Am Donnerstag kommt „Le Mans 66 – Gegen jede Chance“ in die Kinos. Der Film erzählt frei die Geschichte vom ersten Sieg des Ford GT40 in Le Mans. Nach „Rush – Alles für den Sieg“ ist „Le Mans 66 – Gegen jede Chance“ der zweite moderne Motorsport-Film. Wir hatten vor ein paar Tagen bereits die Gelegenheit, den Film zu sehen.

Motorsport fasziniert das Publikum seit den Anfangstagen des Kinos. Deshalb ist es kein Wunder, dass die aufstrebende Filmindustrie bereits vor fast 100 Jahren die Handlung ihrer Spielfilme im Motorsport ansiedelte. Doch Anfang der 1970er-Jahre geriet das Genre in Vergessenheit. Zumal die Filme „Grand Prix“ und „Le Mans“ die Messlatte hochlegten. John Frankenheimer und Lee H. Katzin realisierten mit ihren Filmen wahre Meisterwerke.

Denn ihre Filme waren die Balance zwischen dem notwendigen Hollywood-Spektakel und Realismus. Das schaffte danach allenfalls noch „Days of Thunder“. Motorsort-Fans erinnern sich mit Grausen an Filme mit überwiegend fliegenden Autos. „Formel 1 – In der Hölle des Grand Prix“ oder „Driven“ fielen deshalb beim Publikum durch.

Le Mans 66 – Gegen jede Chance erzählt die bekannte Geschichte unterhaltsam!

Erst „Rush – Alles für den Sieg“ holte das Genre wieder in die Welt des Realfilms zurück. Insofern war gespannt, wie „Le Mans 66 – Gegen jede Chance“ angesichts dieser Vorbilder abschneidet. Die Geschichte des Films kennen praktisch alle Auto-Freunde. Um junge Auto-Käufer in den USA zu erreichen, will Ford Anfang der 1960er-Jahre in den Motorsport zurückkehren. Als Abkürzung zum Erfolg will Firmenchef Henry Ford II den italienischen Sportwagen-Hersteller Ferrari kaufen.

Lee Iacocca soll den Kauf in trockene Tücher bringen. Doch Enzo Ferrari entscheidet sich am Ende gegen den Verkauf seines Unternehmens an Ford. Der Commendatore findet in Fiat-Chef Gianni Agnelli einen Retter. Im Film übernimmt Agnelli Anteile an Ferrari. Dass dieser Teil des Deal in der Realität erst 1969 stattfand, verschweigt der Film. Aber das ist ein unwichtiges Detail. Denn tatsächlich half der Fiat-Boss seit Ende der 1950er-Jahre Ferrari immer wieder mit Darlehen, um eine Ferrari-Übernahme durch „Ausländer“ zu verhindern.

Bereits 1959 schlug Enzo Ferrari mit Hilfe von Agnelli (und der Mineralölfilm Shell) ein Übernahmeangebot von Lance Reventlow aus. Auch bei der Ablehnung des Angebots von Ford spielte Agnelli tatsächlich eine Rolle, nur nicht exakt die, die der Film ihm zuweist. Der Film führt anschließend den wahren Teil der Geschichte weiter. Nach der Zurückweisung will Henry Ford II sich persönlich an Enzo Ferrari rächen, denn die Absage des Italieners schmerzt den Enkel des Firmengründers. Ford gibt den Plan vor, Ferrari in Le Mans zu schlagen.

Die 24 Stunden von Le Mans gelten damals als Wohnzimmer von Ferrari. Der italienische Rennstall gewann Anfang der 1960er-Jahre Jahr für Jahr das Rennen. „Le Mans 66 – Gegen jede Chance“ erzählt diese Entwicklung unterhaltsam nach. Obwohl Auto-Fans die Geschichte kennen, kommt keine Langeweile auf. Denn Regisseur James Mangold garniert das Ganze mit etwas Witz und gibt den Charakteren eine gewisse Eigenständigkeit.

Geld ist auch im Motorsport nicht alles!

Henry Ford II wählt auch beim Griff nach der Krone des Langstreckensports eine Abkürzung. In Zusammenarbeit mit Lola entsteht das notwendige Sportgerät. Aus dem Lola Mk6 wird der Ford GT40. Was der Film unterschlägt. Genauso fehlen im Film John Wyer, der das Sportprogramm Fords zunächst leitete, und der Totalausfall des GT40 beim Le Mans Debüt. Die Filmemacher nehmen sich die künstlerische Freiheit, die Geschichte zu verdichten.

Die Film-Handlung setzt sofort mit Carroll Shelby ein, der – nach dem Flop von 1964 – dem GT40 mit Unterstützung des unermüdlichen Testfahrers Ken Miles schließlich das Laufen beibringt. Immerhin verschweigt der Film nicht, wie Ford 1965 in Le Mans (erneut) legendär scheitert. Eindrucksvoll zeigt der Film, dass Prozesse und Entscheidungswege eines Weltkonzerns im Rennsport nicht funktionieren. Ein Umstand, an dem vor zehn Jahren der japanische Autobauer Toyota in der Formel 1 scheiterte.

Während Toyota sich schließlich ohne Sieg aus der Königsklasse zurückzog, ging Ford 1965 gestärkt aus der Niederlage hervor. Ein Jahr später feierte der US-Autobauer in Le Mans einen dreifachen Sieg. Der Film zeichnet diese Entwicklung nach. Wobei Filmemacher James Mangold den Figuren viel Raum zur Entwicklung gibt. Ken Miles ist nicht nur ein egoistischer Rennfahrer, sondern auch ein liebender Familienmensch.

Darsteller Matt Damon macht aus Carroll Shelby ein liebenswertes Schlitzohr. Tracy Letts gibt einen großspurigen und etwas plumpen Henry Ford II. James Mangold setzt die physische Herausforderung des Motorsports großartig in Szene. Dabei setzt der Amerikaner einen neuen Standard. Denn wo in anderen Motorsport-Filmen die Helden nach dem Rennen frisch und erholt wirken, steigen sie bei Mangold erschöpft und gezeichnet aus dem Auto. Hier zeichnet der Film die Realität gut nach.

„Le Mans 66 – Gegen jede Chance“ ist sehenswert!

Alles zusammen macht „Le Mans 66 – Gegen jede Chance“ sehenswert. Daran ändern auch einige Ausstattungsfehler nichts. Denn wahrscheinlich fällt nur absoluten Nerds auf, wenn am Anfang des Films einem Mini im Hintergrund die außenliegenden Türscharniere fehlen. Die gab es bei Austin erst ab 1969. Wer erkennt schon, dass die Filmemacher ihre 1966er-Ausgabe des 24 Stunden-Rennens von Daytona im kalifornischen Fontana in Szene setzen?

Auch kleine Unstimmigkeiten beim Verlauf und im Umfeld der Stecke von Le Mans trüben den Gesamteindruck nicht. Denn die Kulisse und besonders die Außenaufnahmen, die Kameramann Phedon Papamichael teilweise mithilfe digitaler Bildtechnik inszeniert, sind streckenweise großartig. Auch die Aufnahmen beim Fahren, wenn das Bild – als Verneigung vor dem Klassiker „Le Mans“ – zwischen Fahrern, Armaturen, Pedalen und dem Lenkrad wechselt, überzeugen.

Gewinnt 3×2 Karten für „Le Mans 66 – Gegen jede Chance“

Mit etwas Glück könnt Ihr mit unser Hilfe den Film kostenlos sehen. Denn wir verlosen 3×2 Karten für einen Besuch des Films „Le Mans 66 – Gegen jede Chance“. Diese Gutscheine könnt Ihr im Kino bei Euch vor Ort einlösen. Voraussetzung ist nur, dass sich das Kino in Deutschland findet.

Unter allen Einsendungen, die uns bis Donnerstag, den 14.11.2019 um 20:00 Uhr erreichen, verlosen wir 3×2 Karten und als Bonus ein exklusives Filmplakat.

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