Suchen:
Es passierte am ... Geschichten zum Auto

1. Dezember 1960 – Tony Lago verstirbt

Heute vor 60 Jahren verstarb der Autokonstrukteur Antonio „Tony“ Lago. Doch Autofreunde wissen, der Name des gebürtigen Venezianers erlangte mit den wunderbaren Autos der Marke Talbot-Lago Unsterblichkeit.

Denn Talbot-Lago verband in den Jahren kurz vor dem Zweiten Weltkrieg mehr als jeder andere Autobauer dieser Zeit in seinen Fahrzeugen die Attribute Schönheit, Eleganz und Sportlichkeit. Tony Lago (* 28. März 1893 in Venedig; † 1. Dezember 1960 in Paris) erwarb 1935 den französischen Teil des britisch-französische Autokonzern S. T. D. MotorsSunbeam-Talbot-Darracq.

Tony Lago wusste, was er kaufte!

Denn vor dem Kauf arbeitete der Ingenieur für S. T. D. 18 Monate als Standortleiter in Suresnes, den ehemaligen Stammsitz der Marke Darracq. Nach der Zahlungsunfähigkeit von S. T. D. Motors erwarb Tony Lago die Fabrik in der Nähe von Paris. Ein klassischer Fall eines Management-Buy-Outs, wie man heute sagen würde. Unter der Regie des gebürtigen Venezianers entstanden in Suresnes fortan am Vorabend des Zweiten Weltkriegs einige der aufregendesten Fahrzeuge, die in dieser Epoche entstanden.

Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs setzt Talbot-Lago seinen Kurs zunächst fort. Mit dem Talbot-Lago T26, dessen Geschichte wir im Sommer ausführlich erzählten, stellt der Autobauer einen vielseitigen Sportwagen auf die Räder. Der T26 gewinnt neben Grand Prix auch die 24 Stunden von Le Mans. In Frankreich ist das Rennen ein Nationalheiligtum. Tony Lago ist auf dem Gipfel seiner Laufbahn. Doch der Markt der Luxus-Fahrzeuge war auch für 70 Jahren schwierig. Im Zweifelsfall ist Tony Lago die technische Brillanz seiner Fahrzeuge immer wichtiger, als eine ausgeglichene Bilanz.

Geld ist in Suresnes trotz der teuren Fahrzeuge immer knapp. Irgendwann wird auch dem Autokonstrukteur klar, dass sein Unternehmen auf Dauer nicht alleine überleben kann. Zumal der Versuch, mit dem Talbot-Lago Baby ab 1952 in der oberen Mittelklasse Fuß zu fassen, fehlschlägt. Die Achillesferse des Unternehmens sind zudem inzwischen die Motoren. Der 1954 präsentierte Vierzylinder erfüllt weder bei der Laufruhe noch bei der Haltbarkeit die Ansprüche der verwöhnten Kunden. Tony Lago fehlt das Geld, zur Weiterentwicklung des Motors.

Ihnen gefällt autonatives.de?

Dann unterstützen Sie unser Blog doch einmal, wenn Sie bei Amazon einkaufen.

Ihnen gefällt autonatives.de?

Dann unterstützen Sie unser Blog doch einmal, wenn Sie bei Amazon einkaufen.

1959 verkauft Tony Lago seine Firma

Statt des eigenen Motors setzt Tony Lago ab 1957 im Coupé Talbot-Lago America auf einen V8 von BMW. Doch auch damit gelingt es nicht, die Löcher in der Bilanz zu stopfen. Simca-Präsident Henri Pigozzi, ein ebenfalls in Frankreich arbeitender Italiener, bietet die Übernahme der offiziell als Talbot-Darracq S.A. firmierenden Firma an. Tony Lago stimmt diesem Verkauf, der wohl eher ein Gnadenakt war, schließlich zu. Henri Pigozzi, eigentlich Enrico Teodoro Pigozzi führte von 1926 bis 1928 in Suresnes die französische FIAT-Niederlassung.

1959 übernimmt die von Pigozzi gegründete und geführte Société Industrielle de Mécanique et Carrosserie Automobile die Marke Talbot-Lago. Die letzten fünf Exemplare des Coupés America, die in Suresnes noch unvollendet auf dem Hof stehen, erhalten den V8 aus dem Simca Vedette. Der Motor basiert auf einem Uralt-V8 von Ford und ist mit 95 PS in dem Sportwagen hoffnungslos überfordert. Bei Preisen von mehr als 2.000.000 Francs erweiset sich das Simca-Talbot America getaufte Luxus-Coupé praktisch als unverkäuflich.

SIMCA stellt die Marke Talbot 1960 ein. Am 1. Dezember des gleichen Jahres stirbt Tony Lago.

AutoNatives.de ist auch bei Facebook. Wir freuen uns über ein Like.



Ihnen gefällt autonatives.de?

Dann unterstützen Sie unser Blog doch einmal, wenn Sie bei Amazon einkaufen.

Als Kind der 1970er-Jahre hatte Tom das große Vergnügen, in einem ausgesprochen automobilen Umfeld aufzuwachsen. Das war der optimale Nährboden, um heute über Autos zu schreiben und regelmäßig am Mikrofon über Autos zu sprechen. Denn Tom Schwede moderiert seit 2010 bei großen Oldtimer- und Klassik-Veranstaltungen in Deutschland. So ist Tom unter anderem bei den Classic Days auf Schloß Dyck oder dem 1.000 Kilometer-Rennen am Nürburgring zu hören.

Was meinen Sie dazu?