Kaum eine Automarke ist mit so viel Tradition aufgealden wie der Name Alfa Romeo. Nach dunklen Jahren, in denen der Name durch Modelle wie den Alfasud oder den Arna beschädigt wurde, erlebt die Marke jüngst ein Comeback. Mit Autos wie dem Alfa Romeo MiTo 1.4 TB 16V MultiAir. Wir haben uns im Test ein umfangreiches Bild vom strammen Max gemacht.

Schon Henry Ford hatte viel Respekt vor den Produkten der Società Anonima Lombarda Fabbrica Automobili. „Immer wenn ich einen Alfa Romeo sehe, ziehe ich meinen Hut.“ Als der Erfinder der Massenmotorisierung 1939 diesen Respekt im Gespräch mit Alfa-Geschäftsführer Ugo Gobbato bekundete, stand Alfa Romeo für technisch hochwertige Produkte.

Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 205 km/h war der Alfa Romeo 8C 2900 in den 1930er Jahren zeitweilig das schnellste Serienauto der Welt. Alfa Romeo gehörte wie selbstverständlich zu den Fuhrparks der Reichen und Schönen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg bot Alfa Romeo mit Modellen wie der Giulietta und der Giulia sportliche Fahrzeuge für den Normalbürger.

Durch miese Qualität (Alfasud) und mit einer völlig verfehlten Modellpolitik (Arna) fuhr das Unternehmen Mitte der 1980er Jahre in die Pleite. 1986 übernahm FIAT das marode Unternehmen. Nach Anfangserfolgen rutschte auch Fiat zum Beginn des Jahrtausends in die Krise und reduzierte im Zuge der Sanierung die Alfa-Modellpalette. Heute gibt es bei Alfa nur noch die Neuauflage der Giulietta in der Kompaktklasse, den Kleinwagen MiTo und den Sportwagen Alfa Romeo 4C.

Unser Test Alfa Romeo MiTo 1.4 TB 16V MultiAir

In dieser Version verfügt der Kleinwagen als Extra über ein TCT genanntes Doppelkupplungsgetriebe von der Konzernschwester Fiat Powertrain Technologies. Die sechs Gänge des Getriebes können wahlweise mit Schaltwippen am Lenkrad oder mit einem klassischen Schaltstock auf der Mittelkonsole ausgewählt werden. Allerdings sind die Schaltwippen aus Hartplastik gefertigt, ihre Haptik kann mit dem Anspruch Alfa Romeo nicht mithalten. Trotzdem macht das Schalten im MiTo Spaß, denn das Getriebe schaltet schnell und mit kaum spürbaren Unterbrechungen der Zugkraft.

Seit Mitte 2008 ist der MiTo bereits im Handel. Bei der Gestaltung orientierten sich die Designer am damaligen Flagschiff der Marke, dem Alfa Romeo 8C Competizione. Das sorgt für eine persönliche Note und steht dem kleinen Italiener gut zu Gesicht. Von außen ist dem Alfa die enge technische Verwandtschaft mit dem FIAT Grande Punto nicht anzusehen. Dafür sorgen auch Details wie die rahmenlosen Scheiben an den Türen bei, die eher in Coupés als Kleinwagen üblich sind.

1,4 Liter, 135 PS bei 1245 Kilo sorgen für sportliche Fahrleistungen

135 PS leistet der 1,4-Liter-Motor des MiTo und hat mit dem rund 1,2 Tonnen schweren Testwagen leichtes Spiel. Nach Werksangabe legt der MiTo den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 in 8,2 Sekunden hin.

Schon bei der ersten Testfahrt mit dem MiTo wird klar, dass heutige Verkehrsteilnehmer – anders als Henry Ford – mit Alfa Romeo wenig verbinden. Auf der Autobahn muss ich etwas Zeit herausholen, weil ich mal wieder zu spät losgekommen bin. Es gelingt tatsächlich, ist aber vergleichsweise anstrengend. Denn regelmäßig wiederholt sich der gleiche Ablauf.

Der MiTo erreicht wie ein Blitz eine Geschwindigkeit jenseits der Autobahn-Richtgeschwindigkeit. Regelmäßig ziehen dabei allerdings irgendwelche Mittelklasseautos ganz selbstverständlich vor den MiTo, um einen Laster oder ein Wohnwagen-Gespann aus Holland zu überholen. Mit der gleichen Selbstverständlichkeit will sich anschließend ein anderer Verkehrsteilnehmer die Rückseite des hübschen Kleinwagens aus der Nähe ansehen. Weil der Hintermann dazu offensichtlich Licht braucht, wird das Heck mit der Lichthupe umfassend ausgeleuchtet.

Aber das Spiel löst sich immer wieder auf die gleiche Art und Weise auf. Irgendwann zieht der Vordermann gnädig auf die rechte Spur zurück. Hinter dem MiTo wird der Takt der Lichthupe schneller. Doch sobald die Straße frei ist, wird der kleine Italiener beschleunigt. Das TCT-Getriebe dreht – gerade im optionalen Sportmodus – die Gänge aus, um dann weich die nächste Welle einzulegen.

Bei Bedarf geht es mit dem Alfa Romeo MiTo mächtig vorwärts

Wird das Schauspiel bei Tempo 100 gestartet, ist der Hintermann meist schnell am Horizont verschwunden. Der kleine Alfa beschleunigt, wenn die Autobahn frei ist, ohne Probleme gleichmäßig bis zur Höchstgeschwindigkeit von 209 km/h. Das ist auf die Dauer etwas anstrengend, sorgt aber für eine Menge Fahrspaß und treibt den Verbrauch hoch. Mein Testverbrauch liegt – allerdings mit viel, viel Fahrspaß – bei etwas über zehn Litern.

Wer will, der kann mit dem MiTo auch sparsamer unterwegs sein. Im reinen Stadtverkehr verbrauche ich deutlich unter acht Liter Super. Es wäre wohl deutlich weniger, wenn ich die Start-Stopp-Automatik gleich verstanden hätte. Wegen des TCT-Getriebes kommt der Alfa ohne Kupplungspedal aus. Wie bei einem Automatik-Fahrzeug gibt es nur eine Bremse und ein Gaspedal. Es ist möglich, aber anstrengend, das Abschalten des Motors an der Ampel mit Dauerdruck auf das Bremspedal zu steuern. An die Alternative, das Getriebe auf Neutral zu stellen, denke ich an vielen Ampeln nicht. Zumal das nur mit dem Getriebehebel auf der Mittelkonsole geht.

Fazit zum Test des Alfa Romeo MiTo 1.4 TB 16V MultiAir

Der Alfa Romeo MiTo 1.4 TB 16V MultiAir weiß in vielen Punkten zu gefallen. Ich sitze trotz meiner Körperlänge von mehr als zwei Metern komfortabel. Auch mit drei Personen an Bord lässt es sich angenehm reisen. Auf einer Herrentour unserer Blogger-Crew fanden dabei sogar noch die großen Fototaschen und das Gepäck im Kofferraum Platz.

Dank seiner sportlichen Fahrleistungen ist der Alfa Romeo MiTo auf der Straße ein echter Geheimtipp für der überdurchschnittlich viel Fahrspaß steht. Nur wer auf der Autobahn viel Wert auf Überholprestige legt, darf nicht zum MiTo greifen. Heute tragen einfach zu wenige Menschen noch einen Hut, um ihren Respekt zu bekunden.

3 Kommentare

  1. Früher waren deren Motoren echte Kunstwerke. Heute verstecken die die wunderbaren Maschinen hinter so viel Plastik. Schade, Schade … 🙁

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