Der Unfall in Berlin, wo ein Auto auf dem Bürgersteig vier Menschen tötete, ist tragisch. Doch statt über die Opfer zu trauern, packen einige „Politiker“ lieber die Moralkeule aus. SUV seien die Ausgeburt des Bösen. Sie fordern deshalb ein SUV-Verbot. Solche Forderungen sind nicht nur pietätlos, sie gehen am Kern der Sache völlig vorbei.

Da ist er wieder, der Reflex alles zu verbieten, was nicht in die eigene Weltanschauung passt. Das kennen wir aus der näheren und weiteren Vergangenheit. Das Stichwort Veggieday erinnert da nur an kleine Verfehlungen. Wohin das Diktat gesellschaftlicher Normen führt, das bewies die Geschichte immer wieder. Für wen Geschichtsbücher zu fad sind, der findet auch in der Literatur hervorragende Geschichten, die das Thema unterhaltsam aufbereiten.

Ich empfehle da das Studium des Romans 1984 oder der Fabel „Farm der Tiere“ – beides von George Orwell. Unsere Gesellschaft basiert auf dem Fundament der Freiheit. Deshalb ist es falsch, Menschen vorzuschreiben, was sie essen dürfen oder wie ihr Fahrzeug aussieht. Damit wir uns richtig verstehen, ich finde, SUV sind eine Pest! Optisch sind viele SUV in meinen Augen eine Zumutung. Beim Fahren bevorzuge ich den direkten Kontakt mit der Straße.

Zudem verbrauchen sie bis zu 30 Prozent mehr als vergleichbare Personenkraftwagen. Trotzdem widersteht der Trend zum SUV bisher jeder Kritik von Umweltschützern, Verkehrsforschern und Politikern. In den vergangenen Monaten lag der Anteil von SUV und Geländewagen an den Neuzulassungen bei fast 30 Prozent. Die Botschaft ist, die Kunden wollen diese Autos! Da die Industrie ihre Kunden kennt, bedient sie diesen Trend.

Sparsame Autos sind Ladenhüter!

Wobei die Industrie es in der Vergangenheit wirklich versuchte, ihren Kunden etwas anderes anzubieten. In den 1990er-Jahren bot Volkswagen den VW Golf III Ecomatic an. Er verbrauchte auf 100 Kilometer durchschnittlich weniger als fünf Liter Kraftstoff. Damit unterbot dieser Golf den damaligen Flottenverbrauch von 9,7 Litern pro 100 Kilometer fast um die Hälfte. Der Wagen war ein Ladenhüter!

Gut zehn Jahre später bot Europas Nummer eins von seinen Kleinwagen Audi A2 und VW Lupo Drei-Liter-Versionen an. Auch diese Modelle standen wie Blei bei den Händlern. Aktuell sieht es bei vielen angebotenen Elektroautos ähnlich aus. Die Kunden wollen diese Fahrzeuge nicht. Selbst wenn sie über ein Fahrprofil verfügen, das ein Elektroauto optimal erscheinen lässt. Denn sie könnten das Auto schließlich irgendwann einmal für eine längere Strecke benötigen. Selbst, wenn das nie vorkommt, die Option, es tun zu können, ist die Freiheit des Autofahrers.

Und Freiheit lassen sich Menschen nur ungern beschneiden. Deshalb helfen Verbotsforderungen nicht weiter. Sie erzeugen nur Widerstände. Wer nach so einem schrecklichen Unfall wie in Berlin, der Unfallanalyse mit seinen Forderungen vorgreift, der verhält sich populistisch. Ein plattes SUV-Verbot disqualifiziert den, der das jetzt fordert. Zudem die Tatsache, dass ein SUV an dem Unfall beteiligt war, nichts mit der Ursache und wenig mit den Folgen zu tun hat. Ein Kleinwagen kann genauso tödlich sein! Lesen Sie die „Farm der Tiere“, dann wissen Sie, warum ich „Halt“ rufe!

Natürlich benötigen wir eine Verkehrswende!

Fahren Sie mal in einer deutschen Großstadt Fahrrad. Ihnen fällt schnell auf, dass dort die Radwege fehlen. Sie müssen ständig mit dem Zweirad auf die Straße. Abhilfe schafft da sicher nicht ein SUV-Verbot oder gar das Verbot aller Autos. Schauen Sie mal in die Niederlande. Dort gibt es praktisch überall eigene Spuren für Radfahrer. Entsprechend gern greifen unsere westlichen Nachbarn zum Fahrrad oder dem Motorroller.

Auch ohne SUV-Verbot, weil das Angebot stimmt! Die Politik wäre gut beraten, sich um Angebote zu kümmern, die die Bürger mitnehmen. Mit Verboten oder auch der von Don Dahlmann befürworteten Strafsteuer klappt das sicher nicht.

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