Mit einem Festakt in München hat BMW in der vergangenen Woche an einen der Meilensteine der Unternehmensgeschichte erinnert. Denn am 30. November 1960 wurde der Sanierungsplan angenommen, der dem Unternehmen die Eigenständigkeit sicherte und den Grundstein für das heutige Unternehmen legte.

Das Unternehmen BMW, das heute den 7. März 1916 als sein Gründungsdatum versteht, hatte durch den Zweiten Weltkrieg erhebliche Einbußen hinnehmen müssen. Das Stammwerk in München war fast völlig zerstört. Das Automobilwerk in Eisenach hatten die sowjetischen Besatzer unter ihre Kontrolle gebracht. Da BMW bis 1945 in München keine Autos produziert hatte, hielt man sich zunächst mit der Produktion von Motorrädern, Kochtöpfen und Fahrzeugbremsen über Wasser.

Erst 1951 wurde mit dem BMW 501 das erste Nachkriegsauto des Hauses angeboten. Der exklusive Oberklassewagen wurde zunächst mit einem Sechszylindermotor angeboten. Drei Jahre später folgte ein erstmals komplett aus Leichtmetall gefertigter V8-Motor, der den nun 502 genannten Wagen auf bis zu 160 km/h Spitze beschleunigen konnte. Doch der „Barockengel“ war extrem aufwändig zu produzieren. Und so machte man zu dieser Zeit pro Auto einen Verlust von mehreren Tausend DM.

BMW Hauptversammlung 1959
BMW Hauptversammlung 1959
(Foto: BMW)

Gleichzeitig ging der Motorrad-Absatz zurück. Im anstehenden Wirtschaftswunder wurde das Auto für viele erschwinglich. BMW versuchte mit dem ab 1955 in Lizenz der italienischen Firma Iso Rivolta hergestellten Kleinstwagen Isetta gegenzusteuern. Doch dies gelang nicht. In den Geschäftsjahren 1958 und 1959 schrieb das Unternehmen tief rote Zahlen. Zur Hauptversammlung am 9. Dezember 1959 lag – nach Vermittlung der Deutschen Bank – ein Übernahmeangebot der Daimler-Benz AG vor, das jedoch nicht die Mehrheit der Aktionäre fand.

BMW blieb selbständig und der Industrielle Herbert Quandt aus Bad Homburg legte einen Rettungsplan vor. Quandt erklärte sich bereit, nach einem Kapitalschnitt eine anschließende Kapitalerhöhung durchzuführen, bei der er selbst die nicht gezeichneten Aktien übernehmen werde. Am 30. November 1960 wurde dieser Sanierungsplan von den Aktionären des Unternehmens angenommen und Herbert Quandt mit rund 60% der Aktien zum Großaktionär des Unternehmens. Dies ermöglichte BMW einen fast nicht mehr für möglich gehaltenen Neustart. Im Vorfeld des Festakts auf der Theresienhöhe betonte der Vorsitzende des Aufsichtsrates der BMW AG, Prof. Dr. -Ing. Joachim Milberg: „Herbert Quandt hat mit seinem unternehmerischen Gespür und seiner Fähigkeit zu mutigen Entscheidungen damals die Weichen für unser Unternehmen neu gestellt und die Eigenständigkeit von BMW gesichert“.

Festakt: Meilensteine der Freude. BMW auf dem Weg in die Zukunft
Festakt: Meilensteine der Freude.
BMW auf dem Weg in die Zukunft
(Foto: BMW)

Grundlage des Erfolgs wurde der BMW 1500. Dieser kompakte und dynamische Mittelklassewagen brachte BMW ab 1961 den Durchbruch. Nach einigen kleineren Anlaufschwierigkeiten wurde der 1500er durch die Modelle 1600, 1800 und 2000 ergänzt. Bereits 1964 entstand der bis heute genutzte Slogan „Freude am Fahren“.

Mit den 1966 vorgestellten „Null-Zwei“ Typen 1602, 1802, 2002, 2002ti/tii gewann der Wiederaufstieg von BMW erheblich an Fahrt und setzte sich – wenn auch mit Rückschlägen – schließlich bis zum heutigen Tage fort. Die Zahl der Mitarbeiter erhöhte sich von 6.900 im Jahr 1959 auf heute rund 96.000. Gleichzeitig stieg die Zahl der verkauften Fahrzeuge von damals 42.000 auf über 1,4 Mio. Automobile, die BMW sowie die heutigen Töchter MINI und Rolls-Royce in diesem Jahr voraussichtlich bauen werden.

BMW nahm diese besondere Unternehmensgeschichte zum Anlass, mit einem Festakt auf der Theresienhöhe an die Annahme des Sanierungsplans zu erinnern. Interessanterweise wählte man dazu den Ort, an dem am 9. Dezember 1959 die Aktionäre die Übernahme von BMW durch Daimler-Benz vereitelt haben. Unter dem Motto „Meilensteine der Freude. BMW auf dem Weg in die Zukunft“ erinnerten neben dem Aufsichtsratsvorsitzenden Prof. Dr. Milberg auch der Vorsitzende des Vorstands der BMW AG, Dr. Norbert Reithofer, sowie der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Manfred Schoch an die Ereignisse rund um den Neustart des Unternehmens. Der Motorsport-Unternehmer Stefan Quandt ging zudem auf die historische Beziehung der Familie Quandt zu BMW ein.

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