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Tom Schwede, bewegt alles, was vier Räder hat Hallo, ich bin Tom — zusammen mit der Auto Blogger Crew mit viel Benzin im Blut blogge ich hier im Auto-Blog für Auto-Natives über Autos. Seit 2007 gibt es in diesem Blog regelmäßig Reportagen, Tests und Meinungen rund ums Auto. Dazu zählen auch Beiträge über Oldtimer oder Youngtimer sowie über Motorsport.

 


Bei Škoda feiert die dritte Generation der Mittelklasse-Limousine Superb Premiere. Ich hatte bereits Gelegenheit, dem neuen Škoda Superb ausführlich auf den Zahn zu fühlen. Was leistet ein Auto, das nach den Worten des Škoda-Chefs Prof. Dr. h.c. Winfried Vahland das beste Auto seiner Klasse sein soll?

Vorweg: Eins hat sich nicht geändert. Der Škoda Superb ist ein Riese. Das ist nicht verwunderlich, denn schließlich heißt es bei den Tschechen seit rund zehn Jahren „Room for Life“. Gleichzeitig heißt es bei Škoda auch „Simply Clever“. Bisher bediente der Superb dieses Leitbild unter anderem mit einem Regenschirm in der Fahrertür. Mit der Neuauflage der Mittelklasse-Limousine gibt es jetzt auch einen Regenschirm für die Beifahrer.

Doch die dritte Superb-Generation ist mehr. Sie markiert einen Wendepunkt in der Geschichte des Unternehmens. Stand die VW-Tochter Škoda bisher vor allem dafür, hochwertige Autos etwas kostengünstiger als die Konkurrenz – auch aus dem eigenen Konzern – anzubieten, sollen nun die jeweils besten Autos der Klasse von Škoda stammen. Ohne sich jedoch vom Grundsatz der bisherigen Kernbotschaften „Simply Clever“ und „Room for Life“ abzuwenden.

Klingt nach der Quadratur des Kreises

Denn in der Vorstellungswelt normaler Autokäufer klingt das Beste ziemlich nach Premium. Ein Wort jedoch, das ich an den zwei Tagen, die ich mit dem 2015er Škoda Superb unterwegs sein durfte, von keinem Škoda-Verantwortlichen gehört habe. Kritiker werden jetzt anführen, dass dies der Hierarchie des weitläufigen VW-Konzerns geschuldet sei. Schließlich bedieden in diesem automobilen Weltreich das Attribut „Premium“ andere. Doch am Ende steckt hinter der Vermeidung des Begriffs klares Kalkül.

Denn Mittelklasse-Kunden, das sind überwiegend die Fuhrparks der großen Unternehmen. Bis auf Mercedes-Benz erreichen im sogenannten D-Segment die meisten Anbieter einen Privatkundenanteil von maximal 15 Prozent. Und in der Welt der Konzerne sind wenige Dinge so feinfühlig austangiert, wie die Klasse des Autos. Premium ist oft den Prokuristen, Generalbevollmächtigten oder Vorständen vorbehalten. Außendienstmitarbeiter oder Teamleiter, also das normale mit Dienstwagen bestückte Firmenvolk, dürfen bei den Volumenherstellern wählen.

Wer sind die Wettbewerber des neuen Škoda Superb?

Das macht den Ford Mondeo, den Opel Insignia und auch den VW Passat zu den natürlichen Wettbewerbern. Denn sie sind in den Flotten der Konzerne traditionell stark vertreten. Aber auch der Mazda6 oder der Citroën C5 finden in der Mittelklasse ihre Kunden. Škoda will mit dem neuen Superb seine Position ausbauen. Dazu wollen die Tschechen sich ein größeres Stück als bisher vom Firmengeschäft abschneiden. Dazu setzen sie auf eine gekonnte Kombination der eigenen Werte mit dem Technikbaukasten des Mutterkonzerns.

Grundlage des neuen Škoda Superb ist VWs Modularer Querbaukasten (MQB). Der MQB paart Flexibilität mit Standardisierung. Standardisiert sind Motoren, Getriebe, Lenkungen, Elektronik und Infotainmentsysteme. Doch unverrückbar ist dabei nur der Abstand von der Mitte der Vorderräder bis zum Gaspedal. Fahrzeuglänge, -breite, -höhe sowie Spurbreite, Radstand, Radgrößen und Sitzposition sind variabel.

Die Variabilität sorgt dafür, dass die Designer der VW-Konzernmarken bei der Form der Karosserie – manche nennen sie den Hut des Fahrzeugs – heute mehr Freiheiten als früher genießen. In Mladá Boleslav wussten die Verantwortlichen diese zu nutzen. Mit der Studie Vision C kündigten sie was, was kommen wird. Denn die erste Generation war offensichtlich ein verlängerter Passat. Sie entstand ursprünglich in China als Funktionärsvariante des Volkswagens, die. Škoda in Europa vermarkten durfte. Auch die zweite Generation konnte die Nähe zum VW Passat nicht verbergen. Schleppte nach meinem Geschmack optisch aber immer eine Art Rucksack mit sich herum.

Der neue Škoda Superb verfügt endlich über eine echte Eigenständigkeit.

Gut gefällt mir, dass die Designer den Überhang am Vorderwagen im Vergleich zum Vorgänger um 61 Millimeter reduzierten. Gleichzeitig wuchs der Radstand um 80 Millimeter und nahm die Fahrzeugbreite um immerhin vier Zentimeter zu. Insgesamt wirkt der neue Škoda Superb damit deutlich dynamischer als die Vorgänger. Besonders das Heck gefällt mir. Thomas hat dazu in seinem Blog eine Großaufnahme. Trotz einer Länge von immerhin 4,86 Metern – das sind immerhin zehn Zentimeter mehr als beim Vetter VW Passat – wirkt der Neue nicht protzig oder klotzig. Während die ersten beiden (modernen) Superb-Generationen eher nüchtern wirkten, setzt Škoda beim Neuen zahlreiche optische Akzente.

Das Stilmittel dazu sind unregelmäßig geformte Dreiecke. Im Innenraum finde ich sie genauso am Türöffner wie – je nach den gewählten Sitzen – auf den Polstern. Außen gibt es sie am hinteren Fenster, wo Škoda den von BMW etablierten Hofmeister-Knick als Dreieck auslegt. Dazu laufen die Seitenschweller und der Kühler mit Dreiecksformen aus. Die Erklärung dafür, was es damit auf sich hat, findet sich in den Scheinwerfern. Dort stehen dreieckig ausgebildete kristalline Strukturen für die traditionelle böhmische Glashandwerkskunst. Die Dreiecke sind also ein Verweis auf die Heimat des Autobauers Škoda.

Wie fährt sich der neue Škoda Superb 1.4 TSI ACT?

Bei meinen Testfahrten war ich mit zwei unterschiedlichen Motorisierungen unterwegs. Zunächst im 150 PS starken Benziner, später zum Vergleich mit dem gleich starken Diesel (Fotos ansehen UND mich in der BILD finden – ROFTL). Der Benziner ist ein 1,4 Liter großer Reihenvierzylinder mit Direkteinspritzung und Turboaufladung. Der Motor im Škoda Superb 1.4 TSI ACT ist ein alter Bekannter. Der Baukasten des VW-Konzerns macht es möglich. Mit ihm war ich bereits im Audi A1 unterwegs. Beim Gleiten, wenn der Superb weniger als 100 Newtonmeter für den Vortrieb benötigt, schaltet der Motor die beiden innen liegenden Zylinder ab.

Die Abschaltung übernimmt im Wesentlichen die elektromagnetische Nockenwellenverstellung. Sie schiebt – zwischen 1.400 und 4.000 Umdrehungen pro Minute – spezielle Nullhubnocken über die Ventile. Das verhindert ein Öffnen der Einlassventile. Ohne Gasaustausch sind die Zylinder lahmgelegt, die Zylinder zwei und drei lahmgelegt. Der Motor läuft als Zweizylinder, zumal auch die Zündung und die Einspritzung die inneren Zylinder währenddessen nicht bedienen.

Der Fahrer bekommt davon nichts mit. Auch als Zweizylinder läuft der 1,4 Liter große Benziner völlig ausgeglichen und ruhig. Daran ändert sich auch nichts, wenn alle Zylinder ihren Dienst verrichten. Auf dieser Testfahrt fragte ich mich manchmal, ob der Motor überhaupt läuft. So extrem leise ist der Vierzylinder – oder so gut ist der neue Škoda Superb geräuschgedämmt. Auch auf schlechten Straßen dringt kaum ein Laut in den Innenraum vor. Erst auf der Autobahn machen sich im Bereich der Richtgeschwindigkeit der Wind und der Motor bemerkbar.

Auf engen Bergstraßen ärgern mich bei der Testfahrt des neuen Škoda Superb einige Querrillen. Doch die Ingenieure von Škoda haben die Karosserie des neuen Superb um 13 Prozent steifer ausgelegt als den Vorgänger. Das ist jetzt ein Vorteil. Selbst in Serpentinen und beim bewussten Überlenken ist keine Verwindung des Fahrzeugs spürbar. Mehr eine Spielerei ist in meinen Augen das adaptive Fahrwerk (DCC). Die Unterschiede in der Abstimmung sind zwischen den einzelnen Modi sehr gering ausgefallen. Nach einigem Ausprobieren fahre ich den Škoda schließlich in der Normalstellung und ignoriere die Auswahl.

Was bietet der neue Škoda Superb sonst noch?

Zu den besonderen Merkmalen des Superb gehört – wie schon beim Vorgänger – die große Kofferraumklappe. Sie umfasst auch die Heckscheibe. Das ist in meinen Augen praktischer als ein Regenschirm in der Tür. Denn somit eignet sich der Superb bei Bedarf auch als Lastesel. Zumal bei umgeklappten Rücksitzen satte 1.760 Liter Stauraum zur Verfügung stehen. Praktisch auch, dass die Heckklappe ohne die Benutzung der Hände zu öffnen ist. Einfach den Fuß unter dem Auto entlang führen und die Klappe öffnet sich. Vorausgesetzt, dass der Schlüssel wenigstens in der Hosen- oder Jackentasche steckt.

Ansonsten profitiert der Tscheche in vielen Punkten vom MQB. Denn mit diesem hat Škoda auch Zugriff auf zahlreiche Assistenzsysteme. Im Testfahrzeug sind – wie üblich – alle an Bord. Den Spurhalteassistenten, die dynamische Abstandsregelung und den Totwinkel-Warner habe ich kürzlich erst im Audi Q5 ausführlich beschrieben. Alles funktioniert zuverlässig und unterscheidet sich von den Systemen der Verwandten nur in Details. Ein schönes Beispiel ist die Justierung der dynamischen Abstandsregelung. Wo Audi im Bedienerdisplay den Wunschabstand von der Seite zeigt, vertraut Škoda auf die Darstellung von hintereinanderfahrenden Autos.

Dazu gibt es bis zu neun Airbags und jede Menge Verbindungsmöglichkeiten. Sogar Apple Car Play ist an Bord. Erstmals bei Škoda gibt es auch einen Stau-Assistenten, der im Stau selbständig anfährt und bremst. Doch die wahre Innovation ist der Auspark-Assistent. Er beobachtet beim rückwärts ausparken den querenden Verkehr. Wurde der vom Fahrer übersehen, dann ertönt zunächst ein Warnton. Wird dieser am Lenkrad ebenfalls ignoriert, betätigt der Assistent auch die Bremse.

Zusammengefasst: Mit dem neuen Škoda Superb ist Škoda ein großer Wurf gelungen, der mehr als nur viel Platz bietet. Škoda hat viel Wert auf die Details gelegt und ist sich mit dem Auto treu geblieben. Im Mittelpunkt stehen die Funktion und der Nutzen. Pragmatismus in Reinkultur macht den Škoda Superb zum absoluten Tipp in der automobilen Mittelklasse. Am 13. Juni steht der Tscheche bei den Händlern. Der Einstiegspreis liegt bei 24.590 Euro.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Der Škoda Superb über den Dächern von Florenz.

Der neue Škoda Superb passt auch in ein vornehmes Ambiente, wie Florenz.

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Author

Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

5 Comments

  1. Puh, ließt sich irgendwie wie ein Werbetext….naja, jedem das seine.
    Sehr verwunderlich finde ich, dass auch abseits dieses Blogs das überall so hochgelobte Design.
    Besonders das Heck des Fahrzeugs wird immer wieder lobend erwähnt.
    Wirklich schade das niemand zu sehen scheint das man bei Skoda einfach mal den Audi Designer rangelassen hat.
    Wers nicht glaubt, sollte sich diese beiden Fotos mal ansehen. Wie frisch aus dem Fotokopierer…

    Skoda: http://www.netcarshow.com/skoda/2016-superb/800×600/wallpaper_1a.htm
    Audi: http://www.netcarshow.com/audi/2014-a3_sedan/800×600/wallpaper_1e.htm

    Vielleicht fällt darum auch so oft das Wort „Premium“… 😀

    • Tom Schwede Reply

      Der Skoda Superb ist wirklich ein sehr gelungenes Auto. Ich glaube, dass deshalb die Kritiken fast ausnahmslos positiv ausfallen. Bis auf das DCC, das m.E. überflüssig ist, und die Haptik des Öffners des Handschuhfachs (Plastik und tatsächlich nicht Premium) habe ich nichts gefunden, was mir nicht gefallen hat.

    • Lieber Alessio! Bin zufällig über deinen Kommentar gestolpert und muß dir widersprechen. Ich habe eher das Gefühl, daß Audi hier mehr und mehr abschreibt. Zugegebenermaßen hat die Form der Heckleuchten an Charakteristik verloren und sich dem „kleinsten gemeinsamen Nenner“ des Konzerns angepasst, was sich im Wesentlichen beim Combi in der Verlängerung der Leuchten in die Heckklappe äußert, aber das C- Design, das bisher Skoda-typisch war, hat man bei Audi knallhart kopiert!!!

  2. Pingback: Test: Škoda Superb Combi Laurin & Klement (220 PS) – chic, smart und riesig » AutoNatives.de

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