Ende April 1940, der Zweite Weltkrieg hat längst begonnen. In Italien regiert seit 1922 Benito Mussolini, der seit 1936 in der sogenannten „Achse Rom–Berlin“ ein enges Bündnis mit Deutschland pflegt. Sportwettbewerbe sollen in dieser dunklen Zeit für den Anschein von Normalität sorgen. Wie die Mille Miglia, die am 28. April 1940 – nach einem Jahr Pause – stattfindet.

Plakat Mille Miglia 1940
Plakat Mille Miglia 1940 (Quelle: BMW)

Seit 1927 führt das Langstreckenrennen für schnelle Reisesportwagen über öffentliche Straßen. Erfunden als Werbung für den Start- und Ziel-Ort Brescia. Mit einer Distanz von 1.000 englische Meilen übertrifft das Rennen, das bisher bekannte. Zumal die Straßen im Italien der ausgehenden 1920er-Jahre unbefestigte Landstraßen sind.

Zunächst gilt das Rennen als Spielwiese der Italiener

Von den ersten zwölf Ausgaben gewinnt Alfa Romeo zehn. Nur 1931 kann sich mit Mercedes-Benz ein Ausländer in die Liste der Sieger eintragen. Zeitgleich mit dem Erblühen des Wettbewerbs entwickelt sich das Auto dramatisch weiter. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 77,22 km/h absolvieren die Sieger beim Debüt 1927 die Rundreise. Die 100-km/h-Marke fällt nach drei Jahren. Nach weiteren sechs Jahren fahren die Sieger mehr als 120 km/h schnell.

Auf Strecken, die durch die Mitte von Ortschaften führen. Wo sich das zahlreiche Publikum dicht an dicht um die besten Plätze bemüht. Das bleibt nicht ohne Folgen. Beim Rennen 1938 kommt es in Bologna zu einem schweren Unfall, als ein Teilnehmer mit seinem Lancia Aprilia eine Straßenbahn überholt. Der Fahrer verliert die Kontrolle über sein Fahrzeug und rast in eine Zuschauergruppe.

Zehn Zuschauer, darunter sieben Kinder finden den Tod. An eine Neuauflage ist zunächst nicht zudenken. 1939 findet keine Mille Miglia statt. Erst 1940 findet die Veranstaltung als „Gran Premio de Brescia della Mille Miglia“ eine Fortsetzung. Gefahren wird auf einem rund 160 Kilometer langen Dreieck zwischen Brescia, Cremona und Mantova. Zehn Runden sind auf dieser gekürzten Strecke zurücklegen.

Neben den italienischen Teams tritt BMW mit einer Werksmannschaft an

Mit dem aerodynamisch verkleideten BMW 328 Touring Coupé fahren Walter Bäumer und der spätere Porsche-Rennleiter Fritz Huschke von Hanstein zum Sieg. Mit 166,69 km/h verschieben sie auf der schnellen Strecke die bisherigen Maßstäbe. Nie wieder werden die Sieger der Mille Miglia so schnell unterwegs sein. Ihr Rekord ist ein Rekord für die Ewigkeit. Auch wenn die Zeiten nur bedingt vergleichbar sind. Nach dem Zweiten Weltkrieg führt die Mille Miglia auf einer anderen Strecke von Brescia nach Rom und zurück nach Brescia.

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