Kann man mit einem Le Mans Sieger im Alltag fahren? Ja, das geht – der Porsche 935 K3 Le Mans, den sich Walter Wolf 1979 bauen lies, ist im Kern ein echter Le Mans Sieger.

Gestern Le Mans, heute Supermarkt Parkplatz – es gibt offensichtlich einen Reiz, mit einem Rennwagen auf öffentlichen Straßen unterwegs zu sein. Von Zeit zu Zeit gibt es Geschichten über ehemalige Le Mans Rennwagen, die offensichtlich echte Petrol-Heads dank einer Straßenzulassung von im Alltag fahren (dürfen).

Daten Porsche 935 K3 Le Mans:

  • Grundpreis: 375.000 DM (1979)
  • Motor: 6-Zylinder-Ottomotor
  • Getriebe: 4-Gang-Schaltgetriebe
  • Hubraum: 2.857 ccm
  • max. Leistung: 740 PS bei 8.000 1/min
  • Höchstgeschwindigkeit: 338 km/h

Wobei die älteren unter den Lesern jetzt anmerken werden, dass das doch selbstverständlich sei. Schließlich reiste man zu ihrer Zeit auf eigener Achse zu den Rennen. Bis in die 1960er-Jahre hat das – zumindest theoretisch – auch in Le Mans (noch) gestimmt. Doch spätestens mit dem Aufkommen der Prototypen entfernten sich die Rennwagen immer stärker von einer Zulassbarkeit. Während Ford vom GT40 noch ganz selbstverständlich eine Straßenversion ableitete, war das beim Porsche 917 nicht mehr vorgesehen.

Alle 25 für die Homologation benötigten Exemplare des 917 entstanden ohne den Hintergedanken einer Straßenzulassung. Wobei in den 1970er-Jahren auch zwei Porsche 917 mit Straßenzulassung gab. Einer davon (CW-K 917) lief sogar in Deutschland. Und auch von den 917-Nachfolgern Porsche 956 und Porsche 962 tauchen immer mal wieder Exemplare im Alltag auf.

Zwischen dem 917 und dem 956 rannte und siegte der Porsche 935 in Le Mans. Das Kölner Kremer Team gewann 1979 mit dem Porsche 935 K3 an der Sarthe. Das war das Rennen, wo das spätere Siegerauto in der Startaufstellung den Besitzer wechselte. Mit einem Gitterrohrrahmen und einer ausladenden Kunststoff-Karosserie nutzte der K3 alle Freiheiten des Gruppe 5 Reglements.

Walter Wolf sprengte Grenzen

Ein Straßeneinsatz sah das Konzept der Gruppe 5 nicht vor. Hier ging „nur“ um den Rennsport. Trotzdem stellte Kremer in Köln auch einen straßenzugelassenen Porsche 935 K3 auf die Räder. Auftraggeber war Walter Wolf. Ein gebürtiger Österreicher, der nach seiner Auswanderung in Kanada im Öl-Geschäft zu viel Geld verdiente. Mit Mitte 30 verfügte Wolf bereits über das notwendige Kleingeld, um ein Formel-1-Team zu betreiben.

Ende 1975 kaufte Wolf einen großen Teil des Equipments des sich auflösenden Teams von Hesketh Racing. Giampaolo Dallara, der Konstrukteur des Lamborghini Miura, vermittelte Wolf zeitgleich einen Kontakt zu Frank Williams. Williams und sein Rennstall Frank Williams Racing Cars standen kurz vor der Pleite. Die Übernahme durch Wolf rettete das Team und machte Frank Williams zeitweilig zum Angestellten.

Das Logo von Walter Wolf Racing am Porsche 935 K3 Le Mans
Das Logo von Walter Wolf Racing am Porsche 935 K3 Le Mans

Ab 1976 trat das Team unter dem Namen Walter Wolf Racing an. Gefahren wurde mit einem Williams FW05, der auf einem von Patrick Head überarbeiteten Hesketh 308C basierte. Doch damit gewann das Team kein Blumenkohl. Anfang 1977 zogen Williams und Head weiter, um einen neuen Rennstall mit dem Namen Williams Grand Prix Engineering zu gründen.

Das war vielleicht nur deshalb möglich, weil Frank Williams von Walter Wolf mit einem Jahresgehalt von £ 25.000 fürstlich entlohnt wurde. Denn das entsprach damals fast 140.000 DM. Kaufkraftbereinigt wären das heute rund 350.000 Euro. Wolf beauftragte mit der Führung seines Teams den bei Lotus ausgeschiedenen Peter Warr. Der Konstrukteur Dr. Harvey Postlethwaite baute für das Team den Grand Prix Sieger Wolf WR1.

Drei Jahre blieb Wolf der Formel 1 treu. 1979 reichte der Unternehmer sein Team an Emerson und Wilson Fittipaldi weiter. Die Brasilianer waren an der Werkstatt des Teams interessiert, um ihr eigenes Team Copersucar in England betreiben zu können. Walter Wolf zog sich aus der Öffentlichkeit zurück.

1979 entsteht der Porsche 935 K3 Le Mans

Trotzdem blieb der Austro-Kanadier schnellen Autos noch einige Zeit treu. Denn für die Abschiedstournee in der Formel 1 hatte sich Wolf beim Kölner Kremer Team einen straßenzugelassenen Porsche 935 K3 bauen lassen. Der Rennstallbesitzer wollte etwas, das noch schneller als der bisher von ihm gefahrene Lamborghini Countach LP400 S war.

Porsche wollte Wolf keinen Werks-935 für die Straße umbauen. So landete der Auftrag bei Kremer. Dort entstand ein Fahrzeug, das zu mehr als 90 Prozent den damaligen Rennwagen entspricht. Weshalb der Wagen die Werkstatt in Köln als offiziell als Porsche 935 K3 Le Mans verlies. Auch wenn das Fahrzeug heute wegen seines Erstbesitzers meist als Wolf Porsche 935 bekannt ist.

Den Antrieb übernimmt ein 2,85 Liter großer Sechszylinder-Boxermotor mit Doppelturbo-Aufladung und Doppelzündung. Bei 8.000 Umdrehungen stehen 740 PS zur Verfügung. Über ein Vierganggetriebe aus dem Porsche 930/30 und die Hinterräder gelangt die Leistung auf die Straße. Das Getriebe verfügt über die Originalabstimmung von Le Mans. Geändert wurde die Bodenfreiheit. Wo in Le Mans fünf Zentimeter reichen mussten, verfügt der Porsche 935 K3 Le Mans über zehn Zentimeter.

Vorne steht der Porsche auf 11×16 großen Felgen. An der Hinterachse kommen Felgen im Format 14,75×19 zum Einsatz. Die benötigten Straßenreifen waren Spezialanfertigungen von Goodyear. Mit einer Spitzengeschwindigkeit von 338 Kilometern pro Stunde gehörte der Porsche 935 K3 Le Mans zu seiner Zeit zu den schnellsten Straßensportwagen. Mit einem Preis von 375.000 DM gehörte der Sportwagen damals definitiv aber auch zu den teuersten Fahrzeugen dieser Ära.

Kremer lackierte den Wagen nachtblau metallic und beklebte ihn mit dem Logo des Rennstalls Walter Wolf Racing. Im Innenraum wich das Spartanische des Rennwagens einer echten Luxusausstattung. Hier gibt es blaues Leder und für die damalige Zeit ungewöhnlich viele elektrische Helfer. Obwohl Wolf mit dem Fahrzeug überwiegend in Europa unterwegs war, war der 935 übrigens in Kanada („DJD 639“) zugelassen.

Zurzeit im Angebot: Porsche 935 K3 Le Mans von Walter Wolf
Zurzeit im Angebot: Porsche 935 K3 Le Mans von Walter Wolf

Wobei allzu oft scheint Walter Wolf den Sportwagen dann doch gar nicht gefahren zu haben. Bis heute wurde das Fahrzeug gerade mal 10.124 Kilometer bewegt. 1984 verkaufte Wolf den Sportwagen an den Angelo Pallavicini. Der ehemalige Rennfahrer zeigte den Porsche 935 K3 Le Mans einige Jahre in seinem Privatmuseum. 1986 gab es in der Zeitschrift auto motor und sport einen Test des Fahrzeugs.

Walter Wolf tauchte in den letzten zehn bis 15 Jahren immer wieder im Zusammenhang mit teilweise dubiosen Geschäften auf. Zeitweilig wurde Wolf mit einem internationalen Haftbefehl gesucht. Doch die Vorwürfe, die zu diesem Haftbefehl führten, verjährten im vergangenen Jahr, bevor es zu einer Anklage kam. Sein (ehemaliger) Porsche 935 K3 Le Mans steht inzwischen bei einem deutschen Oldtimer-Händler zum Verkauf. Schwer zu schätzen, was der Bolide wert ist.

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