Die Premiere des Volvo 140 lief 1966 nicht ganz nach Wunsch. Dem Erfolg des Schweden tat das keinen Abbruch. Denn mit der 140er-Baureihe stieg Volvo endgültig zum Volumenhersteller auf.

Bei den Premierenfeiern der Autohersteller geht es traditionell spektakulär zu. Legendär, wie Ford einst zahlreiche Prominente mit der Cortina durch den Eiskanal flitzen lies. Zum Generationswechsel seiner oberen Mittelklasse wollte auch Volvo einen Glanzpunkt setzen. Volvo mietete einen Ballsaal im Zentrum von Göteborg. Ein Kran sollte die Vorserienmodelle in den Saal heben.

Ein Polizeieinsatz stoppte das Vorhaben. Denn die Polizei vermutete in einem Kino in der Nachbarschaft zwei gesuchte Mörder und räumte den Gebäudekomplex. Das Aufbauteam befand sich plötzlich im Zentrum eines Polizeieinsatzes. Die Verantwortlichen bei Volvo fürchteten, dass Bilder ihres neuen Mittelklasse-Modells bereits vor der Premiere die Runde machen könnten.

1966 war eine andere Zeit!

Das „Problem“ blieb auf das unmittelbare Umfeld des Kinos und vorbeieilende Passanten beschränkt. Heute würden von der Aktion schnell zahlreiche Fotos in sozialen Netzwerken auftauchen und sich rasend schnell weltweit verteilen. Dem Erfolg des Volvo 140 schadete die Hektik im Vorfeld der Premiere übrigens nicht. Schließlich sollte der Neue als erstes schwedisches Auto später die Marke von einer Million produzierten Fahrzeugen knacken.

Bis zum Produktionsende im Sommer 1974 verließen schließlich sogar 1.251.371 Fahrzeuge der Baureihe die Fabriken. Aufgrund des Erfolgs baute Volvo den 140 nicht nur im schwedischen Stammwerk Torslanda, sondern auch zusätzlich in Gent in Belgien. Zum Erfolg trug neben dem Design, für das Volvo-Chefdesigner Jan Wilsgaard verantwortlich war, auch die gute Sicherheitsausstattung des Schweden bei.

Sicherheit als Kaufanreiz

Die Karosserie des Volvo 140 war für ihre Zeit außergewöhnlich verwindungssteif. Dank einer Sicherheitsfahrgastzelle, die vorne und hinten erstmals berechnete Knautschzonen sowie einen integrierten Überrollbügel enthielt. Die Lenksäule des Volvo 140 enthielt eine damals neuartige Sollbruchstelle. Ein Feature, das ein „Aufspießen“ des Fahrers bei einem Frontalaufprall verhindert.

Volvo 142 von 1967
Volvo 142 von 1967 – Foto Volvo Car Group

Das Armaturenbrett war mit Kunststoff gepolstert, die Türschlösser unfallsicher, dazu gab es serienmäßig Dreipunkt-Sicherheitsgurte. Als erstes schwedisches Auto verfügte der Volvo 140 zudem über ein Zweikreis-Bremssystem mit Scheibenbremsen vorn und hinten. Das war damals ziemlich revolutionär. Kein Wunder, dass Volvo die Sicherheit in der Werbung besonders herausstellte. Auch in Deutschland war der Autobauer mit Slogans wie „Sicherheit aus Schwedenstahl“ und „Sicherheit ist durch nichts zu ersetzen“ für den Volvo 140.

Heute ist der Volvo 140 selten – Schafft es einer nach Herten?

Trotzdem sind Volvo 140 heute auf unseren Straßen ziemlich selten. Volvo vertraute beim Motor, dem Getriebe sowie dem Fahrwerk des „Neuen“ auf zahlreiche Teile des Vorgängers. Besonders in den 1980er und 1990er Jahren wurden daher gerne 140er geschlachtet, um einen Volvo Amazon zu retten. Das hat den Bestand – zusätzlich zum üblichen Rost – arg dezimiert hat.

Kein Wunder, dass ich auf den Youngtimer- oder Oldtimer-Treffen, die ich regelmäßig moderiere, tatsächlich noch nie einen Volvo 140 dem Publikum vorstellen dürfte. Schade eigentlich, denn über den Schweden könnte der Schwede sicherlich einiges erzählen. Also liebe Volvo-Fahrer unter den Lesern: beim Saisonabschluss des Youngtimer Vestival auf Zeche Ewald in Herten habt ihr am 11.09.2016 die nächste Gelegenheit! Kommt vorbei und dann stellen wir Euren Volvo mal zusammen dem Publikum vor. 

PS: Sollte es tatsächlich ein Volvo 140 nach Herten schaffen, gibt es natürlich auch einen meiner bekannten Lollis.

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