Der fast endlose Sommer des Jahres 2018 hielt so viele Ablenkungen bereit. Dadurch kam das Blog viel zu kurz. Jetzt ist der Herbst da und ich blicke endlich auf meine Ausfahrt mit der Corvette C7 Gran Sport bei der Schloss Bensberg Supersport Classic (SBSC) zurück. Denn was eigentlich wie ein Widerspruch klingt, das war eine erstaunlich runde Geschichte. Wäre doof, diese Geschichte nicht zu erzählen.

Ich ahne, dass Puristen an dieser Stelle sicher aufschreien. Denn für sie ist das Ausführen eines nigelnagelneuen Sportwagen bei einer Ausfahrt für klassische Automobile undenkbar. Ich empfehle an dieser Stelle Gelassenheit. Denn der vermeintliche Widerspruch ist viel kleiner als gedacht. Schließlich positioniert sich die Schloss Bensberg Supersport Classic – trotz des Namensbestandteils „Classic“ – nicht als reine klassische Oldtimer-Rallye.

Denn die Macher der Ausfahrt sprechen mit ihrer Veranstaltung ausdrücklich auch die Besitzer aktueller Supersportwagen an. Diese Fahrzeuge eilen dem Feld der Oldtimer und Youngtimer voraus. Der Begriff „Supersport“ im Namen der Ausfahrt, die es in dieser Form seit 2017 gibt, beschreibt diese Ausrichtung der Veranstaltung. Alles zusammen ergibt eine durchaus interessante Mischung automobiler Hochkarätern.

Dazu lockt eine großartige Streckenführung!

Zentrum der Ausfahrt ist das Althoff Grandhotel Schloss Bensberg. Hier starten die Teilnehmer ihre Tagesreise und kehren am späten Nachmittag an den Ausgangsort zurück. Für Zuschauer besteht dabei in der Zwischenzeit die Möglichkeit, weitere Autos zu bestaunen. Denn wenn die Einen draußen auf der Strecke sind, verbleiben andere Klassiker – ältere und aktuelle – im Schlosshof. Dort erfreuen sie das zahlreiche Publikum.

General Motors Europe (GM) stellte mir für die Ausfahrt eine prächtige Corvette C7 Gran Sport zur Verfügung. Wer sich für mehr Fahreindrücke zu dem amerikanischen Sportwagen interessiert, finde diese in unserem Fahrbericht der Corvette C7 Gran Sport. In diesem Blog-Beitrag geht es – hauptsächlich – um die Schloss Bensberg Supersport Classic. Beim Start vor der prächtigen Kulisse der Schloss-Anlage sind bereits viele Zuschauer vor Ort. Mir ermöglicht das einen Perspektivwechsel.

Warten auf den Start ... vor der Startbrücke kommt es zum Stau
Warten auf den Start … vor der Startbrücke kommt es zum Stau.

Denn den Start moderiert Detlef Krehl. Mit Detlef spiele ich wenige Tage später bei den Classic Days auf Schloß Dyck wieder unser beliebtes „Moderations-Pingpong“. Die Autos rollen im Minutentakt auf die Strecke. Das führt zu einem kleinen Stau vor der Startbrücke. Im Stau höre ich Detlef zu und bestaune das Drumherum. Auf den Köpfen einiger Damen entdecke ich Hüte, die mich an das Pferderennen in Ascot erinnern. Rechts neben der Startbrücke lockt ein Champagner-Stand.

Doch der Champagner muss warten – jetzt geht es ums Fahren!

Nach dem Start ging es bei der Ausgabe der SBSC 2018 zunächst Richtung Süden. Den Weg weist ein ausführliches Roadbook. In ihm weisen die bekannten Chinesenzeichen den Weg. Bei der Erstellung des Roadbooks leistete das Team um den ehemaligen Profi-Rallye-Beifahrer Jörg Ramme ganze Arbeit. Denn die Strecke führt ausschließlich über kleinere Straßen. Ich bin überrascht und erfreut, wie gut hier im Bergischen Land selbst kleine Kreis- und Gemeindestraßen sind.

Denn die Corvette C7 Gran Sport verfügt über ein Fahrwerk für Trackdays und rollt auf Sportreifen von Michelin. Auf dem Weg vom Hotel zum Start stellte ich fest, dass Schotterstrecken nicht das passende Geläuf für den amerikanischen Sportwagen sind. Das lies mich für die Ausfahrt schon das Schlimmste befürchten. Dich zum Glück achten hier im Hinterland von Köln die Kommunen auf ein intaktes Asphaltband. Das macht die Strecke der Ausfahrt und die Corvette bald zu engen Freunden.

Der Wendepunkt der Strecke liegt in der Nähe von Eitorf!

Bestandteil der Schloss Bensberg Supersport Classic sind auch einige Gleichmäßigkeitsprüfungen. Hier gilt es, die Sollzeit des Veranstalters möglichst genau zu bestätigen. Trotz unsers modernen Sportwagens stoppen GM-Manager René Kreis und ich die Zeit mit einer klassischen Stoppuhr. Das funktioniert mal besser oder schlechter. Schweigen wir darüber. Etwas südlich von Eitorf wechselt die Fahrrichtung. Jetzt geht es wieder nach Norden.

Zwischenziel ist Schloss Ehreshoven. TV-Zuschauer kennen dieses Wasserschloss von der TV-Show „bares für rares“. Und regelmäßige Leser unseres Blogs wissen sicher, Max und ich konnten im Geländeparcours der weitläufigen Schloss-Anlage kürzlich den Mitsubishi Outlander Plug-in Hybrid im Gelände testen. Bei der Schloss Bensberg Supersport Classic steht im Schloss Ehreshoven die Mittagspause auf dem Programm.

In der Mittagspause sehe ich mir die Autos der anderen Teilnehmer an!

Gut eine Stunde lang besteht in der Mittagspause auch die Gelegenheit, sich die andern Fahrzeuge anzusehen. Auf der Strecke habe ich als Mitfahrer dazu ja keine Gelegenheit. Jetzt begreife ich, was die zahlreichen Zuschauer am Streckenrand zur Schloss Bensberg Supersport Classic lockt. Denn der Innenhof von Schloss Ehreshoven „liest“ sich während der Mittagspause wie das Who is Who der Auto-Geschichte.

Bilder von der Mittagspause auf Schloss Ehreshoven

Ich entdecke Sportwagen-Klassiker wie den Aston Martin DB6 Mk2 und eine genauso wunderschöne wie legendäre Lancia Aurelia B20 GT. Mittendrin aber auch Alltagsklassiker wie ein VW-Käfer Cabrio oder ein Ford Capri der ersten Generation. Das Feld der modernen Sportwagen gefällt ebenfalls. Denn zu ihm gehören unter anderem ein Aston Martin DB11 Volante oder ein McLaren 570S Spider. Daneben parkt ein BMW Z8, der fast schon als Youngtimer durchgeht.

Die Zeit verfliegt schnell. Bei der Einfahrt zu Mittagspause stempelten die Helfer uns eine Ausfahrtzeit ins Bordbuch. Teams, die diese Marke verpassen, erhalten später in der Gesamtwertung zusätzliche Strafpunkte. Angesichts des verlockenden Fahrzeugangebots auf dem Parkplatz liegt die Versuchung nahe, den Rest des Tages nach dem olympischen Motto „dabei sein ist alles“ zu verbringen. Doch am Ende siegt der persönliche Ehrgeiz.

Der Weg ist das Ziel!

René Kreis, der Verantwortliche für die Öffentlichkeitsarbeit von General Motors in Europa und ich setzen unsere Reise fort. Wir bringen die Corvette C7 Gran Sport pünktlich an der Ausfahrt wieder ins Rollen. Die Route begeistert auch im zweiten Teil der Ausfahrt. Gut eine Stunde lang geht es weiter Richtung „Norden“. Die Wertungsprüfungen gelingen uns inzwischen besser. Nur einmal, bei einer Prüfung in Wermelskirchen, liegen wir – gefühlt – wieder völlig daneben.

Auch am Nachmittag gefallen mir die Straßen. Weil auf weiten Teilen der Strecke ein Tempolimit von 70 Kilometern pro Stunde gilt, muss sich die Corvette jetzt hauptsächlich als Cruiser bewähren. Dabei sitzt der Sportwagen wie ein Massanzug. Das Fahrwerk setzt alle über das Lenkrad mitgeteilte Richtungswechsel direkt und unverzüglich um. Der V8-Motor des amerikanischen Sportwagens läuft auch knapp über Leerlaufdrehzahl seidenweich. Das gefällt mir auf jedem Meter der Strecke!

In Wermelskirchen erreichen wir den nördlichsten Punkt der Route, fortan ist der Ausgangsort das Ziel. Doch zuvor zeigt sich in der Kleinstadt im Dreieck zwischen Köln, Düsseldorf und dem Ruhrgebiet, dass das Konzept der Rallye auch bei den Zuschauern ankommt. Denn wie schon den ganzen Tag hinweg bestaunen auch in Wermelskirchen wieder zahlreiche Zuschauer die Autos und wohl auch einige der Teilnehmer.

Denn auch einige Teilnehmer locken Zuschauer an die Strecke!

An der Ausfahrt nehmen auch die Schauspieler Gerit Kling, Nina Ensmann, Erol Sander und Wolfgang Bahro teil. Sicherlich nicht die erste Garde der Schauspielkunst. Erol Sander kenne ich immerhin von den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg. Bei den anderen Künstlern musste ich erst googeln, um sie einzuordnen. Jetzt erinnert mich die Bensberg Supersport Classic an eine Mischung aus Bädertour und TV-Seifenoper.

Bilder vom Gelände des Althoff Grandhotel Schloss Bensberg

In Metropolen wie Berlin, Hamburg oder auch München würden diese „Promis“ wohl kaum jemanden hinter dem Ofen hervorlocken. Doch im beschaulichen Bergischen Land spielt das offensichtlich keine Rolle. Hier sind die Autos der mehr oder minder prominenten Teilnehmer bei jedem Zwischenstopp dicht umlagert. Die Insassen wissen, was das Publikum erwartet. Sie geben zahlreiche Autogramme und posieren immer wieder zusammen mit den Fans für gemeinsame Fotos.

Von Wermelskirchen und dem Naturschutzgebiet an der Großen Dhünntalsperre geht es langsam wieder zurück nach Bensberg. Auch bei der Zieldurchfahrt erwarten uns wieder viele Zuschauer. Alleine sie unterstreichen die Daseinsberechtigung der Schloss Bensberg Supersport Classic. Wir parken die Corvette, genießen das Flair der Veranstaltung und blicken auf eine gelungene Ausfahrt mit dem Sportwagen zurück.

Fazit zur Schloss Bensberg Supersport Classic

Trotzdem sind die Erwartungen gering, als die Verantwortlichen die Ergebnisse der Ausfahrt am Abend aushängen. Die Veranstalter führen für die historischen und die modernen Fahrzeuge in zwei getrennten Wertungen. Wir sind uns sicher, unsere Leistung würde nur für einen der hinteren Plätze unserer Gruppe reichen. Um so größer ist die Überraschung, im Feld der Supersportwagen tatsächlich auf Platz vier vorgefahren zu sein.

Doch das ist am Ende Nebensache. Bei der Ausfahrt geht es für die Teilnehmer hauptsächlich um den Fahrspaß. Davon bietet sie jede Menge. Denn die Strecke paßt außerordentlich gut zu den Autos der Teilnehmer. Dazu glänzt die Ausfahrt mit einem überdurchschnittlich guten Roadbook. Ebenfalls überdurchschnittlich ist das Publikumsinteresse. Alles zusammen macht die Schloss Bensberg Supersport Classic zu einer runden Geschichte.

War schön, dabei gewesen zu sein!


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Das Althoff Grandhotel Schloss Bensberg ist Ausgangspunkt und Ziel der Schloss Bensberg Supersport Classic.

Foto: Tom Schwede

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Author

Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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