Meinung und Kommentar

Klassiker als Geldanlage – Eher nicht!

Deutschlands größter Automobilclub, der ADAC hat heute auf ein Thema hingewiesen, dass dem Oldtimer-Revier und anderen Blogs wie dem „MotorBlöckchen“ schon seit einiger Zeit quer im Magen liegt. Die Preise einiger Oldtimer werden von manchen Oldtimer-Zeitschriften oder Online-Magazinen zur Zeit gern in den Himmel geschrieben. Oldtimer seien, wenn man diesen Publikationen glauben schenken will, eine ganz heiße Geldanlage.

Sie empfehlen tatsächlich, dass der Leser am besten seine üblichen Geldanlagen auflöst, um einen oder zwei Oldtimer zu kaufen. Dann könne man sich beruhigt zurücklegen und bequem zusehen, wie die neue Anlage jedes Jahr im Wert steigt. Nun wollen wir keiner Publikation vorwerfen, dass diese „Front Running“ betreiben würde und selbst an den steigenden Preisen mitverdient. Doch es bleibt bei dem einen oder anderen Bericht ein schaler Beigeschmack.

Denn die Preistreiberei erinnert an einige Märkte, auf denen in jüngster Vergangenheit ebenfall stark steigende Preise beobachtet werden konnten. Fragen sie mal den Kurator einer größeren Kunstsammlung, was der Ihnen zur Preisentwicklung von Werken der „Neuen Leipziger Schule“ erzählen kann.

Es wird Ihnen einiges bekannt vorkommen!

Beängstigend ist übrigens auch, dass die Welt der Finanzjongleure bereits die Oldtimer-Szene entdeckt hat. Denn wer sich den Kauf eines Fahrzeugs als Wertanlage nicht selbst zutraut, der kann sogar schon auf entsprechende Finanzmarktprodukte zurückgreifen. Dabei wird den Anlegern dann gern eine Rendite von mindestens 15% versprochen. Aus einer Anlage von 60.000 Euro sollen dabei also schnell mehr als 70.000 Euro werden.

Leicht ironisch weist der ADAC darauf hin, dass diese Rendite im Einzelfall sicherlich möglich sei – und sogar deutlich übertroffen werden könne. Doch nicht jeder Fondsmanager findet in der Garage der Erbtante eines Bekannten einen echten Bugatti, den diese in den 1950er Jahren nicht verkaufen konnte, für immer abstelle und der heute bei einem Auktionshaus wie Bonhams schnell dreieinhalb Millionen Euro einbringt.

Der ADAC weist zurecht darauf hin, dass solche Meldungen nicht die Grundlage der eigenen Preiserwartungen sein sollten. Laut Deutschlands größten Automobilclub liegt ein realistischer Preis für einen entsprechenden Bugatti mit Zustandsnote „4“ allenfalls bei rund einem Zehntel dieser Summe. Gerade bei Auktionen führen Bietergefechte gerne zu völlig unrealistischen Höhenflügen. Kennen wir nicht alle dieses Verhaltensmuster, das viel Gier in sich trägt? Denn wie sonst ist es zu erklären, dass bei Online-Auktionen Gebrauchtwaren regelmäßig über dem Neupreis gehandelt werden?

Nebenbei verweist der ADAC in der Tat auf ein grundsätzliches Problem. Denn wie stellt man in so engen Märkten gängige und realistische Marktpreise fest? Was nützt es zu wissen, dass die aktuell für 50.000€ angebotene Pagode (Zustand „2“) vor 10 Jahren noch 35.000€ gekostet hat? Oder dass der Fiat Dino Spider, wohl dank seines Ferrari-Herzens in dieser Zeit seinen Preis verdoppelt hat?

Eine Fortschreibung dieser Entwicklung ist nicht vorhersehbar!

Diese Beispiele belegen doch, dass primär der profitieren konnte, der vor zehn oder noch besser zwanzig Jahren das Potenzial für ein bestimmtes Modell richtig eingeschätzt hat. Für die Mehrzahl der Klassiker kann diese Entwicklung nicht beobachtet werden. Es gibt eine ganze Reihe von Modellen, die sich in den vergangenen zehn Jahren preislich kaum bewegt haben. Da ist es egal, ob Sie einen Opel GT, einen BMW Z1 oder einen Fiat 124 Spider in der Garage stehen haben. Selbst der NSU Ro 80, vielleicht DIE Design-Ikone der 1960er/70er Jahre bleibt allenfalls wertstabil – was, wenn man den Kaufkraftverlust mit einbezieht, alles andere als lukrativ ist.

Also Finger weg von Oldtimern als Geldanlage!

Kaufen Sie sich Ihren Klassiker, weil er Ihnen gefällt. Drehen Sie ab und zu eine Runde mit Ihrem Schmuckstück und genießen, dass der Spaßfaktor dieser „Investition“ so jede Bank-Anlage locker abhängt. Und am Ende wird es Sie dann kaum berühren, wenn die „Marktblase“ der Oldtimer-Preise eines Tages mit mehr oder minder großem Feuerwerk platzen wird.

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Themen in diesem Artikel:

Als Kind der 1970er-Jahre hatte Tom das große Vergnügen, in einem ausgesprochen automobilen Umfeld aufzuwachsen. Das war der optimale Nährboden, um heute über Autos zu schreiben und regelmäßig am Mikrofon über Autos zu sprechen. Denn Tom Schwede moderiert seit 2010 bei großen Oldtimer- und Klassik-Veranstaltungen in Deutschland. So ist Tom unter anderem bei den Classic Days (früher Schloß Dyck, heute in Düsseldorf) oder dem 1.000 Kilometer-Rennen am Nürburgring zu hören. Wenn Sie also einen Moderator oder Streckensprecher für Ihre Oldtimer-Rallye oder Ihr Oldtimer-Treffen suchen, dann sind Sie bei Tom definitiv richtig!