Autos bei etwas der Hälfte. Hauptverursacher sind Heizungen und die Industrie. Spätestens an dieser Stelle wird das Aussperren vieler Autos endgültig zur Farce.

7 Kommentare

  1. Stille Nacht Reply

    Plaketten lösen offenbar beim Autor „die bekannten Reflexe“ aus: „Enteignung“! Der Irrtum: Das Recht auf Umweltverschmutzung ist kein Recht – und schon gar kein Eigentum. Und wenn es gilt abzuwägen, hat die Industrie für die Allgemeinheit erheblich mehr Nutzen, als die Privatmobilität von auto-natives. Aber, um im Fahrwasser der Rhetorik hier zu bleiben: Dieser Blog ist ENTEIGNUNG. Er nagt mit seiner Dämlichkeit am öffentlichen Recht auf freien Meinungsäußerung. Und hat mir soeben 5 Minuten Lebenszeit genommen. Frechheit.

    • Ja genau, in ihrer Welt kommen die Arbeiter dann in Einheitskleidung und mit dem Fahrrad zum 12 Stunden-Tag in die Fabrik. Sie haben bestimmt noch ein Mao-Poster über dem Bett hängen. Oder hängt dort schon Kim Jong-un?

      • Bitte Herr Schwede, auf dieses Niveau müssen Sie sich doch nicht hinablassen. In dem Moment als „Stille Nacht“ – und wahrscheinlich ist damit die geistige Stille bzw. Umnachtung in seinem Kopf gemeint – anfing Sie als Autor zu beleidigen hat er doch schon vollkommen seine Seriosität verloren.
        Ich gebe zu, wie so viele Dinge ist auch diese Plakete nur ein Plan oder eher eine Vision wegen der sich wahrscheinlich nichtmal die Mühe lohnt, einen Artikel zu tippen und wie zu erwarten kochten selbst bei mir kurz die Gefühle von Drangsalierung durch die Regierung und Ihre Pläne hoch. Das hinterlässt etwas den Eindruck von Leser ködern durch emotionale Stories.
        Umso schlimmer ist es zu sehen wie tatsächlich eben solche überemotionalen Menschen prompt darauf reagieren.
        Ich persönlich halte diese Plaketen ja allgemein für einen großen Witz, aber da bin ich sicher nicht der einzige.
        Und den drei anderen unnützen Dingern noch eine vierte hinzuzufügen ohne unwiederlegbare Beweise vorzulegen, dass diese überhaupt schon etwas erreicht haben ist tatsächlich…dämlich.

    • @stillenacht Die Tatsache, dass ihr cholerischer Kommentar hier überhaupt veröffentlicht wurde, spricht für eine sehr, sehr hohe Wertschätzung der Redefreiheit seitens des Autors. Nur mal so!

  2. Bis August 2015 war es den Automobilherstellern erlaubt Diesel-Neuwagen mit Euro5 zu verkaufen. 2019 sind dann diese Fahrzeuge noch keine 4 Jahre alt. Nicht jeder kann es sich leisten ein neues Fahrzeug zu kaufen. Das ist dann schon so etwas wie Enteignung, weil das alte Euro5-Fahrzeug viel Wertverlust hat. Gebraucht Euro6 sind dann immer noch teuer, aber viele werden gezwungen das Auto zu wechseln. Das wäre ja nachvollziehbar, wenn es eine Verbesserung bei den Feinstaub werten bringen würde. Leider verbessert sich die Luft mit der blauen Plakette überhaubt nicht…

  3. der Paketen Wahn ist typisch Deutsch und auch nur hier in DE
    durchzusetzen und bringt nur der Auto Industrie saftige Gewinne
    und die grünen meinen was für die Umwelt zu tun. Ich hab die
    G-Kat Plakette aus Protest nie hingeklebt und nach drei Jahren
    war sie abgeschafft. Dann bekam ich eine grüne Plakette liegt noch
    immer im Handschuhfach reine Geldmacherei. 2019 dann ne blaue
    ja toll noch eine für das Fach wenn ich alle für Stuttgart geklebt
    hätte wäre es schön bunt an der Scheibe. VW und der Rest der
    Autobauer hält sich eh nicht dran und türkt die Werte mit Pisse auf
    Euro 6 und die nicht bescheißen haben Diesel Modell ab 2016 aus
    dem Prospekt gestrichen.
    Der Natur ist damit überhaupt nicht geholfen denn was die neuen
    Autos für ein neues Gift im Abgas haben wissen wir in 20 Jahren
    erst. Seltsam ist nur das fast alle Euro 6 Kfz´s mehr verbrauchen
    wie der Vorgänger mit Euro 5 die Physik sagt aber es geht kein
    Stoff verloren er wandelt sich nur um, nur in was ?
    LG Peter

  4. Die politiker die sowas mit blau plakette denken gehören abgeschaft,ich habe einen audi a4 1.9 tdi mit euro 4 gekauft zahle 295 euro in jahr steuer und soll jetzt verbot bekommen wo ich 3 mall in monat in stuttgart fahre,ich wurde mossgras pflanzen damit der feinstaub abgefangen wird und mit stahlplatten die nox oxyde reduzieren,das hätte unsere altkanzler schmidt gemacht 100%,ich gebe euch ein guten rat gute politiker macht die grüne plakette in asu bereich mit kennzeichen euro 4 euro 5 euro 6 und last es grün sieht gut aus und der fahrer hat eine saubere frontscheibe von viele plaketten sehen wier bald die natur nicht mehr,und in winter ist in griechenland schliemer wie in deutschland die haben keine einzige umwelt plakette nur versicherung und steuer,denkt an euren bürger die euch wählen um Dennen zu helfen und nicht das auto zu verboten die sehr schwer gekauft haben um jahr Zente zu fahren,nein zu blau plakette,ja zu grünen plakette mit der euro Normen und unwelt freundlichkeit

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