Während die Fans der Formel 1 in diesen Tagen zum Teil sehnsüchtig auf den Start der neuen Formel 1 Saison warten, standen im März 1980 in Südafrika und den USA schon die Saisonläufe drei und vier auf dem Programm. Anfang März traf sich die Elite des Motorsports – nach einem Monat Rennpause – in Kyalami. Die 1700 Meter über den Meeresspiegel gelegene Strecke schien dabei den Renault und ihren Turbo-Motoren besonders gut zu liegen. Denn Rene Arnoux und sein Teamkollege Jean-Pierre Jabouille dominierten das Training von der ersten Sitzung an. Statte 1,5 Sekunden betrug ihr Vorsprung auf Nelson Piquet, der mit seinem Brabham-Ford BT 49 im Training den dritten Platz erreichte, am Ende.

Während des Trainings erlitt der heutige TV-Experte Marc Surer bei einem Unfall schwere Prellungen und Knochenbrüche. Der Schweizer war mit seinem ATS von der Bahn geraten und verfing sich mit seinem Fahrzeug in den damals üblichen Fangzäunen. Das Alu-Monocoque des ATS mußte mit schwerem Werkzeug aufgetrennt werden, um Surer zu befreien. Dieser sollte seine Formel-1-Karriere erst Ende Juni in Frankreich fortsetzen können. Das Rennen in Südafrika war dann nach dem Training tatsächlich (fast) entschieden, auch wenn die damaligen Formel 1 Fahrzeuge bei weitem nicht die Zuverlässigkeit ihrer modernen Nachfahren erreichten. Jabouille reagierte am Start schneller als der Teamkollege und übernahm so vor Arnoux die Führung. Keiner der Wettbewerber konnte den beiden Franzosen ernsthaft folgen. Am Ende siegte Arnoux – wohl auch weil am Renault des führenden Jabouille 16 Runden vor dem Ende ein Reifen platzte.

Das Schicksals-Rennen in Long Beach

Riccardo Patrese 1979 Imola.jpg  Riccardo Patrese with his Arrows A1B  Foto: Gilberto Benni
Riccardo Patrese und sein Arrows
(Foto: Gilberto Benni)

Nach einer erneuten Reisepause von vier Wochen wurde die Formel 1 Saison 1980 mit dem „Großen Preis der USA – West“ fortgesetzt. Auf dem Straßenkurs in Kalifornien ging es bereits im Training hoch her. Denn wie in Monte Carlo wurde auch in den Häuserschluchten der Hafenstadt dem Startplatz stets eine besondere Bedeutung beigemessen. Um so mehr sorgte der damals erst 23 Jahre alte Jan Lammers in den USA für eine große Überraschung. Lammers, der nach dem Unfall von Surer erstmals im neuen ATS D4 ausrücken durfte, stellte seinen ATS-Ford auf den vierten Startplatz und fiel beim Start des Rennens sofort verbrannter Kupplung aus. Der Rest des Rennens war von zahlreichen Karambolagen geprägt. Bereits in der ersten Runde verunfallten Ricardo Zunino und Mario Andretti. Drei Runden später kollidierten Jean-Pierre Jarier (Tyrrell-Ford), Elio de Angelis (Lotus-Ford) und Carlos Reutemann (Williams-Ford) nach einem Dreher des Alfa-Romeo-Piloten Bruno Giacomelli. Dieser konnte als Einziger das Rennen (zunächst) fortsetzen. Nur um später bei der eigenen Überrundung mit Alan Jones (Williams-Ford) zu kollidieren.

Die verhängnisvolle Runde 51

Die zahlreichen Ausfälle und ein mutiger Auftritt hatten den Schweizer Clay Regazzoni vom vorletzten Startplatz bis auf Platz vier getragen. In der 51. Runde kollabierte am Ensign des Schweizers am Ende des schnellsten Streckenabschnitts die Bremse. Regazzoni raste ungebremst in den in der Auslaufzone stehenden Brabham BT49 des Argentiniers Zunino und schlug anschließend schlug hart in die dahinter nur dürftig von Autoreifen geschützte Betonmauer ein. Die Bergung des Schweizers aus dem total zerstörten Ensign gestaltete sich schwierig. Regazzoni wurde schließlich mit mehreren Unterschenkelfrakturen sowie Kopf- und Rückenwirbelverletzungen geborgen. Später stellte sich heraus, dass die Wirbelverletzungen zu einer Querschnittlähmung geführt hatten.

Das Rennen gewann Nelson Piquet, der bereits vom ersten Startplatz ins Rennen gestartet war. Der Brasilianer feierte damit seinen ersten Grand Prix Sieg. Zweiter wurde schon mit einer halben Runde Rückstand Riccardo Patrese im von Warsteiner gesponserten Arrows-Ford. Das Podium vervollständigte Ex-Weltmeister Emerson Fittipaldi, der mit seinem Fittipaldi-Ford eines der in dieser Phase seiner Karriere seltenen Erfolgserlebnisse feiern konnte.

Abseits der Formel 1

Lancia Beta Montecarlo Turbo Lothar Spurzem
Walter Röhrl siegte 1980 nicht nur für FIAT, sondern
auch für die Konzerntochter LANCIA
(Foto: Lothar Spurzem)

In Portugal sicherten sich Walter Röhrl und Christian Geistdörfer mit ihrem Fiat 131 Abarth bereits den zweiten Saisonsieg und bauten damit ihre Führung in der Rallye-Weltmeisterschaft aus. Nur wenige Tage später dokumentierte Röhrl dann beim zweiten Wertungslauf zur Marken-Weltmeisterschaft seine wohl einzigartige Vielseitigkeit. Am Steuer des mit Riccardo Patrese geteilten „Lancia Beta Montecarlo Turbo“ siegte der Regensburger am 16. März in Brands Hatch beim 6-Stunden-Rennen von Brands Hatch vor den Teamkollegen Eddie Cheever und Michele Alboreto im zweiten Lancia auch bei einem Rundstreckenrennen.

Eine Woche später feierte mit den „4 Stunden von Monza“ auch die „Europa-Meisterschaft für Tourenwagen“ ihren Saisonauftakt. Nach 106 Runden siegten in Monza die Österreicher Harald Neger und Heribert Werginz gemeinsam mit dem Italiener Umberto Grano am Steuer ihres von der Racing Corporation Vienna eingesetzten BMW 635 Csi. Zweite wurden Clemens Schickentanz und Jörg Denzel im von AMG aufgebauten Mercedes 450 SLC. Als Fünfte ins Ziel kamen der heutige ADAC-Sportpräsident Hermann Tomczyk und Toni Spiegelsberger, die sich in Monza einen Opel Commodore Gse teilten.

Am gleichen Wochenende startete auch die legendäre Deutsche Rennsport Meisterschaft in die Saison 1980. Beim „Bergischen Löwen“ in Zolder wurden die ersten Punkte vergeben. In der kleinen Division bis 2000 ccm gewann Klaus Niedzwiedz mit seinem Zakspeed Ford-Capri-Turbo. Bei den großen Fahrzeugen der Division II (über 2000 ccm) behielt Rolf Stommelen die Oberhand und siegte vor Klaus Ludwig. Mit welchen Bandagen in diesen Jahren in der DRM vermutlich gekämpft wurde, zeigt auch, dass dem Kölner Kremer Team bei dieser Veranstaltung in der Nacht vor dem Rennen die angefahrenen Reifen gestohlen wurden.

Und während in Long Beach die Formel 1 um Punkte stritt, ging der Nachwuchs der Formel 3 am 30. März 1980 am Nürburgring an den Start. Den ersten Saisonlauf der „Europameisterschaft für Formel 3-Fahrer“ sicherte sich der Belgier Thierry Boutsen, der dabei den Franzosen Philippe Alliot um gerade einmal 0,73 Sekunden auf den zweiten Platz verweisen konnte.

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