Sonst noch ausprobiert

On Any Sunday – Teufelskerle auf heißen Feuerstühlen!

Denkst Du noch daran, dass Du für Max das Schulbuch bestellst? Mit dieser Frage erinnerte mich Karla neulich daran, dass ich noch mal eben „zu“ Amazon wollte. Der ehemalige Buchhändler ist ja inzwischen längst eine Art IKEA der virtuellen Welt. Man „geht“ hin und kommt immer mit einigen Dingen zurück, von denen man kurz vorher noch nicht einmal im Ansatz wusste, sie zu brauchen.

Anders als die Schweden haben die Amerikaner dabei den Vorteil, dem Kunden in der virtuellen Einkaufswelt zielgerichtet die passende Werbung anzubieten, um diesen zu ungeplanten Einkäufen animieren zu können. Offensichtlich hat die Software von Amazon analysiert, dass ich Motorsport und Filme mit Steve McQueen mag. Und so schlug mir das System, obwohl ich eigentlich ein Schulbuch kaufen wollte, vor, zusätzlich den Spielfilm Teufelskerle auf heißen Feuerstühlen in den Einkaufskorb zu legen. Mit Erfolg, ich hatte einen schwachen Moment. Der Film, dessen Cover demonstrativ der „King of Cool“ ziert, landete zunächst in meinem Warenkorb und einen Tag später auf meinem Schreibtisch.

Der Spielfilm Teufelskerle auf heißen Feuerstühlen ist ein Dokumentarfilm

Beim Ansehen des Films trat eine gewisse Ernüchterung ein. Zumal ich zwei Versuche brauchte, um den Film einmal komplett anzusehen. Beim ersten Versuch bin ich schlicht eingeschlafen. Nicht weil der Spielfilm – Amazon hat auch heute noch diese Bezeichnung in der Artikelbeschreibung – ein Dokumentarfilm ist, sondern weil der Film – zumindest mit deutschem Ton – einfach schlecht ist. Teufelskerle auf heißen Feuerstühlen ist, ganz grob betrachtet, dem Rennen mit Motorrädern gewidmet.

Doch dabei springt der Film zwischen den unterschiedlichen Spielarten des Motorradrennsports eher planlos hin und her. Von der Straße geht es über die amerikanischen Dirt-Track-Oval-Rennstrecken und dem Daytona Speedway schließlich zum Motorcross. Zwischendrin gibt es noch einen Abstecher zur Baja 1000 in Mexico und zu den Six-Days. Irgendwie begleitet der Film auch den Rennfahrer Mert Lawwill. Doch ganz klar ist das nicht immer. Nach 30 Minuten tritt irgendwann auch Steve McQueen auf, bleibt aber eine Randfigur.

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Herausragende Fahrszenen lösen sich mit Unfällen ab

Immerhin zeichnet sich der Film dabei mit Bildern aus, die das Fahren in den Mittelpunkt stellen. Ob auf dem Dirt-Track-Oval oder in den Steilkurven von Daytona, die vor mehr als 40 Jahren entstandenen Aufnahmen sind auch heute noch herausragend. Obwohl heute ja fast jeder Hobbyfahrer mit einer GoPro Kamera in der Motorsports Edition seine Touren in Full HD aufzeichnen kann, haben die Aufnahmen des Films nichts von ihrer Faszination verloren. Sie vermitteln dabei einen starken Eindruck davon, was die Macher des Films wohl am Motorradfahren begeistert haben könnte.

Schade, dass diese spannenden Aufnahmen sich fast nahtlos mit zahllosen Unfallszenen abwechseln. Zeitweilig wirkt der Film wie eine frühe Ausgabe der legendären Havoc-Filme oder die Pausenfüller „Best of Crash“ bei Motors TV. In endlosen Schnittfolgen steigen Motorcross-Piloten minutenlang bevorzugt über den Lenker ab. Wie beim Rodeo werden die Unfälle „lustig“ mit Westernmusik (viel Banjo und ganz viel Jaahoouuuo) unterlegt. Der Film schwankt in diesen Momenten zwischen ernsthafter Dokumentation und Klamauk oder zwischen Unterhaltung und Sensationsgier.

Anders ist nicht zu erklären, warum die Unfälle in dem Film stets mehrfach wiederholt werden. Und falls ein Zuschauer nach den ersten Wiederholungen einen Unfall immer noch nicht vollständig erfasst haben sollte, legt der Film nach. Denn bei einer weiteren Wiederholung weist der pathetische Sprecher zur Not noch mal ausdrücklich auf den Handschuh hin, den der Stürzende bei diesem Unfall spektakulär verloren hat.

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Überhaupt die (deutschen) Texte

Die deutschen Kommentare strotzen mit Pathos. Da ist die Welt des Motorrads groß und bunt. Zudem ist diese Welt eine Gemeinschaft für Individualisten (sic!) und bietet ihrem Mitglied eine „berauschende Welt der Freiheit“. Diese Texte des Sprechers wirken – heute – einfach nur noch komisch. Wenn sie nicht völlig in den Chauvinismus abgleiten. Zu einem gestürzten und tief im Matsch versunkenen Motorcross-Piloten heißt es aus dem Off „ … Peinlich genug, wenn die Freundin erste Hilfe leisten muss … “. Heute klingt das befremdlich. Das sind Texte aus einer ganz weit entfernten Zeit. Von damals, als Sex noch sicher und Motorsport gefährlich war, wie Hans Stuck das einmal so treffend formulierte.

Um so mehr bin ich überrascht, als ich den Film mit dem englischen Originalton ansehe. Jetzt verstehe ich warum „Teufelskerle auf heißen Feuerstühlen“ 1972 in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ für den Oscar nominiert wurde. Das war, auch wenn der Film schließlich nicht mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, für den Produzenten Steve McQueen ein Erfolg. Trotzdem mag ich den Film heute selbst bei einem Preis von rund 7 Euro nur bedingt empfehlen.


Wer es nicht lassen kann, der findet Teufelskerle auf heißen Feuerstühlen beispielsweise bei Amazon (Werbung).


Infos zum Titelbild dieses Beitrags:

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