Nach einem Kunststudium am Birmingham Central College of Art startete David Bache 1948 in der Stylingabteilung des Autobauers Austin ins Berufsleben. Nach sechs Jahren zog der in Mannheim geborene Brite weiter zu Rover. Dort stieg Bache zum renommierten Auto-Designer auf, der einige Klassiker in Form brachte.

Rover war Mitte der 1950er-Jahre ein konservativer Autobauer. Die Form der Autos bestimmten Entwicklungs-Ingenieure. Direktor Maurice Wilks lehnte allzu flotte Entwürfe schon mal mit dem Hinweis, dass das Auto zu auffällig sei, ab. Denn schließlich wolle Rover keine auffälligen Autos bauen.

Maurice Wilks: It’s a head turner. The Rover Company don’t make head-turners. We like to make vehicles which pass unobtrusively and are not noticed.

Als David Bache 1954 von Austin zu Rover wechselte, war der Brite der erste echte Designer im Unternehmen. Vor Bache lag jede Menge Arbeit. Denn bei der 1949 vorgestellten Baureihe P4 hatten sich die Entwickler an den Nachkriegsmodellen von Studebaker orientiert. Das von Raymond Loewy geprägte Design des US-Autobauers galt Ende der 1940er-Jahre als revolutionär und bahnbrechend.

Die Rover-Techniker adaptierten die Linienführung der Studebaker Modelle an ihr eigenes Fahrgestell. Doch bei den in der Mehrzahl konservativen Rover-Kunden kam das gar nicht gut an. Die Kunden haderten lange mit dem neuen Design. Ein eigener Stylist sollte daher das Design nach dem Geschmack der konservativen Kunden überarbeiten. David Bache nahm die Herausforderung an.

Rover 110 mit den Karosserieänderungen von David Bache
Rover 110 mit den Karosserieänderungen von David Bache (Foto: Andrew90, public domain)

In mehreren Schritten änderte Bache die Gestaltung der Rover P4-Modelle 60, 75 und 90. Zunächst gab es 1954 ein 3-teiliges Panoramaheckfenster. David Bache kaschierte damit die Umgestaltung des Hecks. Die Änderungen waren ein Schnellschuss. Denn Bache und die Techniker, die seine Ideen umsetzen, hatten nur wenige Wochen, um den P4 und die Produktionsanlagen zu überarbeiten.

Ein Jahr später folgte die Überarbeitung der Kotflügel und des Kühlergrills. Damit schuf Bache das typische Rover-Gesicht, das in den nächsten Jahren alle neuen Rover-Modelle tragen sollten. Parallel zum P4 überarbeitete David Bache innerhalb von gerade einmal sechs Wochen den Land Rover. Mit dem Land Rover Series II schuf Bache eine Ikone, deren Design bei heute echte Geländewagen prägt.

Der Rover P5 ist der erste echte Bache!

1958 entsteht der Rover P5. Es ist der erste echte Bache. Das Design des P5 weiß auch heute noch zugefallen. David Bache war seiner Zeit voraus. Denn heute gilt der P5 als erstes viertüriges Coupé. Eine Bauform, die heute alle wichtigen Premiumhersteller im Programm haben. Der Volksmund nennt den P5 wegen der Eleganz und der ungewöhnlichen Linie bald „Mittelklasse Rolls-Royce“.

Rover P5B 3.5 V8, Baujahr 1968
Rover P5B 3.5 V8, Baujahr 1968 (Foto: Charlie CC2.0)

Die ungewöhnliche Dachlinie des P5 gilt als Verneigung vor dem Citroën DS. Denn bei dessen Debüt auf dem Pariser Auto Salon 1955 geriet David Bache ins Schwärmen. Auch der Facel Vega sowie die von Ghia für Chrysler angefertigten Studien inspirierten den Designer. Zudem gefielen Bache die Studien, die Pininfarina auf Basis des P4 baute.

Rover und David Bache haben in den 1960er-Jahren große Pläne

Kurz nach dem P5 ergänzt Rover sein Programm um den nur etwas größeren Rover P6. David Beche ist wieder für das Design verantwortlich. Die Karosserie ist nicht so elegant wie beim P5. Dafür hat der neue innere Werte. Denn das Innenraumdesign mit zwei Einzelsitzen im Fond, die den P6 größer erscheinen lassen, ist ungewöhnlich. Der P6 wird 1964 das erste „Auto des Jahres“. Das ist auch eine Auszeichnung für den Designer David Bache.

Rover T4 von 1959
Der Rover T4 mit Gasturbine von 1959 ist fast schon der P6 (Foto: Matthias v.d. Elbe)

Nebenbei gestaltet Bache einen Oberklasse Rover, der es mit dem Jaguar XJ6 aufnehmen sollte. Dazu entsteht in Zusammenarbeit mit der Rover-Tochter ALVIS das Konzept für einen Mittelmotor-Sportwagen Rover P6BS. Doch Rover verliert 1966/67 seine Unabhängigkeit an den Lkw-Bauer Leyland. Damit wurde Rover eine Schwester der Triumph Motor Company, die ein etablierter Sportwagen-Bauer ist. Das beendet die Träume vom Rover Sportwagen.

Rover P6BS Prototyp mit Rover V8, gebaut bei ALVIS
Der Rover P6BS Prototyp mit dem V8 aus dem P6 ist bereits so kantig wie der spätere Range Rover. (Foto: Tom Schwede)

1968 fusioniert Leyland mit der British Motor Holdings (BMH) zur British Leyland Motor Corporation. Das ist das Ende eines großen Rovers. Denn zur BMH gehört neben Austin und Morris seit zwei Jahren auch Jaguar. Trotzdem beschleunigt die Fusion die Karriere von David Bache. Denn der Designer kann sich im neuen Konzern, der sich nie als Einheit versteht, erfolgreich behaupten.

Die Jahre bei British Leyland

Mit dem 1970 vorgestellten Range Rover gestaltet David Bache erneut eine Auto-Ikone. Der Geländewagen gilt als einer der Urväter der heute weitverbreiteten Luxus-SUV. Bache glättet das Design des Geländewagens. Denn die Proportionen und die Grundlinien haben – nach alter Tradition – die Techniker Charles Spencer „Spen“ King und Gordon Bashford festgelegt. Trotzdem wird das Design des Range Rover David Bache zugeschrieben.

Range Rover Mk. I
Range Rover Mk. I (Foto: Land Rover)

Ein Jahr später starten bei British Leyland die Arbeiten an einem gemeinsamen Nachfolger von Rover P6 und Triumph 2000. David Bache gewinnt den internen Design-Wettbewerb. Das schließlich 1976 als Rover SD1 präsentierte Fahrzeug gilt erneut als Meisterstück. Erneut gewinnt ein von David Bache den Titel „Auto des Jahres“. British Leyland überträgt David Bache die Gesamtverantwortung für das Design.

Unter seiner Leitung entstehen die Modelle MG Metro und MG Maestro. Zusammen mit Raymond Bates und Mark Snowdon gewinnt David Bache 1981 für den Metro den renommierten „Prince Philip Designers Prize“. Doch kurz darauf kommt es zu einem heftigen Streit mit Vorstandschef Harold Musgrove. Der Manager verlangt Änderungen am Maestro-Entwurf.

Rover SD1 der Polizei
Auch das Design des Rover SD1 stammt von David Bache (Foto Richard Gunn)

Doch David Bache ist selbstbewusster als zu Zeiten der Gebrüder Wilks. Der Designer lehnt diese Änderungen ab und verläßt 1982 den Autobauer. Nach dem Abschied bei British Leyland macht sich David Bache selbständig. Mit seinem Design-Studio DBA/David Bache Associates arbeitet der Designer in den kommenden Jahren nicht für die Automobilindustrie.

Im November 1994 stirbt David Bache an den Folgen einer Krebserkrankung. Sein Vermächtnis sind großartige Autos. Denn ihr Design wirkt, wie beim Range Rover oder auch beim Rover SD1, selbst nach mehr als 40 Jahren noch erstaunlich aktuell. Das macht David Bache zum Mann mit den Auto aus einer anderen Zeit.

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