Mit dem Großen Preis von Schweden 1974 trat die Formel 1 das zweite Mal in Anderstorp an. Im Training sicherten sich Patrick Depailler und Jody Scheckter die besten Startplätze. Offenbar lag die 4,018 Kilometer lange Strecke des Scandinavian Raceway in den Tyrrell-Piloten. Der Franzose Depailler, der als hervorragender Testpilot galt, sicherte sich die einzige Polo Position seiner Grand Prix-Karriere. Doch im Rennen lief es für den aus Clermont-Ferrand stammenden Piloten weniger gut. Am Start übernahm sofort Team-Kollege Jody Scheckter die Führung.
Die Tyrrell dominierten den Grand Prix von Schweden 1974!
Auch Lokalmatador Ronnie Peterson, der den Grand Prix von Schweden 1974 mit seinem Lotus 72E vom fünften Startplatz aufnahm, presste sich am Franzosen vorbei. Das unterstrich die Hoffnung der Zuschauer, dass ihr Landsmann Peterson im zweiten Anlauf das Heimrennen sichern kann. Doch ein Defekt an der Antriebswelle riss den Schweden schon nach neun Runden aus dem Rennen. An der Spitze enteilten derweil die Tyrrell. Nur James Hunt im Hesketh konnte mit den beiden Führenden mithalten.
Daran änderte sich bis in Ziel nichts mehr. Nach 80 Runden sah Jody Scheckter die Zielflagge als Erster. Etwa eine halbe Sekunde dahinter passierte Patrick Depailler die Ziellinie. James Hunt folgte weitere drei Sekunden danach. Erst weitere 50 Sekunden später erreichte Emerson Fittipaldi in seinem McLaren das Ziel. Der Brasilianer verteidigte damit seine Führung der Weltmeisterschaft. Für Jody Scheckter war der Erfolg beim Grand Prix von Schweden der erste Grand Prix-Sieg.
Jody Scheckter galt bis zum Sieg als Crash-Pilot!
Der Sieg beeindruckte viele der Beobachter am Streckenrand und im Fahrerlager. Denn der Südafrikaner fuhr in Schweden erst seinen 13. Grand Prix. 1972 und 1973 startete Jody Scheckter nur sporadisch in der Königsklasse. In zwei Jahren kam der Südafrikaner bei McLaren nur auf nur sechs Starts. Denn Scheckter galt als Crashpilot, der zwar schnell, aber auch anfällig für Unfälle war. Unvergessen, wie Scheckter 1973 beim Grand Prix in Silverstone eine Massenkarambolage auslöste.
Trotzdem vertraute Ken Tyrrell, der immer einen guten Blick für Talent hatte, 1974 dem Südafrikaner ein Stammcockpit an. Scheckter zahlte dieses Vertrauen schnell zurück. Beim vierten Versuch im Tyrrell sprangen in Spanien die ersten WM-Punkte heraus. Anschließend gelang Scheckter das Kunststück, sich Lauf für Lauf zu verbessern. In Belgien wurde Scheckter Dritter. Beim folgenden Rennen in Monaco gelang dann schon ein zweiter Platz. Und nun sprang zwei Wochen beim Grand Prix von Schweden später der erste Sieg heraus.
Der Grand Prix von Schweden 1974 war der einzige Grand Prix von Leo Kinnunen!
Im Schatten von Scheckter fuhr beim Grand Prix von Schweden der Finne Leo Kinnunen seinen einzigen Grand Prix. Der erfolgreiche Sportwagenpilot aus Finnland leaste 1974 einen Surtees. Kinnunen brachte den Rennwagen in Eigenregie an den Start. Sein Team trat als AAW Finland beim Rennen in Belgien erstmals in der Königsklasse an. Doch in Belgien verpaßte der Finnen den Sprung ins Starterfeld deutlich. Monaco, wo damals nur 20 Autos ins Rennen gehen durften, ließ Kinnunen daher aus. Die Chancen auf einen Start in den Straßen von Monte Carlo schienen gering.
Erst zwei Wochen später beim Grand Prix von Schweden trat der Finne wieder in der Formel 1 an. Dank Nachsicht des Veranstalters gelang Kinnunen diesmal der Sprung ins Starterfeld. Der Finne durfte das Rennen vom 25. Startplatz aus aufnehmen, obwohl seine Zeiten im Training das eigentlich nicht hergaben. Heute wäre das wohl kaum noch vorstellbar. Doch vor 50 Jahren wollte der Veranstalter neben den beiden Schweden Ronnie Peterson und Reine Wisell sowie dem Dänen Tom Belsø mit Leo Kinnunen einen vierten skandinavischen Fahrer im Fahrerfeld sehen. Daher durfte Leo Kinnunen beim Grand Prix von Schweden starten.
Kinnunen war der erste Finne in der Formel 1!
Da die Veranstalter bei den Läufen in Frankreich, Großbritannien, Österreich und Italien, bei denen der Finne fahren wollte, diese Nachsicht nicht zeigten, blieb der Start in Anderstorp Kinnunens einziger Grand Prix. Der endete schon nach neun Runden mit Zündproblemen. Wobei Kinnunen kurze Zeit später ohnehin ausgerollt wäre. Denn der erste Finne ging nur mit Benzin für zehn Runden in den Grand Prix von Schweden. Den Gewichtsvorteil nutzte Kinnunen, um sich in den ersten Runden um fünf Plätze zu verbessern. Vermutlich sollte die Aktion weitere Sponsoren anlocken, da sie die Konkurrenzfähigkeit des Finnen unterstrich.