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Carspotting: Amalfi CS 1800 – der TV-Star ist zurück

Wie bitte, den gibt es doch gar nicht! Doch, den gibt es!

Es gibt viele TV-Serien und Spielfilme in denen Autos eine wichtige Rolle spielen. Spontan fallen mir Knight Rider, Hardcastle & McCormick und natürlich Herbie, der tolle Käfer ein, um nur drei zu nennen. Der Amalfi CS 1800 aus der TV-Serie „PS – Geschichten ums Auto“ war mir dagegen unbekannt – bis ich ihn kürzlich auf einer Messe traf. 

Amalfi CS 1800 auf der Techno Classica 2022 in Essen
Frontansicht des Amalfi CS 1800 – ein Hauch von Passat.

Meine Deutsch-Lehrerin sagte immer leicht ironisch, das viel fernsehen bilden würde. In diesen Sinne muss – ebenso ironisch – ich eine Bildungslücke zugeben. Denn ich kannte die TV-Serie „PS – Geschichten ums Auto“, die ab 1975 in der ARD lief, nicht. Doch die Serie gehört einfach in unser Oldtimer-Blog, da ein Amalfi CS 1800 genanntes Auto ein Star der Serie war. Denn es beeindruckt genauso, dass für die Serie einst ein Auto entstand und ein Fan der Serie dieses Auto jetzt tatsächlich auf die Straße brachte.

Doch der Reihe nach, was hat es mit dem Amalfi CS 1800 auf sich?

Mitte der 1970er-Jahre lebten wir in einer anderen Welt. Der Fernseher kannte in großen Teilen der Republik maximal drei Programme. Nur in Grenzregionen erhöhten Sender aus den Nachbarländern die abendliche Auswahl um weitere Programme. Zumal Videorekorder ein sündhaft teuer Vergnügen waren und das Verleihen von Filmen noch nicht als tragfähiges Geschäftsmodell galt. Trotzdem entstanden vor vier Jahrzehnten immer wieder herausragende TV-Konzepte. Und die TV-Macher erkannten irgendwann, dass Mehrteiler oder Serien, wie das damals hieß, besonders gut geeignet waren, um die Menschen vor den Bildschirm zu locken.

Heckansicht des Amalfi CS 1800
Heckansicht des Amalfi CS 1800 mit einem Schuss Mercedes.

Dabei erwiesen Autoren und Regisseure vielfach ein gutes Gespür für das Zeitgeschehen. Immer wieder nahmen sie Themen auf, die die Menschen bewegten. Das sorgte dafür, dass häufig mehr als 15 Millionen Zuschauer das Gleiche sahen und am nächsten Tag darüber sprachen. Angesichts dessen überrascht nicht, dass das Auto auch in einigen deutschen Serien eine wichtige Rolle spielte. Schließlich gilt das Auto traditionell als des Deutschen liebstes Kind. 1968 erzählte beispielsweise das ZDF in der Serie „Sein Traum vom Grand Prix“ die Geschichte vom Aufstieg eines Rennfahrers. Ein Jahrzehnt später begleitete die ARD-Vorabendserie „Auf Achse“ zwei Trucker, die auf ihren Touren regelmäßig wilde Abenteuer erlebten.

1975 gab es „PS – Geschichten ums Auto“!

Schon ein paar Jahre zuvor lief im Hauptprogramm der ARD die Serie „PS – Geschichten ums Auto“. Sie erzählt Geschichten über das fiktive Darmstädter Autohaus Neubert und seine Kunden. Das hatte, nett in einer Unterhaltungsserie verpackt, durchaus auf den Charakter der Aufklärung. Denn das Autohaus und seine Mitarbeiter lassen keinen Trick aus, um die Kunden über den Tisch zu ziehen. So gibt es in der Serie nicht nur Werkstattpfusch sondern auch überteuerte Finanzierungen und Trinkereien mit Gebrauchtwagen. Mit Schauspielern wie Günter Pfitzmann, Gerd Baltus oder Witta Pohl war die Serie damals durchaus prominent besetzt.

Seitenansicht des Amalfi CS 1800
In der Seitenansicht kann der Amalfi CS 1800 seine Grundlage FIAT 132 am wenigsten verbergen. Obwohl das geänderte Heck für eine eigene Linie sorgt.

Doch die Produzenten mussten für die Serie zwei Probleme lösen. Einerseits wollten sich die Macher nicht dem Vorwurf der Schleichwerbung aussetzen. Zudem sah das Skript vor, dass ein Neuwagen aus dem Autohaus die Erwartungen der Kunden nicht erfüllt. An dieser Stelle war Ärger mit einem Autobauer zu befürchten, wenn sein Produkt unter den Augen eines Millionenpublikums Probleme macht. Daher ersannen die Autoren für die Serie die fiktive Marke „Atlantis“. Mit dem Amalfi CS 1800 bekam diese Marke zudem ein reales Spitzenmodell. Um dieses Auto in der Serie zeigen zu können, entstand dafür das notwendige Fahrzeug.

Kurzerhand „mutierte“ ein Fiat 132 mit Teilen von VW, BMW und Mercedes zum Amalfi. So stammten die Frontscheinwerfer, der Kühlergrill und die vordere Stoßstange vom ersten VW Passat (Typ 32 – Passat B1). Die Heckstoßstange steuerte ein BMW 02 bei. Schutzleisten und der Luftfilter-Kasten „erbte“ der Amalfi vom 5er BMW (Baureihe E12). Der Mercedes /8 („Strich-Acht“) spendete sein Heckblech mit Rückleuchten – fertig war der Amalfi CS 1800. Ein Karosseriebauer aus der Nähe von Hamburg baute das Fahrzeug 1974 für den NDR, der die Serie damals für die ARD produzierte. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Denn nur noch Kenner identifizieren den Amalfi auf Anhieb als Fiat.

Nach den Dreharbeiten galt der Amalfi CS 1800 als verschollen!

Besonders in der ersten Staffel, die 1975 lief, spielte der umbaute Fiat eine wichtige Rolle. Denn ein Handlungsstrang beginnt als der Verkaufsleiter des Autohauses einen Kunden überredet, statt eines Kleinwagens den deutlich größeren Amalfi CS 1800 zu kaufen. Als das Fahrzeug geliefert wird, fehlt das vom Kunden gewünschte Schiebedach. Trotzdem nimmt der Kunde das Auto ab, obwohl ihn längst die teure Finanzierung drückt. Der Ärger geht weiter, der Amalfi startet schlecht und verbraucht zu viel Benzin. Mehrfach reklamiert der Kunde. Doch der Werkstatt gelingt es nicht, die Probleme des Autos bis zum Ende der ersten Staffel vollständig zu lösen.

Innenraum des Amalfi CS 1800
Auch den Innenraum des Amalfi CS 1800 passten die Macher der Serie etwas an, um die Herkunft zu verschleiern.

Die Serie fand ein Jahr später eine Fortsetzung und der Ärger ging weiter. Denn die Startprobleme des Autos sind immer noch nicht gelöst. Zudem macht die Werkstatt bei einer Reparatur einen Fehler, woraufhin die Besitzer mit dem Amalfi im Urlaub stranden. Die Kunden wittern eine Chance, das Problem auf die Werkstatt abzuwälzen. Obwohl das Auto sein Kühlwasser verliert, fahren sie weiter. Das erweist sich als Eigentor. Denn es kommt zu einem kapitalen Motorschaden. An diesem tragen die Kunden eine erhebliche Mitschuld. Dummerweise fehlt ihnen das Geld für eine Instandsetzung. Daher bleibt ihnen am Ende nichts übrig, als den beschädigten Amalfi zu verkaufen.

Das Comeback des Amalfi CS 1800

In ihren dritten Staffel kam die Serie ohne den Amalfi aus! Doch 1979 in der vierten und finalen Staffel der Serie trat das Auto nochmals kurz auf. Denn es kehrte als reichlich mitgenommener Gebrauchtwagen ins Autohaus zurück. Es war ein Abschiedsauftritt. Denn nach dem Ende der Serie galt der umgebaute FIAT als verschollen. Tatsächlich stand er ungenutzte Requisite im Archiv der Produzenten. Erst vor wenigen Jahren gelang es einem Fan der Serie das Auto zu erwerben und den Amalfi CS 1800 tatsächlich auf die Straße zu bringen.


Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Frontansicht des Amalfi CS 1800

Foto: Tom Schwede

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Themen in diesem Artikel:

Als Kind der 1970er-Jahre hatte Tom das große Vergnügen, in einem ausgesprochen automobilen Umfeld aufzuwachsen. Das war der optimale Nährboden, um heute über Autos zu schreiben und regelmäßig am Mikrofon über Autos zu sprechen. Denn Tom Schwede moderiert seit 2010 bei großen Oldtimer- und Klassik-Veranstaltungen in Deutschland. So ist Tom unter anderem bei den Classic Days (früher Schloß Dyck, heute in Düsseldorf) oder dem 1.000 Kilometer-Rennen am Nürburgring zu hören. Wenn Sie also einen Moderator oder Streckensprecher für Ihre Oldtimer-Rallye oder Ihr Oldtimer-Treffen suchen, dann sind Sie bei Tom definitiv richtig!

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