Meinung und Kommentar

Blogger-Relations: wie sie garantiert nicht funktioniert!

Blogger-Relations ist auch im Jahr 2015 offensichtlich teilweise noch ein schwieriges Thema. Nicht alle Unternehmen können mit diesen komischen Menschen, die aus Begeisterung für die Sache über eben diese schreiben, etwas anfangen. Aber das ist meiner Meinung nach kein Grund für so eine Geschichte, die wir diese Woche erlebten.

In diesem Blog beschäftigen wir uns seit 2007 mit Auto-Themen. Ausgangspunkt war ursprünglich die Begeisterung für den eigenen Oldtimer. Im Laufe der Zeit kamen dann zunächst ein paar Motorsport-Artikel dazu. Seit gut vier Jahren beschäftigen wir uns auch regelmäßig mit neuen Autos. Doch ein vollständiges Auto-Blog – insbesondere mit Fahrberichten – ist auf Dauer nur mit der Unterstützung der Industrie möglich. Die meisten Hersteller und Importeure haben das längst erkannt. Deshalb geben sie uns erfreulich regelmäßig die Gelegenheit, ihre Produkte in Augenschein zu nehmen.

Zu den Grundsätzen dieses Blogs gehört, dass wir uns nicht anbiedern. Wir arbeiten gern mit allen zusammenzuarbeiten, die das wünschen. In der Regel ist das eine einfache Geschichte. Es gibt bei den interessierten Unternehmen meist jemanden, der sich um Blogger-Relations kümmert. Wenn diese Tätigkeit ernst genommen wird, dann ist sie die perfekte Schnittstelle zwischen den Bloggern und dem jeweiligen Unternehmen. Ein Prinzip, das sich in der Zusammenarbeit mit anderen Medien seit Jahrzehnten bewährt hat. Insbesondere, wenn der Verantwortliche die Stärken und Schwächen der von ihm betreuten Medien kennt.

Was erwarten wir von Blogger-Relations?

Im Prinzip nicht viel. Etwas Vorlauf und natürlich Verlässlichkeit, dann klappt es schon. Jeder interessierte Hersteller bekommt von uns dafür eine gute Gelegenheit, Menschen anzusprechen, die sich für sein Produkt interessieren. Im Fall einiger Testberichte in diesem Auto-Blog waren das mehr als 30.000 Leser. 30.000 Leser pro Testbericht wohlgemerkt. Meist hat Google sie auf dieses Blog hingewiesen. Sie folgen diesem Hinweis und verweilen dann vier bis fünf Minuten bei uns, um sich mit unserer Meinung zu einem Fahrzeug zu beschäftigen.

Von Zeit zu Zeit erreichen uns dann E-Mails von Menschen, die uns schreiben, dass wir mit unserem Testbericht recht gehabt haben. Der jeweilige Wagen, den sie in der Zwischenzeit erworben haben, sei, wie wir beschrieben haben. Bloggen wirkt, denke ich in solchen Momenten. Manchmal erreichen uns auch konkrete Fragen zu bestimmten Fahrzeugen oder Fahrzeugdetails. Ich weiß dann, dass wir als Influencer wahrgenommen werden, die man gerne fragt. (Darf man übrigens gerne!)

Und bei einigen Artikeln sind es auch nur einige Hundert Likes und Shares in sozialen Netzwerken, die mir zeigen, dass wir gelesen werden. Doch ich schweife ab, verlasse das Kernthema dieses Beitrags. Denn der Beitrag soll sich nicht mit den Dingen beschäftigen, die funktionieren. Der Beitrag soll sich mit etwas beschäftigen, was so nicht funktioniert.

Das mit Sicherheit nicht!

Kürzlich lud uns die Presseabteilung eines Importeurs zum 24-Stunden-Rennen an den Nürburgring ein. Ohne jeden vorherigen Kontakt übrigens. Eigentlich wollte ich das Rennen in diesem Jahr erstmals seit langer Zeit nicht besuchen und auch nicht darüber berichten. Am Nürburgring läuft für meinen Geschmack im Moment einfach viel zu viel nicht gut.  Daher haben wir zwei anderen Firmen, die uns in diesem Jahr zu diesem Event eingeladen haben, abgesagt.

Doch nach einigem Überlegen entschieden wir uns, die dritte Einladung trotzdem anzunehmen. Weniger wegen des Events am Nürburgring. Ich bin in der Eifel selbst oft genug gestartet, war oft genug als Zuschauer an der Strecke und habe dort selbst so oft in der Sprecherkabine gearbeitet, dass mich dort nur noch wenige Dinge locken können. Doch dieser Importeur versprach, das Event mit einer Fahrpräsentation zu verbinden:

… Wie sich die Serienversionen unserer sportlichen Modelle auf der Straße schlagen, können Sie auf einer Fahrveranstaltung unmittelbar vor dem Besuch des 24h-Rennens selbst erleben: Auf landschaftlich reizvollen Strecken an der Mosel und durch die Eifel haben Sie als einer der ersten Journalisten überhaupt Gelegenheit, den neuen xxxxxxx x99 Turbo, das x88 Coupe und die neue Modellgeneration des xxxxxxxx Turbo zu testen. …

Das klang spannend und hätte mich auch in diesem Jahr in die Eifel gelockt. Denn mit der Tour lässt sein Mehrwert erzählen. Nicht die schnöde Testfahrt, sondern ein Reisebericht. Das wäre meine Geschichte gewesen. Also suchte ich die in der Mail genannte Webseite auf. Sicherlich, zuvor hatte ich zwölf Tage Zeit. Doch das war bisher bei keiner Einladung, die ich in der Vergangenheit erhalten habe, jemals ein Problem. Schließlich stand in der Mail:

… Bitte teilen Sie uns bis spätestens 30. April 2015 mit, ob wir mit Ihrer Teilnahme rechnen dürfen …

Gesagt getan. Doch als ich gegen 17:00 Uhr die Anmeldeseite aufrief, erhielt ich nur die Fehlermeldung, dass die Anmeldefrist abgelaufen sei. Ich schaute in die Mail, ob ich eine Frist übersehen hatte. Hatte ich nicht. Es gab nur das Datum. Und das war noch nicht verstrichen. Vielleicht hätte ich stutzig sein sollen, dass es noch keine Erinnerung an die Einladung gab, wie das bei anderen Herstellern üblich ist.

Stattdessen wählte ich den Weg, mich per E-Mail anzumelden. Schließlich nannte der Importeur in der Fehlermeldung extra einen Ansprechpartner. Ich glaube nämlich noch an einen Fehler. Doch das war ein Irrtum. Denn noch am gleichen Tag, um 18:31 Uhr, antwortete mir dieser Ansprechpartner:

… Danke für Ihre Mail. Mit der angekündigten Anmeldefrist bis 30.04. haben Sie recht; das Anmeldeportal war auch bis 16 Uhr geöffnet. Aber auch, wenn es noch einige weitere Stunden offen geblieben wäre – wir sind für das 24h-Event schon seit einigen Tagen ausgebucht. Einerseits freuen wir uns natürlich über das große Interesse. Auf der anderen Seite müssen wir dadurch auch einigen Spät-Anmeldern absagen, so wie in Ihrem Falle. …

Jetzt war ich endgültig fassungslos!

Ich lernte, dass eine „Einladung“ zumindest in diesem Fall offenbar gar keine Einladung ist. Das war neu für mich. Hier regierte also das Prinzip „First come, first save“. Damit habe ich auch gar kein Problem. Wenn das nur in der „Einladung“ offensichtlich gewesen wäre. Genauso wie die Uhrzeit des Abschaltens. Denn das hätte dem Unternehmen und mir überflüssigen E-Mail-Verkehr erspart.

Wobei das vermutlich gar nicht stimmt. Denn Blogger sind ziemlich gut vernetzt. Ich weiß inzwischen, dass auch Blogger eine Absage erhalten haben, die sich am 20. April – also zwei Tage nach der sogenannten „Einladung“ – anzumelden versuchten. Dazu liegen mir eindeutige E-Mails vor. Selbst die größte deutsche Online-Plattform zum Thema Autos war eingeladen und fand schließlich doch keine Gnade. Deshalb macht mich das Ganze ziemlich nachdenklich. Ich frage mich wirklich, warum ein Unternehmen überhaupt den Aufwand treibt, um „Einladungen“ zu versenden, wenn es scheinbar gar nicht die Absicht hat, die angeschriebenen Personen einzuladen.

Natürlich ist eine gewisse Überbuchung nachvollziehbar. Schließlich gibt es immer Einige, die absagen. Inzwischen habe ich von einem Journalisten erfahren, dass der Hersteller bei diesem Event 20 Plätze hat, aber mehr als doppelt so viele Personen eingeladen hat. Ob das tatsächlich stimmt, das ist am Ende gar nicht wichtig. Trotzdem jetzt sind wir endgültig beim Thema. Schließlich hat sich hier wohl nicht nur jemand nur bezüglich der Attraktivität seines Angebots kräftig verschätzt.

Auto-Blogger wie wir opfern viel Zeit für den Betrieb ihrer Blogs. Darüber mag jeder urteilen, wie er will. Doch wenn er uns kontaktiert, dann erwarten wir ein Mindestmaß an Professionalität. Schön wären auch Aufrichtigkeit und Verbindlichkeit. All das hat in diesem Fall leider völlig gefehlt. Und so ist die Geschichte ein gutes Beispiel dafür, wie Unternehmen ihre Blogger-Relations voll ins Kiesbett setzen.

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