Als Karla mich mit dieser Frage auf diesen Roadster hinwies, musste ich tatsächlich passen. Ich war glatt überfragt, was mir da in der britischen Provinz vor die spontan hochgerissene Kamera – und genauso schnell aus dem Sichtfeld – fuhr.

Beim Anblick der großen Heckflossen dachte ich zunächst an einen Sunbeam Alpine. Doch zu diesem Roadster, den Sean Connery als James Bond im Kampf gegen Dr. No fuhr, passte die Linienführung der Tür nicht. Außerdem hatte die Karosserie des Sunbeam keine angedeuteten Kotflügel.

Daher war ich mir sicher, mit dieser Annahme auf der falschen Spur zu sein. Doch es schließlich genau diese Welle auf den Kotflügeln, die mich auf die richtig Spur brachte. Denn so eine muschelförmige Wellenform („fluted grille“) galt als Markenzeichen der Daimler Motor Company.

Die Daimler Motor Company ist nicht zu verwechseln mit der deutschen Daimler Motoren Gesellschaft (DMG), die 1926 mit Benz & Cie. zu Daimler-Benz fusionierte. Trotzdem teilen beide Unternehmen ein gemeinsames Erbe. Denn sie gehen zurück auf Gottlieb Daimler. Die britische Daimler gründete Frederick R. Simms, ein Freund und Handelspartner von Gottlieb Daimler, der auch beim britischen Unternehmen zeitweise Vorstand war.

Daimler SP250 – Premiere im April 1959

Der Roadster ist ein seltener britischer Daimler SP250. Dieser im April 1959 vorgestellte Sportwagen gilt heute als letzter „echter“ britischer Daimler. Denn im Bestreben, sich in der Oberklasse und in den USA festzusetzen, stellte die Daimler Motor Company 1959 gleich zwei V8-Motoren vor. Einen einen 2,5 Liter V8 für den Sportwagen SP250. Sowie einen größeren V8 mit 4,5 Liter Hubraum für die Luxuslimousine Daimler Majestic Major.

Doch die Entwicklung und Produktion von zwei V8-Motoren war für den Kleinserienhersteller ein teures Vergnügen. Daimler-Mutter Birmingham Small Arms Company (BSA), seit 1910 im Besitz der Daimler Motor Company, zog die Notbremse. Im Mai 1960 verkaufte das ehemalige Rüstungsunternehmen BSA den Autobauer Daimler zusammen mit dem Schwesterunternehmen Lanchester an Jaguar.

Jaguar baute die beiden Modelle zunächst Daimler Majestic Major und Daimler SP250 bis 1964 weiter. Vom Sportwagen SP250, dessen Name übrigens auf die Projektnummer zurückgeht, entstanden insgesamt 2.654 Exemplare. Trotz der optisch etwas gewöhnungsbedürftigen Karosserie, die übrigens aus GFK (glasfaserverstärktem Polyester) besteht.

Der V8 des SP250 lebte weiter

Zu den Kunden des SP250 gehörte unter anderem die britische Autobahn-Polizei. Denn mit einer Höchstgeschwindigkeit von 198 Kilometern pro Stunde, war der SP 250 für seine Zeit ein schnelles Auto. Und gilt heute eben als letzte echte britische Daimler-Konstruktion. Nach dem Auslaufen blieb der Roadster Daimler SP250 ohne direkten Nachfolger.

Denn nach der Übernahme machte Jaguar aus Daimler ein Label für besonders edle Ableger seiner „normalen“ Modelle. Wobei sich Jaguar beim Einsatz des Labels auf Limousinen beschränkte. Nur der Motor des SP250 durfte bis 1969 noch etwas weiter „leben“. Denn den V8 bot Jaguar bereits als 1962 im Daimler V8 2 ½ Litre, einer Variante des Jaguar Mark 2, an.

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