
1979 ist lange her – ich kam damals gerade auf das Gymnasium. Und auch abseits dessen veränderte sich die Welt mit großen Schritten. Die islamische Revolution im Iran beeinflusst die arabische Welt bis heute. In Großbritannien gewann Margaret Thatcher die Wahl. Als erste britische Premierministerin startete sie eine Welle der Privatisierung, die das Großbritannien dieser Jahre im Rückblick als neoliberales Paradies erscheinen lässt.
In den USA verhinderten zeitgleich nur staatliche Hilfen den Zusammenbruch des Chrysler-Konzerns. Zu den Auflagen für die Rettung gehörte, dass sich Chrysler von seinen europäischen Töchtern trennt. Peugeot griff dankbar zu und übernahm in Großbritannien die Hinterlassenschaft der ehemaligen Rootes-Gruppe sowie in Frankreich die Reste von SIMCA. Und das Kino brachte 1979 mit „Apocalypse Now“ und „Alien“ gleich zwei bis heute als ikonisch geltende Filme hervor.
1979 war der Anfang vom Ende des Ostblocks!
Auch hinter dem Eisernen Vorhang, der die Welt damals trennte, brodelte es. Die Sowjetunion marschierte im Dezember in Afghanistan ein. Das verschärfte den Kalten Krieg und führte langfristig zur Isolation der UdSSR. Gleichzeitig geriet die sozialistische Wirtschaft zunehmend ins Stocken. In Polen machten Streiks der Arbeiter – angeführt von der späteren Solidarność-Bewegung – erste Risse im kommunistischen System sichtbar.

Schon im Sommer 1979 fand das in mehrfacher Hinsicht bemerkenswerte 24-Stunden-Rennen von Le Mans statt. Nach dem Rückzug von Renault galt Porsche als Favorit. Das Werksteam trat mit zwei modernisierten Porsche 936 in der Gruppe 6 an – und scheiterte krachend. Ein 936 wurde disqualifiziert, denn sein Pilot Jacky Ickx konnte den Rennwagen nur reparieren, weil ihm „zufällig“ ein Keilriemen vom Streckenrand gereicht wurde. Der zweite 936 fiel etwas später nach einem Reifenschaden aus.
Porsches Hauptsponsor war nicht über jeden Zweifel erhaben!
Im Rückblick war das vielleicht sogar eine glückliche Fügung. Denn inzwischen wissen wir, dass der Hauptsponsor des Teams nicht so solide war, wie es 1979 schien. Das Werksteam ging offiziell als „Essex Motorsport Porsche“ an den Start. Hinter der Essex Overseas Petroleum Corporation stand der stets protzig auftretende David Thieme. Vielleicht hätten schon bei der offiziellen Geschäftsadresse die Warnglocken klingeln sollen.
Denn offiziell residierte die Essex Overseas Petroleum Corporation im Hôtel de Paris – gegenüber vom Casino in Monte Carlo. Ende der 1970er-Jahre erzielte Essex mit dem Handel von Rohöl – laut Thieme – märchenhafte Gewinne. Dabei bewegte sich Thieme in Grauzonen und betrieb teilweise Handel mit Staaten, die außerhalb der internationalen Staatengemeinschaft standen. Trotzdem gewährte die Schweizer Bank Credit Suisse Thieme hohe Darlehen, um die Geschäfte abzuwickeln.
Ob es die Geschäfte von David Thieme und Essex tatsächlich gab? Ja, aber in welcher Höhe?
Im April 1981 wurde David Thieme auf dem Flughafen von Zürich verhaftet. Die Credit Suisse war sich sicher, dass Thieme ein Betrüger sei und seine Bilanzen durch Luftgeschäfte geschönt hatte. Das reichte den Schweizer Behörden, um Thieme in Gewahrsam zu nehmen. Die Essex Overseas Petroleum Corporation stellte ihre Geschäfte ein. Nach der Verhaftung wurde das Vermögen von Thieme und Essex verwertet, um die Bank zu befriedigen. Neben einem Helikopter und einem Privatflugzeug kam dabei auch das Lotus-Motorhome unter den Hammer.

Denn inzwischen war Essex auch Hauptsponsor des legendären Lotus-Teams in der Formel 1 und stellte dem Team einen umgebauten Reisebus als Motorhome zur Verfügung. Das Engagement bei den Briten begann etwa zeitgleich mit dem bei Porsche. Es ist im Rückblick – mal wieder – ein Musterbeispiel dafür, dass der Motorsport es nicht immer ganz genau damit nimmt, wo das Geld herkommt, das notwendig ist, um die Räder drehen zu lassen. Natürlich bieten Le Mans und die Formel 1 hervorragende Möglichkeiten, um sich mit Geschäftsfreunden zu treffen.
Welche Werbung braucht ein Unternehmen ohne Endkundenkontakte?
Aber die Mehrzahl der seriösen Geldgeber will mit einem Sponsoring vor allem seine globale Bekanntheit steigern. Für Essex ging es wohl eher um die Selbstdarstellung des Chefs. Diese gelang 1979 in Le Mans dann sogar ohne Erfolg des Werksteams. Denn nach dessen Desaster gewann ein Porsche 935 K3 von Kremer Racing die 24 Stunden von Le Mans. Das Cockpit teilte sich Klaus Ludwig mit zwei US-Amerikanern, die später als Drogenhändler und Steuersünder verurteilt wurden. Und wer stand mit auf dem Siegerpodest?

Allein dieses Foto zeigt, dass 1979 eine andere Zeit war!
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