1965 stellte Rolls-Royce den Silver Shadow vor. Mit der Luxuslimousine vollzog Rolls-Royce den Wandel zur Moderne. Heute ist der Silver Shadow eine automobile Ikone, die selbst 50 Jahre nach ihrem Debüt noch fasziniert.

Die Gründe dafür sind vielschichtig und am Ende doch verblüffend einfach. Denn auch bei Autos gilt: Ein Gentleman ist man, oder wird es nie. In diesem Sinne ist der Silver Shadow zweifelsfrei ein britischer Gentleman auf Rädern. Er wurde schnell zum Auto für die, die noch nie arbeiten brauchten. Und genau das machte ihn auch für die begehenswert, die „nur“ nicht mehr arbeiten müssen.

Douglas Sutherland, ein pensionierter Major der Royal Army, beschrieb in den 1950er-Jahren den Gentleman als ebenso schrulligen wie liebenswerten Zeitgenossen. Als Exzentriker und teilweise auch Snob ist der wahre Vertreter dieser Gattung altmodisch und dünkelhaft. Bewahrt sich jedoch auch in hektischen Situationen stets seine natürliche Unaufgeregtheit.

Wo andere Menschen mit viel Hektik ihrer Geschäftlichkeit nachgehen, ist er von einer gepflegten Langeweile durchdrungen. Nur die Mitgliedschaft in einem vornehmen Londoner Herrenklub macht den Besuch in der britischen Hauptstadt erträglich. Mit diesem Wesen wurde der humane Gentleman zum klassischen Markenzeichen britischer Kultur.

Passt alles perfekt zum Rolls-Royce Silver Shadow

All das verkörpert auch der Rolls-Royce Silver Shadow. Die Limousine ist gediegen und strahlt mit jeder Schraube eine zurückhaltende Eleganz aus. Gleichzeitig ist ihr auch eine gewisse Exzentrik nicht fremd. Und sie war ein Gegenpol zu den unruhigen 1960er-Jahren. Gerade in Großbritannien sorgten Beat- und Hippie-Bewegung für epochale gesellschaftliche Veränderungen.

Einem Wandel, dem sich auch der damals noch unabhängige Autobauer Rolls-Royce nicht entziehen konnte. Unaufgeregt – da ist er wieder, der Gentleman – legte Rolls-Royce mit dem Silver Shadow erstmals seine zuvor gepflegte barocke Formgebung ab. Im Vergleich zu der geschwungenen Linienführung des Vorgängers Silver Cloud folgt der Silver Shadow fast schon der Klarheit der neuen Sachlichkeit.

Die Technik des Rolls-Royce Silver Shadow

Imposant der mächtige Kühlergrill. Und natürlich thront auf der Spitze des Kühlers die Kühlerfigur „Spirit of Ecstasy“. Unter dem Blech der Karosserie war der Silver Shadow auf der Höhe der Zeit. Der Karosseriebauer „Pressed Steel Company“ lieferte eine selbsttragende Karosserie. Dazu gab es vier Scheibenbremsen und Einzelradaufhängungen. Für den Fahrkomfort sorgte eine von Citroën lizenzierte Hydraulik mit Niveauregulierung.

Die selbsttragende Karosserie sorgte für einen deutlichen Platzzuwachs im Innenraum. Im direkten Vergleich wirkte der Vorgänger Silver Cloud deutlich beengter. Ab 1969 gab es zudem eine um zehn Zentimeter verlängerte Version des Silver Shadow. Der Silver Shadow LWB (Long Wheel Base) wurde zum Auto der Könige und Präsidenten. Auch große Luxus-Hotels nutzen den Rolls-Royce gern als Fahrzeug für ihre wirklich wichtigen Gäste.

Zudem gab es für die Selbstfahrer unter den Gentleman vom Silver Shadow ein zweitüriges Coupé. Ab 1967 dazu auch ein Cabrio. Aus Marketinggründen nannte Rolls-Royce diese Versionen ab 1971 Rolls-Royce Corniche. Trotzdem blieben Sie Varianten des Rolls-Royce Silver Shadow, teilten sich die wesentlichen Komponenten mit der Limousine. Und beim Karosseriebauer Coachwork FLM Panelcraft entstanden sogar einige Kombi auf Basis des Silver Shadow.

Den Antrieb übernahm zunächst ein 6,2 Liter großer V8-Motor. Ab 1970 durfte der Silver Shadow seine Kraft aus einem 6,8 Liter großen V8 schöpfen. Auf eine offizielle Leistungsangabe verzichtete Rolls-Royce übrigens. Nachfragen beantwortete der Autobauer stets mit einem zurückhaltenden „ausreichend“ – was in seiner Exzentrik irgendwie zum Gentleman Silver Shadow passt.

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