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23. April 1962 – Stirling Moss und der Unfall in Goodwood

Stirling Moss kannte nur „gewinnen oder ausfallen“ – das machte den Briten zur Motorsport-Legende!

Vor fast genau zwei Jahren starb Stirling Moss. Der Brite gilt bei vielen Motorsport-Fans bis heute als der beste Rennfahrer, der nie Formel-1-Weltmeister wurde. Heute vor 60 Jahren beendete ein Unfall bei der Glover Trophy in Goodwood die aktive Karriere des Ausnahmekönners.

Stirling Moss, Porsche 718, 1960
Stirling Moss 1960 im Porsche 718 bei einem Rennen der Formel II in Zeltweg. Ein Jahr später endete die Karriere des Briten nach einem Unfall in Goodwood.

Stirling Moss war im Kreise der Piloten, die bereits in den 1950er-Jahren einen Grand Prix gewannen, der absolute Nachwuchsstar. Denn als der Brite 1951 erstmals bei einem Rennen zur Automobil-Weltmeisterschaft antrat war Moss gerade 21 Jahre alt. Damit wäre der aus London stammende Rennfahrer heute fast schon ein Spätstarter. Damals war das völlig anders. Bei seinem Debüt beim Großen Preis der Schweiz 1951 kämpfte Moss ausschließlich gegen deutlich ältere Piloten. Von den 21 Startern auf der Bremgarten-Rundstrecke bei Bern waren 1951 nur zwei weitere Piloten jünger als 30 Jahre. Wobei José Froilán González und Harry Schell auch schon 28 und 29 Jahre alt waren.

Moss war viermal Vize-Weltmeister

Nach dem Debüt musste Moss fast ein Jahr auch den nächsten Start bei einem Grand Prix warten. Erst 1952 nahm der Brite als Stammfahrer an der WM teil. Zudem bestritt Moss weiter Formel 3-Rennen und trat im Sportwagen an. Und während der Brite in der Königsklasse bis 1954 auf den ersten Punktgewinn warten musste, gewann Moss alleine 1952 acht Rennen in anderen Fahrzeugklassen. Weshalb Mercedes den Briten 1955 als Werksfahrer für das eigenen Formel 1-Team verpflichtete. Moss zahlte das Vertrauen mit Leistung zurück und gewann noch im gleichen Jahr sein Heimrennen auf dem Aintree Motor Racing Circuit bei Liverpool. Zudem gewann Stirling Moss zusammen mit seinem Beifahrer Denis Jenkinson für Mercedes die 1955 die Mille Miglia.

Am Ende des Jahres sprang mit Platz zwei in der Weltmeisterschaft der Titel des Vize-Weltmeisters heraus. Titelträger wurde Teamkollege Juan Manuel Fangio. Am Ende des Jahres zog sich Mercedes aus der Königsklasse zurück. Moss wechselte zu Maserati und verlor 1956 erneute gegen den Argentinier, der jetzt Ferrari fuhr. Wieder sprang für Moss „nur“ der zweite Platz in der Weltmeisterschaft heraus. Das Spiel wiederholte sich 1957 erneut. Wobei Moss nach nur einem Jahr bei Maserati zu Vanwell weiterzog. Doch der neue Vanwall VW 5 stand erst beim zweiten Saisonlauf in Monaco zur Verfügung. Zudem musste Moss nach einem Unfall in den engen Straßen von Monte Carlo das folgende Rennen in Frankreich auslassen.

 1. Mai 1955. Die späteren Sieger Stirling Moss/Denis Jenkinson auf der Strecke im Mercedes-Benz Rennsportwagen 300 SLR (W 196 S) mit der Startnummer 722 bei der Mille Miglia 1955. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Classic Archive: R7527)
 1. Mai 1955. Die späteren Sieger Stirling Moss/Denis Jenkinson auf der Strecke im Mercedes-Benz Rennsportwagen 300 SLR (W 196 S) mit der Startnummer 722 bei der Mille Miglia 1955. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Classic Archive: R7527)

Insofern griff Moss erst in der zweiten Hälfte des Jahres tatsächlich in den WM-Kampf 1957 ein. Moss gewann drei der vier Rennen der zweiten Saisonhälfte. Wobei Moss einmal den Boliden seines Team-Kollegen Tony Brooks übernahm, um sich wertvolle WM-Punkte zu sichern. Trotzdem gewann Juan Manuel Fangio erneut den Titel. Doch die Szene war sich sicher, dass die Wachablösung nur noch eine Frage der Zeit sei. Aber auch dazu kam es nicht. Denn 1958 sicherte sich Mike Hawthorn im Ferrari den Titel. Dabei war Moss wohl der schnellere Pilot. Doch vier Grand Prix-Erfolgen von Moss standen fünf Ausfälle gegenüber.

Nur mit dem zweiten Platz in Frankreich gelang Moss 1958 eine weitere Zielankunft. Das waren 41 WM-Punkte. Mike Hawthorn kam mit einem Sieg und fünf zweiten Plätzen auf 46 Punkte und war Weltmeister. Auf dem Weg zum Titel profitiert der „Farnham-Flyer“ übrigens von der besonderen Fairness seines britischen Landsmanns Stirling Moss. Denn beim Grand Prix in Portugal wollten die Sportkommissare Hawthorn nach einem Dreher disqualifizieren. Moss setzt sich für den Kontrahenten ein und verhindert damit die Disqualifikation. Hawthron behielt seinen zweiten Platz und wurde Weltmeister.

Stirling Moss war ein fairer Sportsmann

Für Stirling Moss blieb erneut nur der Titel des Vize-Weltmeisters. Doch der Brite kam damit klar, sagte in einem Interview Worte für die Ewigkeit.

Stirling Moss, 2015 in Genf
Stirling Moss in späten Jahren auf dem Autosalon in Genf (Foto: Tom Schwede)

Wenn ich mich nicht so für ihn eingesetzt hätte, wäre ich jetzt Champion. Aber ich würde das jederzeit wieder tun, weil es fair war.

Stirling Moss, 1958 in einem Interview

Auch 1959 schlug die Defekthexe bevorzugt bei Stirling Moss zu. Der Brite kannte in diesen Jahren praktisch nur „gewinnen oder ausfallen“. Am Ende des Jahres sprang trotzdem hinter Jack Brabham und Tony Brooks der dritte Platz in der Automobil-Weltmeisterschaft heraus. Diesen Erfolg wiederholte Moss in den Jahren 1960 und 1961 erneut. Womit Stirling Moss es fertigbrachte, die Automobil-WM siebenmal hintereinander unter den ersten Drei zu beenden – gleichwohl ohne den Titel zu gewinnen.

Trotzdem änderte Moss seinen Fahrstil nicht. Seit 1958 trat Moss für das heute legendäre Rob Walker Racing Team an. Das Team des Whiskey-Erben Rob Walker war das letzte Kundenteam, das regelmäßig Formel 1-Rennen gewinnen konnte. Seit 1960 vertraute Walker auf Rennwagen von Lotus, die das Team nicht nur in der WM einsetzte. So kam es am 24. April 1962 bei der Glover Trophy in Goodwood zur Katastrophe. Moss kämpfte an diesem Tag mit einem Getriebeproblem, lag an vierter Stelle, drehte trotzdem die schnellste Rennrunde. Doch das Rennen endete an einem Erdwall, wobei die Ursache mir aufgeklärt wurde. Moss lag nach dem Unfall gut einen Monat im Koma.

Das Comeback nach 18 Jahren

Nach der Genesung brach der dreimalige Vizeweltmeister eine Testfahrt vorzeitig ab, um anschließend seinen Rücktritt zu verkünden. Moss verlor nach dem Unfall das Vertrauen in die eigene Fähigkeiten. Damit fehlten dem Briten, der übrigens nicht nur im Monoposto zahlreiche Siege feierte, die letzten Zehntel auf die Spitze. Also zog sich Moss zurück, um fortan sein Geld als Immobilienmakler zu mehren. Doch 18 Jahre nach dem Rücktritt trat Moss mit einem Audi in der britischen Tourenwagen-Meisterschaft (BTCC) an. Das Comeback blieb jedoch eine kurze Episode. Wobei der Altmeister besonders bei Regenrennen auch im Tourenwagen immer wieder sein Können aufblitzen lies.


Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Stirling Moss 1960 im Porsche 718 bei einem Rennen der Formel II in Zeltweg. Ein Jahr später endete die Karriere des Briten nach einem Unfall in Goodwood.

Foto: Porsche

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Als Kind der 1970er-Jahre hatte Tom das große Vergnügen, in einem ausgesprochen automobilen Umfeld aufzuwachsen. Das war der optimale Nährboden, um heute über Autos zu schreiben und regelmäßig am Mikrofon über Autos zu sprechen. Denn Tom Schwede moderiert seit 2010 bei großen Oldtimer- und Klassik-Veranstaltungen in Deutschland. So ist Tom unter anderem bei den Classic Days auf Schloß Dyck oder dem 1.000 Kilometer-Rennen am Nürburgring zu hören.

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