Auto-Erinnerungen

Toyota Mega Cruiser – japanisches Schalentier von 1996

Der amerikanischen Hummer kennen viele Auto-Freunde. Beim Toyota Mega Cruiser steigt die Mehrzahl der Auto-Freunde aus. Denn den Geländewagen kennt in unseren Breiten praktisch niemand. Obwohl sich der Mega Cruiser klar am Vorbild aus den USA orientierte, um das Wort „kopieren“ zu vermeiden.

Pressebild des Toyota Mega Cruiser von 1996
Mit diesem Bild kündigte Toyota am 9. Januar 1996 den Toyota Mega Cruiser an. (Foto: Toyota)

Während der Operation Dessert Storm 1991 stieg das High Mobility Multipurpose Wheeled Vehicle Typ M998 zum „Star“ auf. Weltweit wollten Stadtmenschen den Geländewagen der US-Truppen fahren. HMMWV-Hersteller AM General leitete daher von seinem Militärmodell schnell eine zivile Variante ab. Bereits 1992 bediente der Hummer H1 die zivile Nachfrage. Um Zeit zu sparen, beschränkte sich AM General beim zivilen Hummer auf wenige Anpassungen. Die Karosserie des Hummers liegt neun Zentimeter höher als beim HMMWV.

Zudem verpasste der Autobauer seinem Zivilfahrzeug eine bessere Innenausstattung. So zogen Ledersitze und eine Stereoanlage in den Hummer ein. An der Grundkonstruktion mit Portalachsen und Reifenluftdruckregelanlage änderte AM General nichts. Damit war auch der Hummer ein echter Geländegänger. Der Komfort ließ allerdings zu wünschen übrig. Zudem gilt die US-Konstruktion als wartungsintensiv. Die US-Armee geht heute davon aus, dass ein militärisch genutztes HMMWV pro Einsatzstunde 15 Minuten Wartung benötigt. Auch im zivilen Einsatz liegt der Wartungsbedarf über dem anderer Geländewagen. Trotzdem konnte AM General zeitweise die Nachfrage nicht befriedigen.

Toyota will ein Stück vom Kuchen und stellt den Toyota Mega Cruiser vor!

Daher sah der japanische Autobauer Toyota die Chance, vom Höhenflug um den Geländegänger zu profitieren. Am 9. Januar 1996 stellte Japans größter Autobauer seinen Toyota Mega Cruiser vor. Schon beim ersten Blick auf das damals der Pressemitteilung beigefügte Foto war klar, welches Vorbild hier Pate stand. Wobei es ja immer gerne heißt, dass die Kopie in Asien als höchste Form der Verneigung gelte. In diesem Sinne war der Toyota Mega Cruiser eine große Verneigung vor dem Original.

Wobei Toyota die Idee des Geländegängers deutlich weiterdachte. Denn der Mega Cruiser verfügt, um im Gelände besser manövrieren zu können, über eine Allrad-Lenkung. Damit kam das japanische „Schalentier“ auf einen Wendekreis von gerade einmal 5,60 Metern. Das Original aus Amerika benötigt fast zehn Meter mehr Platz, um zu wenden. Toyota kannte seinen Heimatmarkt genau. Und nur mit der Allradlenkung war der Geländegänger vermutlich überhaupt in Tokyo zu verkaufen. Doch es half nichts, denn der Absatz des Toyota Mega Cruiser blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück!

Toyota Mega Cruiser des japanischen Automobilverbands (JAF)
Der japanische Automobilverband JAF setzt den Mega Cruiser als Pannenhilfsfahrzeug ein. (Foto: Toyota)

Den Antrieb des Mega Cruiser übernahm ein 4,1 Liter großer Vierzylinder-Reihenmotor mit 155 PS Leistung und 382 Newtonmetern maximalem Drehmoment. Der Turbodiesel des Mega Cruiser war vergleichsweise sparsam. Toyota nannte damals zwar nur einen Verbrauch bei einer konstanten Geschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde. Doch die dafür genannten 10,75 Litern Diesel pro 100 Kilometer lassen aufhorchen. Denn der Mega Cruiser überragte das US-Vorbild mit 5,09 Metern Länge sogar noch um satte 40 Zentimeter. Toyota nutzte den Platz, um neben sechs Personen auch 600 Kilogramm Gepäck in seinem Geländewagen zu verstauen.

Bei der Bodenfreiheit übertrumpfte der „Japaner“ mit 42 Zentimetern den „Amerikaner“ (40 Zentimeter) weniger. Trotzdem legte der Mega Cruiser deutlich beim Komfort zu. Hauptnutzer des Toyota Mega Cruiser waren neben den japanischen Streitkräften Behörden, Hilfsdienste und Energieversorger. Der Verkauf an Zivilisten kam nie so richtig in Fahrt. Mit 9,6 Millionen Yen, was damals etwas 115.000 US-Dollar entsprach, war der Mega Cruiser kein günstiges Vergnügen. Mangels Nachfrage stellte Toyota den freien Verkauf des Fahrzeugs bereits 2002 ein, baute die Militärversionen jedoch noch einige Jahre weiter.

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Als Kind der 1970er-Jahre hatte Tom das große Vergnügen, in einem ausgesprochen automobilen Umfeld aufzuwachsen. Das war der optimale Nährboden, um heute über Autos zu schreiben und regelmäßig am Mikrofon über Autos zu sprechen. Denn Tom Schwede moderiert seit 2010 bei großen Oldtimer- und Klassik-Veranstaltungen in Deutschland. So ist Tom unter anderem bei den Classic Days (früher Schloß Dyck, heute in Düsseldorf) oder dem 1.000 Kilometer-Rennen am Nürburgring zu hören. Wenn Sie also einen Moderator oder Streckensprecher für Ihre Oldtimer-Rallye oder Ihr Oldtimer-Treffen suchen, dann sind Sie bei Tom definitiv richtig!

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