Die Preise vieler Oldtimer steigen seit Jahren kontinuierlich an. Doch in den letzten Monaten verlangsamte sich das Tempo der Preissprünge deutlich. Insofern überrascht, wenn der Preis eines Panhard X86 Dolomites in nur zwei Monaten um fast 70 Prozent zulegt.

Denn eigentlich sind sich alle einig, dass die Zeit der großen Preissprünge vorbei ist. Zuletzt sorgten auffällig oft prominente Vorbesitzer eines Autos dafür, dass dieses plötzlich an Wert gewann. Manch Auktion eines Promi-Fahrzeugs war nur schwer nachvollziehbar. Offensichtlich öffnet die Aussicht, seinen Allerwertesten beim Fahren an derselben Stelle zu platzieren, wie es einst ein Prominenter tat, das eine oder andere Portemonnaie besonders weit.

Der Panhard X86 Dolomites basiert auf dem Panhard X86 Dyna Junior und trägt eine Karosserie von Pichon & Parat
Der Panhard X86 Dolomites basiert auf dem Panhard X86 Dyna Junior (Foto: Tom Schwede)

Für mich ist diese Entwicklung das Vorzeichen eines nahenden Endes des Booms. Natürlich ist die Provenienz eines automobilen Klassikers wichtig. Doch wenn sie am Ende das einzige Argument für den Preis eines Autos darstellt, dann läuft da etwas schief. Insofern bin ich ja fast schon froh, wenn irgendwo ein Auto auftaucht, das zunächst mit seiner Entstehung glänzt. Der Panhard X86 Dolomites mit einer aufregenden Karosserie von Pichon & Parat ist da genau mein Fall.

Panhard stand für Leichtbau, Zweizylinder-Boxer und Motorsport

Wer das aufregende Karosseriekleid heute bestaunt, der wird überrascht sein, dass hier unter dem Blech ein luftgekühlter Zweizylinder-Boxermotor den Antrieb übernimmt. Doch die Technik des Sportwagens stammt vom Panhard X86 Dyna Junior. Das ist Roadster, der wiederum auf dem Chassis des Panhard Dyna X basierte. Das ist, wenn man etwas genauer hinsieht, gar keine schlechte Grundlage.

Der Panhard X86 Dolomites basiert auf dem Panhard X86 Dyna Junior
Die hübsche Karosserie stammt von Pichon & Parat . Die Front entstand nach einem Unfall in der Werkstatt von Lucien Chanchou in Villeneuve-lès-Avignon (Foto: Tom Schwede)

Denn die nach dem Zweiten Weltkrieg beim Lkw-Hersteller Panhard & Levassor gebauten Pkw waren technische Meisterwerke. Sie entstanden in Zusammenarbeit mit dem Rennfahrer und Ingenieur Jean-Albert Grégoire. Der luftgekühlte Viertakt-Boxermotor glänzte mit bis zu 70 PS Literleistung. Freund unsers Blogs kennen diese Motoren aus dem D.B. Panhard Monomil. Aber auch im Alltag sorgten die kleinen Motoren für gute Fahrleistungen, weil Panhard bei seinen Alltagsautos konsequent auf Leichtbau setzte.

Von 1950 bis 1964 gewannen Autos von Pandard bei den 24-Stunden von Le Mans zehn Mal die Effizienzwertung. Wohl auch deshalb setzten im Oktober 1953 Bernard Pichon und André Parat auf einen Panhard, als die Karosseriebauer ihren Panhard X86 Dolomites präsentierten. Der Rennfahrer Laurent Sagnier bestellte sofort nach der Premiere auf dem Pariser Autosalon bei Panhard das passende Fahrzeugfahrgestell.

1954 trat der Panhard X86 Dolomites bei der Tour de France an …

Panhard lieferte es Anfang Mai 1954 an Pichon & Parat zur Vervollständigung aus. Noch im gleichen Jahr trat Laurent Sagnier zusammen mit Robert Lachaux und dem Panhard X86 Dolomites von Pichon & Parat bei der Tour de Fance Automobiles an. Doch die Franzosen sahen die Zielflagge nicht. Sagnier reichte den Sportwagen weiter. Garoni und Collin gewannen mit dem Dolomites schon 1955 bei der International Rally in Aix-en-Provence die Sportwagen-Klasse.

Heck des Panhard X86 Dolomites
Heck des Panhard X86 Dolomites

André Brunel übernahm das Coupé zwei Jahre später. In der Werkstatt von Lucien Chanchou in Villeneuve-lès-Avignon bekam der Sportwagen nach einem Unfall eine neue Front. Sie verfügt über etwas größere Lufteinlässe als zuvor. 1964 verkauft Brunel den Panhard X86 Dolomites an Pierre Dellière, den Gründer eines Oldtimer-Museums. Zehn Jahre später bekommt der eine gelbe Lackierung und einen neuen Eigner.

Dadurch verbringt der Sportwagen einige Jahre in Vaucluse. Ab 1979 inseriert der Sportwagen-Händler Henri Lalanne den Panhard X86 Dolomites in einigen Fachmagazinen. Ein Sammler aus Maine-et-Loire kauft schließlich den Sportwagen. Wieder mit einer blauen Karosserie tritt das Coupé ein paar Mal bei Oldtimer-Rennen an. In dieser Zeit ziehen wohl die Sitze eines D.B. Le Mans Cabriolet in den Innenraum des Dolomites ein.

Versteigerung auf der Rétromobile in Paris …

Preisschild am Panhard X86 Dolomites auf der Techno Classica 2019 in Essen.
Preisschild am Panhard X86 Dolomites auf der Techno Classica 2019 in Essen.

1986 übernimmt der bekannte Panhard-Sammlers Jean-Pierre Allain den Dolomite. Nach dem Tod von Allain, der dem Le Mans-Veranstalter ACO nahe stand, verkauft die Familie Allain den Sportwagen 2014 an Alain Miklitarian. Im Februar 2018 versteigert das Auktionshaus Artcurial den Panhard X86 Dolomite auf der Rétromobile in Paris. Vor der Auktion steht das Coupé mit einem Schätzpreis von 100.000 bis 130.000 Euro in den Auktionskatalogen.

Während der Versteigerung kann der Panhard X86 Dolomite diese Erwartungshaltung nicht ganz befriedigen. Der Hammer fällt bei einem Gebot von 92.800 Euro. Um so mehr überrascht, dass auf der Techno Classica in Essen jetzt ein Preisschild über 157.500 Euro an dem Fahrzeug hing. Innerhalb von zwei Monaten legte der Preis für den Panhard X86 Dolomite damit um fast 70% zu. Trotz des ungewöhnlichen Fahrzeugs und der außergewöhnlich gut dokumentierten Geschichte dürfte das völlig überzogen sein.

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