AutoNatives.de - Blog für automobile Menschen

Tom Schwede, bewegt alles, was vier Räder hat Hallo, ich bin Tom — zusammen mit der Auto Blogger Crew mit viel Benzin im Blut blogge ich hier im Auto-Blog für Auto-Natives über Autos. Seit 2007 gibt es in diesem Blog regelmäßig Reportagen, Tests und Meinungen rund ums Auto. Dazu zählen auch Beiträge über Oldtimer oder Youngtimer sowie über Motorsport.

 




Die Formel 1 Weltmisterschaft absolvierte vor 60 Jahren die Formel 1 in ihre dritte Saison. Mit Alfa Romeo verlor die FIA vor Saisonbeginn ihr bisher einziges Weltmeister-Team, das sowohl 1950 als auch 1951 die Szene dominiert hatte. Um die Formel 1 Weltmeisterschaft 1952 für neue Teams zu öffnen, änderte man in einer Hauruck-Aktion die Regeln. Statt der Grand Prix Fahrzeuge der 1947 definierten Formel 1 schrieb man Anfang 1952 die Weltmeisterschaft für die Fahrzeuge der Formel 2 aus.

Gerade einmal fünf Jahre hatte das erste Regelwerk der Formel 1 damit gehalten. Als die Regelhüter der FIA und ihre „Commission Sportive Internationale“ (CSI) zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Regeln für Grand Prix Fahrzeuge neu definierten, legten sie fest, dass in den Grand Prix Rennwagen der höchsten Klasse kompressoraufgeladene Motoren mit bis zu 1.500 ccm oder Saugmotoren bis 4.500 ccm verwendet werden dürfen. Bei dieser Festlegung orientierte sich die CSI an den Hubraumgrenzen des Voiturettes genannten Unterbaus der vor dem Krieg ausgefahrenen Grand-Prix-Europameisterschaft.

Damit wollte man sicherstellen, dass beim Wiederaufleben des Grand-Prix-Sports von Anfang an genügend Teilnehmer ins Rennen gehen würden. Denn anders als die Grand Prix Rennwagen der Werke hatten die Voiturettes der Privatfahrer den Zweiten Weltkrieg oftmals heil überstanden. Doch da man davon ausging, dass die Grand Prix Fahrzeuge wie vor dem Krieg schnell wieder die Werke anziehen würden, stellte man den Grand Prix Fahrzeugen der zunächst als Formel A bezeichneten Top-Klasse bereits 1947 mit der Formel B wieder einen Unterbau zur Seite, um Nachwuchsfahrer und Privatrennfahrer an den Sport zu binden. In der Formel B durften Saugmotoren bis zu 2.000 ccm und aufgeladene Motoren mit 500 ccm eingesetzt werden.

Alfa Romeo hatte bereits kurz nach dem Krieg begonnen, wieder Rennwagen zu bauen.

Grundlage war der 1937 als „Tipo 158“ konzipierte Grand Prix Rennwagen. Als „T158 Alfetta“ dominierte dieses Fahrzeug nach Festlegung der Regeln der Formel A den Sport. Als die CSI – ein Jahr nach den Motorrad-Fahrern – erstmals eine Weltmeisterschaft – jetzt als Formel 1 – ausschrieb, war Alfa Romeo unschlagbar. Wenn die Mailänder antraten, siegen sie auch. Alfa Romeo gewann sechs der sieben Weltmeisterschaftsrennen. Nur bei den 500 Meilen von Indianapolis, die von 1950 bis 1960 ebenfalls zur Formel-1-Weltmeisterschaft zählten, gewann mit einem „Kurtis Kraft – Offenhauser“ ein anderes Fabrikat.

Den Titel sicherte sich Alfa Romeos Werksfahrer Giuseppe Farina. Ein Jahr später gewann mit Juan Manuel Fangio erneut ein Alfa Romeo Pilot den Titel. Doch in Mailand hatte man inzwischen verstanden, dass das Geschäft mit teuren Luxusfahrzeugen wie dem Alfa Romeo 6C 2500 das Überleben der Firma nicht auf Dauer sicherstellen würde. Mit dem 1900 und der Giulietta wird Alfa Romeo von der Fahrzeug-Manufaktur zum Großserienhersteller. In vier Jahren hat alleine die Zahl der 1900er die Produktionszahl der ersten 40 Jahre von Alfa Romeo überschritten. Doch der Ausbau der Produktionskapazitäten kostet Geld und entschied Alfa Romeo,  sich aus Kostengründen aus der Formel 1 zurückzuziehen. Als die CSI 1951 bekannt gab, dass ab 1954 in der Formel 1 nur noch Saugmotoren bis zu 2.500 ccm oder aufgeladenen Motoren bis 750 ccm eingesetzt werden dürften, zog Alfa Romeo die Reißleine und verzichtete zum bereits mit dem Ende der Saison 1951 auf Starts in der Formel 1.

Die FIA und die CSI standen vor einem Problem!

Denn mit Alfa Romeo verlor man nicht nur den überlegenen Hersteller, sondern auch ein gutes Drittel des Starterfelds. Der Rückzug traf die Sportfunktionäre auf dem falschen Fuß, denn nun sah alles nach einem Solo-Lauf für Ferrari und dünnen Startfeldern aus. Die anderen Hersteller wie Maserati mit dem 4CLT/50, Talbot-Lago mit dem T26C oder Simca-Gordini mit dem Type 15 konnten Ferrari genauso wenig das Wasser reichen die vereinzelt startenden ERA, OSCA, BRM oder HWM. Um die Weltmeisterschaft interessanter zu gestalten und die Starterfelder zu füllen änderte man kurzfristig die Regeln. Erst Anfang 1952 gab die CSI bekannt, dass die Formel 1 Weltmeisterschaft 1952 und 1953 für die 1947 ebenfalls definierte Formel 2 Rennwagen ausgeschrieben werden würde.

Mit den Zweilitermotoren reduzierte man die Leistung der Rennwagen spontan von 380 bis 420 PS – je nach Motorenhersteller – auf weniger als 200 PS. Da Ferrari einen Leistungs-Vorsprung von rund 30 PS nutzen konnte, änderte dieser Schritt nichts an der Vorherrschaft der Ferrari. Trotzdem funktionierte die Idee. Denn mit dem Zweilitermotor des BMW 328 sowie seines britischen „Bruders“ von Bristol Cars stand ein optimaler Motor für die zur Formel 1 erhobene Formel 2 bereit. Kein Wunder, dass mit Aston Butterworth, Cooper, Connaught und Frazer-Nash aus Großbritannien oder AFM oder Veritas aus Deutschland auf einen Schlag zahlreiche Hersteller mit einem Fahrzeug für die Formel 1 aufwarten konnten. Dies machte die Formel 1 auch für zahlreiche Privatfahrer interessant. Insgesamt gingen 1952 inklusive des Rennens in Indianapolis 132 Piloten bei einem Rennen der Formel 1 Weltmeisterschaft an den Start.

Zum Sieg benötigte man einen Ferrari

Bereits beim Saisonauftakt beim Großen Preis der Schweiz auf der Rennstrecke Bremgarten bei Bern siegte mit Piero Taruffi ein Ferrari-Fahrer. Alberto Ascari, der Spitzenfahrer des Teams lies das Rennen in der Schweiz aus, da gleichzeitig (!) in Indianapolis die Qualifikation für das „500 Meilen Rennen“ durchgeführt wurde. Ferrari wollte mit einem Start im Nudeltopf die Bekanntheit seiner Marke auf der anderen Seite des großen Teichs steigern. Doch mit dem vom Formel 1 Rennwagen des Vorjahrs angeleiteten „Ferrari 375 Indianapolis“ konnte sich Alberto Ascari in Indianapolis nur mit Mühe qualifizieren.

Im Rennen war der Italiener mit seinem 4.500 ccm großen Motor ohne Chance gegen die amerikanische Konkurrenz mit ihren bis zu 6.700 ccm großen Motoren. Hinzukam, dass die Speichenräder des Ferraris den Belastungen der Oval-Strecke nicht gewachsen waren, während die Amerikaner bereits mit modernen Magnesium-Rädern ausrückten. Den Sieg sicherte sich Troy Ruttman in einem Kuzma-Offenhauser. Nebenbei stellte der Amerikaner dabei einen Rekord auf, der mehr als 50 Jahre Bestand haben sollte. Denn bis zum Sieg Fernando Alonsos in Ungarn 2003 war Troy Ruttman der jüngste Sieger eines Laufs zur Formel 1 Weltmeisterschaft.

Fortgesetzt wurde die Formel 1 Weltmeisterschaft 1952 im Juni mit dem Großen Preis von Belgien. Gefahren wurde auf der 14,12 Kilometer langen Strecke mit den Vollgaspassagen von Burnenville, Malmedy und Stavelot. In dieser Konfiguration wirkt selbst die heutige Strecke in Spa „fast“ wie ein „Micky-Maus-Kurs“. Mit einem klaren Triumph von Alberto Ascari brachte das Rennen einen Vorgeschmack auf die kommenden Rennen. Zumal Ferrari dank eines zweiten Rangs von Giuseppe Farina einen überlegenen Doppelsieg feiern konnte.

Mit einem vierten Platz in einem Cooper-Bristol T20, dem einzigen Cooper Formel 1 Rennwagen mit Frontmotor, sicherte sich Mike Hawthorn beim Formel-1-Debüt sofort seine ersten WM-Punkte. Hawthorn sollte im weiteren Saisonverlauf mit seinem privaten Cooper noch mehrmals mit solch positiven Ergebnissen aufwarten können und fuhr sich so in das Notizbuch von Enzo Ferrari. Das Regenrennen um den Grand Prix von Frankreich in Rouen-les-Essarts wurde erneut eine sicherte Beute von Alberto Ascari. Der Italiener überrundete bei seiner Siegesfahrt alle anderen Teilnehmer und siegte vor den Teamkollegen Giuseppe Farina und Piero Taruffi.

Vorzeitig zum Titel: Alberto Ascari

Auch beim Großen Preis von Großbritannien feierte Ascari einen überlegenen Sieg. Erneute konnte der Sohn des legendären Antonio Ascari das gesamte Feld überrunden. Zweiter wurde Piero Taruffi vor dem jungen Mike Hawthorn, der sich damit bereits im dritten Formel-1-Rennen seine erste Podestplatzierung sichern konnte. Schon beim nächsten Rennen auf dem Nürburgring, drei Rennen vor dem Saisonende, sicherte sich Alberto Ascari mit einem weiteren Erfolg vorzeitig den Titel des Fahrerweltmeisters.

Alberto Ascari profitierte bei seinem Titelgewinn sicherlich auch davon, dass der Titelverteidiger Juan Manuel Fangio bei Maserati kein konkurrenzfähiges Material vorfand. Zudem fiel der Argentinier nach einem Unfall bei einem Rennen in Monza, das im Frühjahr 1952 nicht zur Weltmeisterschaft zählte, fünf Monate mit einer schweren Wirbelsäulen-Verletzung aus. Trotzdem war Alberto Ascari 1952 sicherlich ein würdiger Weltmeister, der seinen Erfolg ein Jahr später nochmals wiederholen konnte. Über das gesamte Jahr hatte Ascari seine Teamkollegen im Werksteam von Enzo Ferrari fest im Griff.

Weder Piero Taruffi noch der 1950er-Weltmeister Giuseppe Farina konnten Ascari 1952 das Wasser reichen. Einen Eindruck, den Ascari bei den verbleibenden Saisonrennen um den Großen Preis der Niederlande in Zandvoort sowie dem Heimrennen um den Großen Preis von Italien in Monza eindrucksvoll bestätigen konnte. Alberto Ascari gewann auch diese Rennen ohne größere Probleme. Damit gewann der Italiener sechs der acht Saisonrennen. Neben der großen sportlichen Überlegenheit von Alberto Ascari blieb die Saison 1952 vor allem dadurch in Erinnerung, dass sich mit Mike Hawthorn ein nur 23 Jahre alter Brite 1952 in der Weltspitze des Motorsports etablierte.

Ferrari testete die Piloten und nicht die Autos

Als bester Nicht-Ferrari-Pilot belegte der Debütant mit 23 Jahren den vierten Platz der WM-Wertung und wurde prompt von Enzo Ferrari verpflichtet. Obwohl der „Commendatore“ nicht begeistert war, als Hawthorn im Herbst 1952 zum Kennenlernen in Begleitung seines Vaters und des bewährten Cooper-Bristol in Maranello erschien, um diesen mit dem Ferrari vergleichen zu können. Nach dem Verständnis von Enzo Ferrari ging es nicht um einen Test des Ferraris, sondern um einen Test des Piloten. Trotzdem wurden sich beide einig und der Aufsteiger der Formel 1 Weltmeisterschaft 1952 wechselte zu Ferrari.

Zudem blieb die Formel 1 Weltmeisterschaft 1952 in Erinnerung, weil die CSI in dieser Saison nicht nur die Leistung reduzierte, sondern auch die Weichen für mehr passive Sicherheit stellte. Denn die CSI schrieb zum Saisonbeginn den Einsatz von Helmen im Automobilsport verbindlich vor. An die Stelle von dünnen Lederkappen traten die sogenannten Braincaps, deren Helmschale den Bereich oberhalb der Ohren und des Nackens schützte.


AutoNatives.de ist auch bei Facebook. Wir freuen uns über ein Like.


Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
1952 legte Ferrari mit dem ersten Titel den Grundstein für den heutigen Mythos. (Foto: Edwin van Nes from IJsselstein, Netherlands)

1952 legte Ferrari mit dem ersten Titel den Grundstein für den heutigen Mythos. (Foto: Edwin van Nes from IJsselstein, Netherlands)

Ähnliche Arikel:

Write A Comment