Das Dekra Testgelände am Lausitzring ist der richtige Ort, um die Assistenz- und Sicherheitssysteme an Bord des Skoda Superb einmal ausführlich zu testen. Gesagt, getan, ein Erfahrungsbericht der anderen Art.

In modernen Autos fahren jede Menge Sicherheitssysteme und Assistenten mit. Im Alltag lassen sich insbesondere die Sicherheitssysteme gar nicht alle ausprobieren. Es wäre unverantwortlich, Ihr Einschreiten im normalen Straßenverkehr heraufzubeschwören. Denn diese Helfer warten normalerweise still und leise im Hintergrund auf ihren Einsatz, um im Fall der Fälle Schlimmeres zu verhindern.

Für einen vollständigen Test ist also ein Ort notwendig, der zwei Voraussetzungen erfüllt. Er muss genug Platz bieten, um die Fahrt nach einem provozierten Kontrollverlust nicht an einem Baum oder einer Leitplanke enden zu lassen. Und das Testen darf keine anderen Verkehrsteilnehmer gefährden. Auf der Dekra Testgelände in Klettwitz ist das der Fall.

Üppig dimensionierte Trainingsflächen ermöglichen, auch gefährliche Situationen relativ gefahrlos zu simulieren. Daneben gehört zum weitläufigen Areal ein 5,8 Kilometer langes Testoval. Dessen rund zwei Kilometer lange Geraden sind mit zwei überhöhten Steilkurven verbunden. Sie lassen sich ohne Seitenverzögerungskräfte durchfahren, was die Simulation langer Vollgaspassagen ermöglicht.

Sicherheit bei Skoda

Gemeinsam mit andern Unternehmen und Institutionen verfolgt Skoda die Vision Zero. Diese Initiative will die Zahl der Verkehrstoten auf null reduzieren. Wohlwissend, dass das Ziel vielleicht nie erreichbar ist, ist das Projekt ein Schritt in die richtige Richtung. Eine wichtige Rolle auf dem Weg zum Ziel spielen die modernen Assistenz- und Sicherheitssysteme. Deshalb sind auch im Skoda Spitzenmodell Superb zahlreiche dieser Helfer verfügbar.

Wie funktioniert der adaptive Abstandsassistent (ACC) mit Stauassistent?

Schon in den 1980er-Jahren gab es Autos, die selbständig ihr Tempo regulieren konnten. Doch damals konnten die Autos keine Hindernisse erkennen. Aktuelle Systeme sind weiter. Sie können sogar den Abstand zum Vordermann kontrollieren. Das probiere ich in meiner ersten Testsitzung aus. Mit vier Skoda Superb geht es dazu ins Oval. Dort stellen alle Fahrer an ihren Skoda ein Marschtempo von 120 Kilometern pro Stunde ein.

Die vier Superb beschleunigen und ziehen fortan mit konstantem Abstand zum Vordermann ihre Bahn. Fast scheint, als ob die Fahrzeuge an einer Perlenschnur aufgezogen wären. Das ändert sich auch nicht, als das Führungsfahrzeug seine Geschwindigkeit reduziert. Denn jetzt reduzieren auch die Folgenden ihr Tempo.

Skoda Superb im Testoval
Skoda Superb im Testoval

Die Anpassung der Geschwindigkeit erfolgt ohne nennenswerte Zeitverzögerung. Menschliche Fahrer benötigen eine gewisse Zeit, um auf bremsende Fahrzeuge vor ihrem Fahrzeug zu reagieren. Die Maschine kann das besser. Denn sie misst mit einem Radarauge, das im Superb unterhalb des Nummernschilds montiert ist, laufend den Abstand zum Vordermann. Damit kann der Computer auf Veränderungen reagieren, bevor der Mensch an Steuer diese Veränderung überhaupt registriert.

Auch wenn es beeindruckend ist, wie gut der adaptive Abstandsassistent bereits funktioniert, arbeiten die Techniker bereits an der nächsten Evolutionsstufe. Denn bisher kann auch der Abstandsassistent erst registrieren, wenn der Vordermann seine Geschwindigkeit bereits reduziert hat. Mit der kommenden Car-to-Car-Kommunikation wird der Vorausfahrende sein Umfeld im Moment des Bremsens warnen. Wodurch die folgenden Fahrzeuge noch eher reagieren können.

Willkommen im Stau – zurück zur Gegenwart!

In meinem Test bremst der Skoda, als das Führungsfahrzeug stoppt, schließlich sogar bis zum Stillstand ab. Das automatisierte Schaltgetriebe (DSG) macht es möglich. Doch selbst jetzt endet die Unterstützung des Systems nicht. Denn wenn sich die Vorausfahrenden innerhalb von drei Sekunden wieder in Bewegung setzen, dann nimmt auch der Superb selbständig wieder Fahrt auf. Aus dem adaptive Abstandsassistenten wurde längst auch ein Stauassistent.

Wobei ich die Frist, innerhalb der der Skoda Superb selbständig Fahrt aufnimmt, mit dem Ziehen am kleinen Steuerhebel des ACC-Systems verlängern kann. Rollt der Verkehr im Stau wieder, hat der Superb übrigens nicht nur die eigene Spur im Blick. Kollege Computer weiß, dass die Straßenverkehrsordnung bis zu einem Tempo vom 80 Kilometern pro Stunde auch ein Überholen auf der rechten Spur gestattet.

Auch das stellen wir auf dem Testoval des Dekra-Testgeländes nach. Die Kolonne fährt auf der linken Spur der „Autobahn“ 70 Kilometer pro Stunde schnell. Ich schere aus und ziehe mit meinem Skoda Superb auf die rechte Spur. Auf der freien Spur beschleunigt der Tscheche sanft. Doch trotz eines auf Tempo 120 eingestellten Tempomaten, auf der rechten Spur fährt der Skoda jetzt maximal 80 Kilometern pro Stunde schnell.

Zumindest, solange ich die Kolonne passiere. Denn als ich an der Kolonne vorbei bin, erreicht der Skoda Superb zügig das eingestellte Tempo. Wobei die Art und Weise der Beschleunigung bei Skoda übrigens vom gewählten Fahrprogramm abhängt. Im Sportmodus beschleunigt der Superb dynamisch, fast schon aggressiv. Im Comfort- oder Eco-Programm geht es da deutlich gemütlicher zu. Die Beispiele zeigen, wie hochgestochen die Technik heute ist, um den Fahrer aktiv unterstützt.

Wie funktioniert der Frontradarassistent (inklusive City-Notbremsfunktion)?

Auch „passiv“ tragen die Komponenten des aktiven Tempomaten übrigens zur Sicherheit im Straßenverkehr bei. Denn mit Hilfe des Radarsystem beobachtet der Superb auch dann seine Umgebung, wenn der Fahrer das Tempo seines Fahrzeugs gerade selbst reguliert. Droht eine Kollision, leitet der Notbremsassistent eine Vollbremsung ein.

Als ich – auf der Teststrecke – den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstand unterschreite, warnt mich der Superb mit einem akustischen und optischen Signal. Als ich auch diese Hinweise ignoriere, betätigt der Superb selbstständig kurz die Bremse. Und wenn ich selbst das noch ignorieren würde, dann würde das Auto sogar eine Notbremsung auslösen.

Damit vermeidet das System im Notfall eine Kollision oder reduziert zumindest die Gefahr einer Verletzung. Denn selbst wenn ein Unfall unvermeidbar sein sollte, reduziert sich mit der Aufprallgeschwindigkeit auch das Verletzungsrisiko. Insofern ist ein Frontbremsassistent tatsächlich ein echter Sicherheitsgewinn.

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Das Fazit meiner ersten Testsession ist einfach. Sowohl der adaptive Abstandsassistent (ACC) als auch der Notbremsassistent sind Helfer, die das Unfallrisiko senken. Verantwortungsvolle Autofahrer sollten in meinen Augen bei der Bestellung eines Neuwagens – übrigens nicht nur bei Skoda – ernsthaft in Erwägung ziehen, sich diesen Sicherheitsgewinn zu leisten.

Doch damit nicht genug. Lesen Sie im zweiten Teil dieser Serie, wie proaktiver Insassenschutz aussieht und wie moderne Spurhalteassistenten funktionieren. Dabei habe ich endlich auch die Antwort auf die Frage gefunden, was passiert in einem modernen Auto nach den Hinweisen, dass der Fahrer das Lenkrad übernehmen soll.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Der Skoda Superb im Testoval auf dem Dekra Testgelände am Lausitzring

Foto: Skoda

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

1 Comment

  1. Eine kurze Unachtsamkeit beim Beschleunigen als drittes Fahrzeug nach Ampelumschaltung auf grün glich mein Superb sofort mit der Notbremsung aus, nachdem das vor mir fahrende Fahrzeug nach kurzer Beschleunigung plötzlich eine Vollbremsung hinlegte.
    Dies passierte mir bereits nach zwei mit meinem Neufahrzeug.
    Ohne diese Sicherheitskomponente wäre ich aufgefahren, die bekanntlich serienmäßig eingebaut ist.

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