Auto-Erinnerungen

Coyote X – das Auto aus Hardcastle & McCormick

Grundlage des Sportwagens in der 80er-Jahre TV-Serie Hardcastle & McCormick war das Kit Car Manta Mirage

Auf der Motorshow in Essen stand im Dezember 2021 auch ein Coyote X. Die Nachbildung des McLaren M6 GT spielte in den 1980er-Jahren in der US-Krimiserie Hardcastle & McCormick eine tragende Rolle. Damit passt der Sportwagen natürlich optimal in die Sammlung von Film-Fahrzeugen des Auto-Spezialitäten-Händlers Chrome Cars

Frontansicht des Coyote X aus Hardcastle & McCormick
Der Coyote X aus der TV-Serie Hardcastle & McCormick am Stand von Chrome Chaos auf der Motorshow in Essen.

Regelmäßige Leser unseres Blogs erinnern sich sicher, dass ich einige Fahrzeuge dieser Sammlung vor ein paar Jahren im Rahmen meiner Moderation bei den Classics Days auf Schloss Dyck dem Publikum vorstellen durfte. Damals präsentierte Chrome Cars unter anderem den Shelby Mustang GT500, der unter dem Namen „Eleanor“ im Spielfilm „Nur noch 60 Sekunden“ mit Nicolas Cage zu Filmruhm kam. Über das Drama, das folgte, als die Firma „Unique Performance“ beflügelt vom Film gleich 75 Nachbauten des Filmfahrzeugs auf die Räder stellen wollte, schreibe ich später mal.

Aber losgelöst davon packte mich der Film „Nur noch 60 Sekunden“ trotz der zahlreichen Autos im Plot nie richtig. Deshalb konnte ich mich beider Moderation auch nur bedingt für „Eleanor“ begeistern, sorry. Der Coyote X aus der TV-Serie „Hardcastle & McCormick“, den Chrome Cars im Dezember 2021 in Essen ausstellte, interessiert mich schon eher. Denn die Replica des McLaren M6 GT war zuvor, ganz anders als ein Shelby Mustang, in Deutschland fast völlig unbekannt. Das ist ein Umstand, der mein Interesse an einem Auto grundsätzlich erhöht.

Zu der geringen Bekanntheit trug sicher auch bei, dass es eigentlich nie einen Sportwagen mit dem Namen Coyote gab. Das rote Gefährt war in dieser Form „nur“ eine Schöpfung für die TV-Serie. Sie startete auf SAT 1 übrigens am 7. Januar 1985 – also heute vor 37 Jahren. Wobei ich zugeben muss, dass der Serienname „Hardcastle & McCormick“ austauschbar klang. Denn auch andere TV-Serien wie „Starsky & Hutch“, „Dempsey & Makepeace“ oder „Cagney & Lacey“ trugen die Namen ihrer Protagonisten.

„Hardcastle & McCormick“ war dank des Coyote X anders!

Denn während in den meisten TV-Serien automobile Massenware einfach nur ein Mittel zum Zweck darstellte, spielte in „Hardcastle & McCormick“ der Sportwagen mit. Denken Sie jetzt bitte nicht an KITT in Knight Rider, der als KI praktisch ein eigenes Leben führte. Der Coyote X war „nur“ ein Auto, das regelmäßig half, Flüchtige am Ende einer meist ziemlich wilden Verfolgungsjagd zu stellen. Das gefiel mir, denn ich folge gern der Maxime „Autos sind zum Fahren da“. Und was eignet sich dafür besser als ein Rennwagen?

Nur damit wir uns nicht missverstehen! Die Serie war sicher kein cineastisches Meisterwerk. Sie war klassische TV-Massenware mit in der Regel abgeschlossenen Folgen. Die Nettospielzeit betrug gut eine Dreiviertelstunde. Damit passte sie zusammen mit der Werbung in den strengen Stundetakt, dem kommerzielle TV-Sender gern folgen. Die Rahmenhandlung der Serie ist einfach. Milton C. Hardcastle musste als Richter 200 Kriminelle wegen juristischer Formalitäten freisprechen und will dies nachträglich ändern.

Heckansicht des des Coyote X aus Hardcastle & McCormick
Im Heck des Kit Cars steckt der Motor aus dem VW Typ 4.

Denn überzeugt von Ihrer Schuld, will der Jurist diese Kriminellen im anstehenden Ruhestand stellen. Doch zuvor muss Hardcastle noch einem Gerichtsprozess gegen Mark McCormick führen. Dies ist ein ehemaliger Rennfahrer, der zuvor den Prototyp des Sportwagens Coyote X stahl. Zunächst sieht das nach einer klaren Sache aus, doch Richter Hardcastle stellt fest, dass die Sache komplexer ist, als sie auf den ersten Blick erscheint. Denn den Sportwagen entwarf der ermordete Freund und Mentor des Ex-Rennfahrers.

Hardcastle erkennt, dass McCormick mit dem Diebstahl die Mörder seines Freunds stellen will. Damit folgt der Rennfahrer einer ähnlichen Motivation wie der Richter es für die Zukunft plant. Kurzerhand stellt Hardcastle den angeklagten Autodieb unter seine Obhut, um fortan gemeinsam Täter zu jagen. Alle 200 Fälle sollte das Duo übrigens nicht lösen. Denn ABC stellte die Serie nach drei Staffeln mit 67 Folgen ein. Damit blieben also ein paar Fälle offen, denn zu einer Fortsetzung kam es nicht mehr.

Zugegeben, die Idee „Selbstjustiz“, auf der die Serie basiert, wirkt rückblickend natürlich etwas befremdlich. Fast schon kitschig mutet zudem an, dass Richter Hardcastle regelmäßig erzählt, sein Kindheitsheld Lone Ranger inspiriere ihn zu der Jagd auf Verbrecher. Lassen wir diesen Part den Machern der Serie mal als komödiantische Einlage durchgehen. Aber ich will an dieser Stelle keine Medienkritik verfassen. Mein Thema soll eigentlich nur der Sportwagen Coyote X sein. Denn der war trotz des fiktiven Namens eigentlich doch real.

Grundlage des Coyote X war der Manta Mirage!

Denn der Coyote basierte auf einem Kit-Car von Manta Cars. Ab 1974 fertigten die Brüder Brad und Tim Lovette unter diesem Namen im kalifornischen Santa Ana vom Rennsport inspirierte Sportwagen für die Straße. Ihr Erstlingswerk war der Manta Mirage, der an die offenen CanAm-Rennwagen der späten 1960er-Jahre erinnert. Wobei der Mirage auf einem Gitterrohrrahmen basierte. Nur bei der Vorderachse griffen die Brüder Lovette auf Technik des VW-Käfers zurück.

So sieht der Manta Montage aus. Er war die Grundlage des Coyote X
So sieht der „echte“ Manta Montage aus. Besonders an der Front unterscheiden sich Coyote X und Mans Montage. (Foto: Gemeinfrei / MartinHansV)

Zwei Jahre nach dem Mirage folgte der geschlossene Manta Montage. Bei diesem Sportwagen, der sich optisch am McLaren M6 GT orientiert, griff Manta Cars auf den Plattform-Rahmen des Käfers zurück. Das half, den Preis zu senken. Wobei es auf Wunsch bei Manta Cars auch den Montage T mit einem Gitterrohrrahmen gab. Doch Standard war die Käfer-Basis, die im Mirage in der Regel den Motor aus dem VW Typ 4 erhielt. Dieser auch aus dem Porsche 914 bekannte Motor steckte auch in den TV-Fahrzeugen.

Die Autos für den Einsatz in der TV-Serie entstanden bei Mike Fennel und Unique Movie Cars. Fennel veränderte den Bausatz jedoch. So fehlt beim Manta Montage beispielsweise der Luftauslass des Frontkühlers. Denn die luftgekühlten VW-Aggregate kommen ohne aus. Über die Scheinwerfern legte Fennel eine dunkle Abdeckung. Das entspricht in der Form mehr dem McLaren. Auch bei den Radauschnitten, den Türen und der Windschutzscheibe passte Unique Movie Cars das Design an.

Aus dem Manta Montage wurde der Coyote X!

Es ist nicht ganz klar, wie viele Coyote für die Dreharbeiten tatsächlich entstanden. Denn wie bei Film- und TV-Produktionen üblich entstanden Hero-Cars, die die Schauspieler tatsächlich nutzten, und speziell präparierte „Stunt-Cars“ für die dynamischen Szenen. Bei den Stunt-Cars handelte es sich teilweise um Rennsport-Buggys. Ihnen stülpen die Macher „nur“ die Karosserie des Coyote beziehungsweise Manta Montage über. Das brachte mich damals regelmäßig zum Schmunzeln. Denn bei Fahrszenen saß der Pilot so plötzlich in der Mitte.

Eines der Hero-Cars landete inzwischen bei Chrome Cars. Der Autohändler stellte dieses Auto kürzlich in Essen auf der Motorshow aus, wo unsere Fotos entstanden. In der Serie war der Coyote übrigens nur von außen zu sehen. Denn für Innenaufnahmen nutzen die Macher der TV-Serie den Ferrari 308 GTB des Produzenten. Der Innenraum des Kit Cars war ihnen zu einfach. Dadurch schaffte es das Ferrari-Logo sogar in den Vorspann. Denn es blitzt dort kurz im Drehzahlmesser auf. Auch darüber musste ich immer schmunzeln.

„Jumping the shark“ am Anfang der zweiten Staffel!

Beim Fahren synchronisierten die Macher der Serie den Coyote mit einem V12 aus dem Lamborghini Countach. Film und Fernsehen leben halt immer auch von der Illusion, wie es sein könnte. Weil Brian Keith, der Richter Hardcastle mimte, das Einsteigen in den Coyote X schwerfiel, entstand für die zweite Staffel auf Basis des De Lorean DMC12 ein neuer Sportwagen. Dieses Auto sah im Vergleich zu dem Coyote, der in Essen stand, wie eine Bastelbude aus. Für mich war das „jumping the shark“, die Serie verlor ihren Reiz. Vielleicht tauchte der zweite Coyote deshalb 2007 auch bei Ebay auf.

Auch Manta Cars profitierte von der Serie wohl nicht. Denn schon 1991 stellte die Firma den Betrieb ein. Insgesamt fertigte das Unternehmen rund 750 Exemplare seiner Kit Cars. Die Rechte an den Modellen Mirage und Montage erwarb Warp Five aus Missouri, um diese mindestens bis 2001 weiterzubauen. Wobei Warp Five sich von der Käfer-Technik löste und auf Achsen vom Ford Mustang vertraute. Trotzdem vertraute auch der neue Hersteller auf Motoren von VW beziehungsweise Porsche.


Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Im Heck des Kit Cars steckt der Motor aus dem VW Typ 4.

Foto: Tom Schwede

AutoNatives.de ist auch bei Facebook. Wir freuen uns über ein Like.







Themen in diesem Artikel:

Als Kind der 1970er-Jahre hatte Tom das große Vergnügen, in einem ausgesprochen automobilen Umfeld aufzuwachsen. Das war der optimale Nährboden, um heute über Autos zu schreiben und regelmäßig am Mikrofon über Autos zu sprechen. Denn Tom Schwede moderiert seit 2010 bei großen Oldtimer- und Klassik-Veranstaltungen in Deutschland. So ist Tom unter anderem bei den Classic Days auf Schloß Dyck oder dem 1.000 Kilometer-Rennen am Nürburgring zu hören.

Was meinen Sie dazu?