Motorsport vor 40 Jahren: April 1984

Brabham BT53

Ab Saisonbeginn 1984 waren Ayrton Senna und Stefan Bellof Grand Prix-Piloten. Beide starten mit großen Vorschusslorbeeren in den neuen Karriereabschnitt. Und beide danken dieses Vertrauen schon im April 1984 mit den ersten Punkten.

Am 7. April 1984 stand der zweite Saisonlauf der Formel 1-Weltmeisterschaft auf dem Programm. Nach dem Auftakt in Brasilien blieb die Formel 1 auf der Südhalbkugel. Denn nur knapp sechs Monate nach dem dramatischen Saisonfinale an gleicher Stelle kehrte die Königsklasse des Automobilsports wieder nach Südafrika zurück. Damit kehrte das Rennen an der Südspitze Afrikas auf seinen angestammten Termin zurück. Denn seit der Große Preis von Südafrika im Rahmen der Weltmeisterschaft lief, fand die Mehrzahl der Rennen in einer frühen Phase der Saison statt. Nur beim Debüt 1962 sowie 1963 und 1983 lief das Rennen in Südafrika als Saisonfinale.

Südafrika war politisch schwierig!

Von 1965 bis 1971 fand dagegen der Saisonauftakt in Kyalami statt. Wobei die Ausgabe 1966 nicht zur Weltmeisterschaft zählte. Denn damals führte die CSI die Drei-Liter-Formel in der Königsklasse ein. Deshalb legte sie den Saisonstart in den Mai, um den Motorenbauern Zeit für die Entwicklung der Motoren zu geben. Die Südafrikaner waren damit nicht einverstanden und führten am 1. Januar 1966 ein Formel 1-Rennen ohne WM-Prädikat durch. Ab 1972 lief der Große Preis von Südafrika meist nach den Rennen in Südamerika im ersten Viertel der Saison. Auch 1981 fand der Große Preis von Südafrika – wie 1966 – statt, ohne Bestandteil der Formel 1-Weltmeisterschaft zu sein.

Wobei die Zugehörigkeit des Rennens zur Weltmeisterschaft – wegen der in Südafrika praktizierten autoritären Apartheidsstrukturen – nicht nur auf Freude stieß. Denn schon 1961 musste Südafrika auf Drängen afrikanischer und asiatischer Mitgliedsstaaten Südafrika das „Commonwealth of Nations“ verlassen. Nach dem blutig niedergeschlagenen Aufstand von Soweto rückte die Politik Südafrikas verstärkt ins Bewusstsein der restlichen Welt. Die UNO belegte Südafrika früh mit Sanktionen. Zudem gab es einen Kulturboykott. Trotzdem trat die Königsklasse des Automobilsports in Südafrika an. Das sorgte in den 1980er-Jahren zunehmend für Kritik.

Die Formel 1 interessierte das nicht!

Der amtierende Weltmeister Nelson Piquet sicherte sich den besten Startplatz. Dieses Kunststück sollte dem Piloten eines Brabham-BMW im folgenden Saisonverlauf noch acht weitere Mal gelingen. Die erste Startreihe teilte sich Piquet mit Keke Rosberg in seinem Williams-Honda. In die zweite Reihe fuhren Nigel Mansell im Lotus und Patrick Tambay in der Fabrik Renault. WM-Spitzenreiter Alain Prost sicherte sich den fünften Startplatz. Nicht qualifiziert war Thierry Boutsen, der im Arrows-Ford unterwegs war. Doch im Warm-Up am Renntag verunglückte Piercarlo Ghinzani mit seinem Osella. Leichte Brandverletzungen ließen den Italiener vom Start Abstand nehmen. So rückte Boutsen im Arrows doch noch ins Startfeld.

Arrows stieg im April 1984 in den Kreis der Turboteams auf.
Auch Arrows konnte ab April 1984 mit einem Turbomotor ausrücken. Wobei das Team zunächst nur ein Auto mit dem BMW-Turbo ins Rennen schickte. So wechselten sich im April 1984 die Piloten Marc Surer und Thierry Boutsen von Rennen zu Rennen im Turbo ab. (Foto: Archiv AutoNatives.de)

In der Aufwärmrunde streikte am TAG-Porsche-Motor im McLaren von Alain Prost die Wasserpumpe. Der Franzose stieg in den Ersatzwagen und startete aus der Boxengasse. Als die Startampel das Rennen freigab misslang Nelsen Piquet der Auftakt ins Rennen. Keke Rosberg und Nigel Mansell machen es besser und passierten den Weltmeister. Doch schon am Ende der ersten Runde war die alte Ordnung wieder hergestellt. Denn Piquet kassierte schon in der ersten Kurve den Lotus von Mansell wieder. Wenige Kurven später war auch Keke Rosberg dran. Bereits in der zweiten Runde tauchte hinter Piquet interessanterweise dessen Teamkollege Teo Fabi auf dem zweiten Platz auf. Damit unterstrichen die Brabham-BMW ihre guten Trainingsleistungen.

To finish first, you have to finish first!

In der 19. Runde ging am BMW-Motor von Theo Fabi der Turbo hoch. Wobei der Italiener schon einige Runden zuvor seinen zweiten Platz an Niki Lauda im McLaren TAG-Porsche verlor. In der 30. Runde platzte auch der Turbo im Brabham-BMW von Nelson Piquet. Lauda übernahm dankend die Führung und kontrollierte fortan das Rennen. Im Ziel hatte Lauda mehr als eine Minute Vorsprung auf seinen Teamkollegen. Trotzdem beeindruckte auch die Fahrt des Franzosen. Schließlich kam Alain Prost aus der Boxengasse und war mit dem Ersatzwagen unterwegs. Mit dem zweiten Platz behauptete der McLaren-Pilot seine Führung in der WM-Wertung. Als Sechster sicherte sich Ayrton Senna erstmals einen WM-Punkt. Senna fuhr Toleman. Deshalb war das ein überraschendes Ergebnis.

Mit dem Großen Preis von Belgien am 29. April 1984 begann zwei Wochen nach dem Rennen in Südafrika die europäische Formel 1-Saison. Den Arrows von Lokalmatador Thierry Boutsen trieb in Belgien erstmals ein BMW-Turbomotor an. Damit stieg auch das Team von Jackie Oliver in den Kreis der Turbonutzer auf. Wobei im zweiten Arrows von Marc Surer zunächst noch weiter der-Saugmotor von Cosworth steckte. Das Training in Zolder dominierten die Ferrari. Michele Alboreto sicherte sich die erste F1-Pole-Position seiner Karriere. Ferrari-Teamkollege René Arnoux wurde Zweiter. Platz drei sicherte sich Keke Rosberg im Williams FW09-Honda. Die Überraschung des Trainings war Manfred Winkelhock, der den ATS D7-BMW auf den hervorragenden sechsten Startplatz stellte.

Ayrton Senna verlor im April 1984 ein Trainingsduell gegen seinen Teamkollegen!

Damit stand der Schwabe vor den McLaren von Alain Prost (Achter) und Niki Lauda (14.). Zudem schlug Winkelhock im ATS mit BMW-Kundenmotor auch die Brabham mit BMW-Werksmotoren. Denn Weltmeister Nelson Piquet fuhr im Training nur auf den neunten Startplatz. Theo Fabi stellte den zweiten Brabham auf den 18. Platz. Ayrton Senna durfte das Rennen einen Platz dahinter aufnehmen. Damit verlor der Brasilianer etwas überraschend das Trainings-Duell mit seinem Teamkollegen Johnny Cecotto. Denn der ehemalige Motorrad-Weltmeister kam im Training auf den 16. Platz. Thierry Boutsen qualifizierte den Arrows-BMW als 17., nahm dabei seinem Teamkollegen Surer mehr als zweieinhalb Sekunden ab.

Michele Alboreto holte im April 1984 den ersten Sieg für Ferrari.
Michele Alboreto wechselte Anfang 1984 zu Ferrari. Dort holte der Italiener schon im April 1984 seinen ersten Sieg im italienischen Nationalheiligtum (Foto: Archiv AutoNatives.de)

Im Rennen nutzte Michele Alboreto den besten Startplatz, um seinen Ferrari sofort an die Spitze zu bringen. Bis in Ziel gab der Italiener diese nicht mehr ab, behielt diese sogar nach dem Boxenstopp. Das war deshalb bemerkenswert, da Nelson Piquet im Brabham-BMW das Rennen mit einem Reifensatz und ohne Stopp durchfuhr. Ob die Strategie aufgegangen wäre, blieb offen. Denn in der 67 von 70 Runden streikte der BMW-Motor im Brabham des Brasilianers. WM-Spitzenreiter Alain Prost musste seinen McLaren nach Zündproblemen schon nach fünf Runden abstellen. Bei Niki Lauda streikte die Wasserpumpe. Das war innerhalb eines Monats im April 1984 schon die zweite defekte Wasserpumpe bei Porsche. 

Ferrari gewann in Zolder!

Die Zieldurchfahrt von Michele Alboreto war emotional. Denn zwei Jahre zuvor verlor in Zolder Ferrari-Legende Gilles Villeneuve sein Leben. Nun gewann Michele Alboreto für das italienische Team an gleicher Stelle, das erweichte selbst Hartgesottene. 42 Sekunden hinter dem Italiener sicherte sich Derek Warwick im Renault den zweiten Platz. Der Brite verwies René Arnoux auf Platz Drei. Da half es auch nicht, dass Arnoux die schnellste Rennrunde drehte. Als Sechster sicherte sich Stefan Bellof im Tyrrell erstmals einen WM-Punkt. Leider verlor der Deutsche diesen Platz später, da sein Team ihn mit einem zu leichten Rennwagen ins Rennen schickte und diesen erst beim Boxenstopp mit Blei aufs notwendige Gewicht brachte.


Was passierte sonst noch im April 1984?

Die Formel 2-Europameisterschaft startete am 1. April 1984 in ihre finale Saison. BMW verzichtete – anders als in den Vorjahren – auf Werksunterstützung seiner Motoren. Die Wartung der Triebwerke übernahmen nun nur noch Tuner wie Heini Marder und Max Heidegger. Bei der „BRDC International Trophy“ in Silverstone gab das RALT-Werksteam einen Fingerzeig, was die Fans 1984 erwarten sollte. Denn im Training stellte Robert Moreno seinen RALT Honda RH6/84 auf den besten Startplatz. Seinem Teamkollegen Mike Thackwell gelang die zweitschnellste Zeit. Im Rennen über 47 Runden drehte der Neuseeländer den Spieß um. Wobei während des etwas mehr als eine Stunde langen Rennens die Führung mehrmals wechselte.

Denn RALT-Teamchef Ron Tauranac ließ seine Piloten frei fahren. Zu Beginn der letzten Runde führte Moreno. Doch Thackwell griff in der Woodcote kurz vor dem Ziel nochmals an. Dabei kam es zur Berührung, Moreno drehte sich und Thackwell gewann das Rennen. Die Überlegenheit der RALT unterstrich, dass beide alle anderen Teilnehmer mindestens einmal überrundeten. Dritter wurde Michel Ferté in einem von ORECA eingesetzten Martini M001 mit BMW-Motor. Nur eine Woche nach dem Saisonauftakt in Silverstone stand in Hockenheim schon der zweite Saisonlauf der Formel 2-Europameisterschaft auf dem Programm.

In Thruxton traten nur noch 17 Fahrzeuge zum Formel 2-Rennen an.

Dabei sorgte Michel Ferté mit dem Boliden aus der Rennwagen-Schmiede von Renato Martini in Magny Cours erneut für eine Überraschung. Denn Ferté holte sich beim Jim-Clark-Gedächtnisrennen den besten Startplatz. Doch im Rennen führte, wie schon bei beiden Rennen zuvor kein Weg an den RALT vorbei. Diesmal gewann Roberto Moreno. Der Brasilianer schlug am 8. April 1984 seinen Teamkollegen nach 203,7 Kilometer Renndistanz um eine halbe Sekunde. Dritter wurde erneut Michel Ferté im von ORECA eingesetzten Martini. Damit unterstrich der Franzose mit dem französischen Rennwagen seine Leistungen von Silverstone.

Mit dem „XIII P & O Ferries Jochen Rindt Memorial Trophy“ in Thruxton rückte die Formel 2-Europameisterschaft im April 1984 noch ein drittes Mal aus. Traten bei den ersten beiden Rennen noch 21 (Silverstone) beziehungsweise 24 (Hockenheim) Rennwagen zum Training an, gaben diesmal nur 18 Piloten eine Nennung für das Rennen an. Da Aldo Bertuzzi auf den Start verzichtete nahmen nur 17 Fahrzeuge am Rennen teil. Diesmal gewann erneut Mike Thackwell. Wobei dem Neuseeländer ein perfektes Wochenende gelang. Denn Thackwell war schon im Training der Schnellste und drehte auf dem Weg zum Sieg auch noch die schnellste Rennrunde. Mit Platz zwei gelang Christian Danner die Einstellung seines bisher besten Formel 2-Ergebnisses.

Die DPM rannte im Rahmen der Formel 2

Im Rahmenprogramm des Jim-Clark-Gedächtnisrennens trat auch die Deutsche Produktionswagen Meisterschaft (DPM) an. Das Rennen gewann Harald Grohs. Doch am Motor des BMW 635 CSi stellten die technischen Kommissare nach dem Rennen einen zu großen Ventilhub fest. Die Nachfolgenden rückten jedoch in den Ergebnislisten nicht auf. Deshalb blieb das Rennen ohne Sieger. Für Diskussionen sorgten erneut die Lautstärkeregeln. Denn in der klassenlosen Gesellschaft der DPM galt eine Lärmbegrenzung von 100 dBA. Schon beim Saisonauftakt in Zolder hatten besonders die Alfa Romeo Schwierigkeiten, diese Regel einzuhalten. Wie schon beim Auftakt im März schlossen die Regelhüter auch im April 1984 zu laute Autos konsequent aus.

Mit den 1.000 Kilometern von Monza nahm am 23. April 1984 auch die Sportwagen-Weltmeisterschaft ihren Fahrbetrieb auf. Die in Monza ausgeschriebene „Trofeo Filippo Caracciolo“ – benannt nach dem ehemaligen Präsidenten des Automobil-Weltverbands – sicherten sich Stefan Bellof und Derek Bell. Das britisch-deutsche Duo schlug im Rennen seine Teamkollegen Jacky Ickx und Jochen Mass, die wie die Sieger im Porsche 956 des Werks an den Start gingen. Dritte wurden Mauro Baldi und Paolo Barilla im Lancia LC2-84. Wobei dem italienischen Duo im Ziel schon fünf Runden auf die Sieger fehlten. Den Sieg in der Gruppe C2 holten die Amerikaner Jim Busby und Rick Knoop im Lola T616 mit Wankelmotor von Mazda.


Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Teo Fabi im Brabham BT53 beim Großen Preis von Südafrika 1984.

Foto: Archiv AutoNatives.de

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Als Kind der 1970er-Jahre hatte Tom das große Vergnügen, in einem ausgesprochen automobilen Umfeld aufzuwachsen. Das war der optimale Nährboden, um heute über Autos zu schreiben und regelmäßig am Mikrofon über Autos zu sprechen. Denn Tom Schwede moderiert seit 2010 bei großen Oldtimer- und Klassik-Veranstaltungen in Deutschland. So ist Tom unter anderem bei den Classic Days (früher Schloß Dyck, heute in Düsseldorf) oder dem 1.000 Kilometer-Rennen am Nürburgring zu hören. Wenn Sie also einen Moderator oder Streckensprecher für Ihre Oldtimer-Rallye oder Ihr Oldtimer-Treffen suchen, dann sind Sie bei Tom definitiv richtig!

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