Über die Targa Florio, dieses auf öffentlichen Straßen ausgetragene Langstreckenrennen, gibt es hier im Blog viel Lesestoff für Auto-Natives. Für die Jüngeren, denen das Rennen nichts sagt, deshalb hier nur al die Kurzfassung. Das 1906 erstmals ausgetragenen Rennen auf der Mittelmeerinsel Sizilien galt zeitweise als das wichtigste Sportwagenrennen der Welt. Ursprünglich traten die Teilnehmer mit ihren Rennwagen auf einem 148 km langen Rundkurs an.

Erst in den 1930er-Jahren etablierte sich eine 72 km lange Streckenvariante. Wohlgemerkt wir reden von öffentlichen Straßen. Ich folgte vor gut einem Jahr dem Lauf dieser Strecke. Wozu ich mit dem Skoda Karoq einen aktuellen SUV benötigte. Denn auf weiten Teilen der Strecke ist heute kaum vorstellbar, dass hier bis vor 40 Jahren die Elite des Motorsports im Renntempo unterwegs war. Tiefe Schlaglöcher lassen die Strecke in weiten Teilen wie ein kariöses Gebiss wirken.

Dazu gibt es Wellen, weil sich der vulkanische Untergrund der Mittelmeerinsel bis heute bewegt, die an Sprungschanzen erinnern. Wer hier heute mit Vollgas mit einem Sportwagen wie dem Porsche 908 hinwegfegen würde, dessen Flug würde vermutlich erst in Afrika enden. Der Unfall der Formel-3-Pilotin Sophia Flörsch beim Macao GP – übrigens auch so eine anachronistische Strecke – gibt eine Idee davon, warum die Targa Florio heute undenkbar ist.

Vor 50 Jahren war die Targa Florio ganz normal

Daran ändert übrigens auch nichts, dass die Rennwagen bei der Tango Florio, anders als sonst auf der Rundstrecke üblich, einzeln auf die Strecke gingen. Ein klassischer Rennstart wäre auf dieser Strecke undenkbar gewesen. Und so schickten die Verantwortlichen die Rennwagen im 20-Sekunden-Takt einzeln auf die zehn Runden lange Reise. Trotzdem zählte das Rennen zur Sportwagen-Weltmeisterschaft.

Die Fahrer lenkten ihre Rennwagen pro Runde in rund 900 Kurven. Gegen Ende der Runde jagten sie mit hohem Tempo über die sechs Kilometer lange Buonfornello-Gerade, die die Rennwagen in hohem Tempo am Meer entlang führte. 1970 benötigte Leo Kinnunen im Training mit dem Porsche 908/3 nur 33:36 Minuten, um den Kurs einmal zu umrunden. Der Finne war dabei mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 128,571 km/h unterwegs und setzte einen Rekord für die Ewigkeit.

Dieses Tempo beeindruckt angesichts der Streckenführung, die zwischen Menschenmassen hindurch und an Felsen, Bäumen und steilen Abhängen vorbei führte. Zumal vor gut 50 Jahren auf dem Asphaltband auch schonmal verlorene Hufnägel von Pferden lagen oder Hühner durch Ortschaften liefen. Kein Wunder, dass die Erfolge bei der Targa Florio – fast mehr noch als Le Mans – einst als Krone des Sportwagensports galten und die Hersteller sie entsprechend zu Markte trugen.

Den Sieg 1968 verewigte Porsche mit einem seiner inzwischen legendären Sieger-Plakate. Es zeigt eindrucksvoll die Strapazen dieses Rennens. Denn obwohl die Sportwagen aus Zuffenhausen gerade zum Gesamt- und Klassensieg gezielt waren, druckte Porsche keines der Fahrzeuge auf das Plakat. Stattdessen zeigt es den sichtlich von den Anstrengungen gezeichneten aber glücklichen Rennfahrer Vic Elford. Mehr kann sich ein Hersteller wohl nicht vor den Leistungen seiner Piloten verneigen.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Porsche Plakat von 1968

Porsche Plakat von 1968

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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