Im Musée Automobile de Vendée stieß ich vor ein paar Tagen auf den D.B. Panhard Monomil. Ich schoß zunächst nur ein paar Fotos, um sie bei Instagram zu posten. Jetzt habe ich mal etwas nachgeforscht, was hinter dem ungewöhnlichen Rennwagen steckt.

Deutsch et Bonnet – offiziell Automobiles D.B. – gehört in Frankreich heute zum automobilen Nationalheiligtum. Dies nachzuvollziehen ist das nicht so einfach. Denn zur Geschichte des Unternehmens gehören zahlreiche Misserfolge. Besonders im Formel-Rennsport tat sich D.B. schwer. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg bestreiten die Firmengründer Charles Deutsch und Rene Bonnet wieder Sportwagenrennen. Nebenbei weiten ihre Aktivitäten auf den Bau von Monoposto aus.

Schon 1946/47 entsteht für die damals neue Formel 2 der Deutsch et Bonnet DB6 Citroën. Die Formel 2 tritt die Nachfolge der vor dem Zweiten Weltkrieg üblichen Voiturette-Klasse an. Voiturette sind traditionell die Klasse der Herrenfahrer und damit ein interessantes Geschäftsfeld für das aufstrebende Unternehmen. Zur Werbung tritt Rene Bonnet mit dem DB6 bei ausgewählten Rennen an. Doch da größere Erfolge ausbleiben, bleibt der DB6 ein Einzelstück.

Zudem zeigt sich, dass der direkte Einstieg in die Formel 2 für viele Motorsportler zu teuer ist. In Großbritannien entstehen kleine Formel-Rennwagen mit 500 ccm großen Motorradmotoren. Als Formel 3 übernimmt die CSI der FIA 1950 dieses Reglement. Im Frankreich schreibt der Automobilclub AGACI unter dem Namen Mouvement Racer 500 ebenfalls eine Serie für diese Rennwagen aus.

Damit ist auch Deutsch et Bonnet im Geschäft!

Schließlich gehört Charles Deutsch zu den Funktionären des AGACI. Automobiles D.B. stellt 1949 auf dem Autosalon in Paris den DB Racer 500 vor. Ungewöhnlich ist, dass der mit Fahrer 350 Kilogramm leichte Rennwagen über Frontantrieb verfügt. Verantwortlich für dieses Antriebskonzept ist der Motor von Panhard. Eine Entscheidung, die nebenbei zum Bruch zwischen Automobiles D.B. und Citroën führt.

Auf Basis des luftgekühlten Zweizylinder-Boxermotors aus dem Panhard Dyna X baut D.B. einen 497 ccm großen Rennmotor. Eine geänderte Kurbelwelle, zwei Vergaser und eine Magnetzündung sorgen dafür, dass bei 7.000 1/min rund 35 PS zur Verfügung stehen. Der Serienmotor leistet – mit 610 ccm Hubraum – nur 22 PS. Zusammen mit dem Motor wandern auch das Getriebe und die serienmäßige Vorderradaufhängung des Dyna in den Rennwagen.

DB Racer 500 auf dem Retromobile 2013 im Paris
DB Racer 500 auf dem Retromobile 2013 im Paris (Foto: Thesupermat)

Gut zehn Jahre später wählt Alfred Hartmann, DKW-Händler Alfred Hartmann aus Berchtesgaden einen ähnlichen Weg. Hartmann konstruiert mit Teilen des Auto Union 1000 ebenfalls einen frontgetriebenen Rennwagen für die Formel Junior. Während der DKW-Rennwagen von Hartmann ein Einzelstück bleibt, kann Deutsch et Bonnet – offiziell – 15 Fahrzeuge verkaufen. Mit 900.000 Francs steht der Rennwagen 1950 in der Preisliste des Unternehmens.

Zwei Jahre schreibt der AGACI die Serie der Mouvement Racer 500 aus. Der Frontantrieb erweist sich im Formel-Rennwagen als chancenlos. Dies übrigens trotz der teilweise abenteuerlichen Lösungen anderer Konstrukteure, die die Webseite spiritracerclub.org eindrucksvoll dokumentiert. Auch wenn Achtungserfolge gelingen, der DB Racer 500 ist ein Flop und bis zum Schluß nicht ausgereift.

Zweites Leben als D.B. Panhard Monomil

Trotzdem finden Charles Deutsch und Rene Bonnet einen interessanten Weg, um das Geschäft mit den kleinen Rennwagen auszubauen. 1953 wird aus dem Dyna X der Dyna Z und aus dem DB Racer 500 wird der D.B. Panhard Monomil. Dessen Antrieb übernimmt der 848 ccm große Motor aus dem Dyna Z von Panhard. Der AGACI – Charles Deutsch ist dort schließlich Funktionär – schreibt einen Markenpokal für diesen „neuen“ Formel-Rennwagen aus.

Vorderachse am D.B. Panhard Monomil
Vorderachse am D.B. Panhard Monomil

Zusammen mit dem neuen Motor bekommt der Rennwagen auch eine neue Fronthaube. Die Auspuffrohe des DB Racer treten neben der Fahrzeugschnauze ins Freie, um dann (meist) unter dem Rennwagen nach hinten zu verlaufen. Beim D.B. Panhard Monomil überspannt eine aerodynamische Fronthaube auch die Auspuffrohre. Ein großes Haifischmaul sorgt dafür, dass der luftgekühlte Panhard-Motor nicht den Hitzetod stirbt.

Der Markenpokal des AGACI, den Shell und Dunlop unterstützen, ist eine sehr französische Lösung. Frei nach dem Motto, wenn wir die Cooper nicht schlagen können, dann schicken wir sie nach Hause. Zwei Jahre, bis Ende 1955, läuft die Monomil-Serie in Frankreich. Mit Jo Schlesser, Claude Storez oder Jean Lucas finden sich in den Starterlisten durchaus Piloten, die auch später auch in anderen Motorsportkategorien für Aufmerksamkeit sorgen werden.

Offiziell entstehen 30 D.B. Panhard Monomil Rennwagen. Doch Produktionszahlen sind bei Deutsch et Bonnet immer ein schwieriges Thema. Experten gehen heute davon aus, dass die Firma insgesamt weit weniger Fahrzeuge baute, als sie damals angab. Ganz eindeutig sind dementsprechend auch die 30 Exemplare des Monomil nicht belegt. Auffällig ist, dass heute – bevorzugt in Frankreich – mindestens genauso viele DB Racer 500 wie Monomil bekannt sind, wie das folgende Video zeigt.

Der Markenpokal des AGACI ist ein typischer Markenpokal

Offensichtlich gab es Schwierigkeiten, die Rennwagen an Nachwuchsfahrer zu verkaufen. Immer wieder sitzen bekannt Rennfahrer in den kleinen Rennwagen. Pierre Levegh, Alfonso de Portago oder Harry Schell sind Mitte der 1950er-Jahre sicher nicht die typischen Nachwuchsfahrer, die die Monomil Serie eigentlich ansprach. Kaum anzunehmen, dass sie für ihre Einsätze im D.B. Panhard Monomil bezahlten.

Zudem deuten Aktivitäten von deuten auf Absatzprobleme hin. Schon 1954, als der Markenpokal im ersten Jahr war, bietet Deutsch et Bonne den Momomil auch als Formel 2 Rennwagen an. Mit einem 750 ccm großen Kompressor-Motor paßt der Monomil 1954 auch ins Formel-2-Reglement. Wettbewerbsfähig ist der Monomil jedoch auch in der Formel 2 nicht. Monomil-Starts in der Formel 2 bleiben eine Ausnahme.

Mit dem Monomil in die Formel 1

Deutsch et Bonnet baut daher 1955 einen 850 ccm großen Motor mit Kompressor und tritt damit in der Formel 1 an. Beim Großen Preis von Pau gehen zwei D.B. Monomil mit diesem Antrieb an den Start. Das Rennen wird 1955 nach den Regeln der Formel 1 ausgetragen, zählt aber nicht zur offiziellen Weltmeisterschaft. Schon im Training hat Pilot Paul Armagnac mehr als 18 Sekunden Rückstand auf Alberto Ascari im Lancia D50. Im Rennen wird Armagnac mehrfach überrundet. Ein Bild des Künstlers Jacques Dulery-Reyval spielt auf diese Szene an.

Trotz des weiteren Misserfolgs holt D.B. den Monomil aus der Versenkung hervor, als 1959 die Formel Junior die Formel 3 ablöst. Doch Erfolge gibt es auch dort nicht. Denn das Konzept des Frontantriebs paßt nicht in einem Formel Rennwagen. Die Traktionsvorteile des Hinterradantriebs überwiegen den Gewichtsvorteil des Frontantriebs. Bis heute, zuletzt wagte sich Nissan mit einem Frontantriebsrennwagen nach Le Mans, scheitert der Frontantrieb im Motorsport.

Automobiles D.B. hält trotzdem über Jahre an dem Konzept fest. Zusammen mit dem AGACI erfinden die Franzosen dabei nebenbei den Markenpokal für Formel-Rennwagen. Vielleicht ist dies die wahre Leistung des D.B. Panhard Monomil.

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