Bei den Classic Days Schloss Dyck 2019 stieß ich auch auf ein ungewöhnliches Feuerwehrauto. Der Aufbau stammt von der Carrosserie Hänni aus Zürich. Das Chassis stammt von Kaiser Willys Jeep. Beides machte mich neugierig.

Denn den Namen der Carrosserie Hänni las ich vor ein paar Tagen in einer Facebook-Gruppe. Zuvor war mir dieser Karosseriebaubetrieb unbekannt. Vielleicht brachte die Schweiz einfach zu viele interessante Carrossiers hervor. Die können selbst die AutoNatives nicht alle kennen 😉 Die Carrosserie Hänni AG geht auf ihren Gründer Alfred Hänni zurück. Der Schweizer gründete das Unternehmen Anfang der 1920er-Jahre in der Zimmergasse in Zürich.

Anzeige von A. Hänni aus dem 1920er-Jahren (Quelle: Ausstellungskatalog des Pantheon Basel zur Sonderausstellung „Die Schweizer Carrossiers“ 2013)

Unter der Überschrift „Ciel ouvert“ warb der Karosseriebauer damit, „jeden geschlossenen Wagen in einen offenen umändern“ zu können. Gemeint war der Umbau geschlossener Fahrzeuge zu einem Landaulet. Dabei ersetzte Hänni das feste Dach der Kundenfahrzeuge durch ein Rolldach. In seinen Anzeigen führte der Karosseriebauer aus, dass das Öffnen und Schließen nur zwei Minuten benötigt. Es war jedoch nicht das einzige Geschäftsfeld des Unternehmers.

Aus der Karosseriefabrik Alfred Hänni wurde die Carrosserie Hänni AG

In Zusammenarbeit mit Heinz Keller, dem Schweizer MG-Generalimporteur entstanden bei Hänni die sogenannten „Hänni-MG“. Keller lieferte Chassis von MG an, die der Karosseriebauer einkleidete. Das Geschäft florierte offensichtlich. Denn 1931 zog Alfred Hänni mit seiner Firma in einen großzügigen Neubau in der Tulpenstrasse. Das lag damals am Stadtrand. Hier konnte das Unternehmen expandieren. Ich konnte nicht herausfinden wann, aber am neuen Standort firmierte die Karosseriefabrik Alfred Hänni zur Carrosserie Hänni AG um.

Logo der Carrosserie Hänni AG aus Zürich
Logo der Carrosserie Hänni AG aus Zürich

In der Tulpengasse spezialisierte sich das Unternehmen zudem auf den Bau von Rettungsfahrzeugen. Neben Krankenwagen beispielsweise auf Basis von Cadillac Fahrzeugen entstanden vor allem Feuerwehrfahrzeuge. Auch dabei setzte das Unternehmen auf eine Basis aus Amerika. Ab den späten 1950er-Jahren baute Hänni seine Löschfahrzeuge bevorzugt auf dem Jeep Forward Control auf. Kaiser-Jeep bot diesen Frontlenker mit einem über dem Motor angebrachten Führerhaus ab 1956 an.

Der kleine Lkw entstand auf Grundlage des bekannten Jeep CJ-5. Vom Geländewagen erbte der Lastkraftwagen den Allradantrieb sowie den seitengesteuerten Willys-Hurricane-Motor. Von Anfang an setzte Kaiser-Jeep darauf, dass Karosseriebauer das Chassis des Forward Control mit ihren Aufbauten vervollständigten. Trotzdem blieb der Absatz des Lkw hinter den Erwartungen zurück. Bis zum frühen Produktionsende 1964 entstanden nur etwas mehr als 30.000 Exemplare des Jeep Forward Control.

Die Produktion des Jeep Forward Control lief ohne echten Nachfolger aus!

Hänni nutzte für seine Feuerwehr-Aufbauten den längeren FC-170 mit einem Radstand von 2,61 Metern. Das im Rahmen der Classic Days ausgestellte Fahrzeug entstand 1964. Es dürfte damit eines der letzten Exemplare des Jeep Forward Control sein, das die Carrosserie Hänni umbaute. Bei seinem Aufbau mischte der Karosseriebauer Stahl und Alu. Zur Feuerwehr-Ausstattung gehört eine Winde von Ramsey, die der 3,7 Liter große Motor des Jeep antreibt.

Seitenansicht des Kaiser Willys Jeep Forward Control FC-170, den die Carrosserie Hänni AG aus Zürich 1964 zum Feierwehr-Fahrzeug umbaute.
Seitenansicht des Kaiser Willys Jeep Forward Control FC-170, den die Carrosserie Hänni AG aus Zürich 1964 zum Feuerwehr-Fahrzeug umbaute.

Der Reihensechszylinder leistet 115 PS und ist 154 Newtonmeter stark. Trotzdem trägt der Benzin-Motor den bescheidenen Namen „Super Hurricane“. Neben seiner Feuerwehrausstattung transportiert das Löschfahrzeug sechs Personen. Zudem kann der FC-170 eine Anhängelast von 1,5 Tonnen ziehen. Passend zu den Bedürfnissen in den Schweizer Bergen verfügt der Jeep Forward Control über einen Allradantrieb mit Untersetzung und automatischen Achssperren an beiden Achsen.

2014 war die Carrosserie Hänni AG Geschichte

Mit Umbauten wie dem FC-170 verdiente die Carrosserie Hänni ein paar Jahre gutes Geld. Denn wer etwas sucht, der findet im Internet unterschiedliche überlebende Exemplare des Jeep Forward Control mit Hänni-Karosserie. Das deutet auf eine gewisse Verbreitung des Fahrzeugs hin. In der jüngeren Gegenwart war das Unternehmen weniger erfolgreich. Im Juli 2014 stellte die Aktiengesellschaft einen Konkursantrag.

Im November des gleichen Jahres eröffnete der Konkursrichter des Bezirksgerichts Zürich das Konkursverfahren. Eine zeitweilig geplante Nachfolgeregelung lies sich nicht realisieren. Das Unternehmen stellte mit der Eröffnung des Konkursverfahrens endgültig den Betrieb ein. Die Firmengebäude stand noch bis 2016. Dann erfolgte der Abriss. Aber bei Google Streetview gibt es – Stand August 2019 – noch Außenaufnahmen von den 1931 erstellten Gebäuden.

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