Der Autogas-Rekord BMW M1 von Harald Ertl

Zu den heimlichen Stars der zurückliegenden Techno Classica 2019 gehörte ein blauer Sportwagen. Der BMW M1 präsentierte sich in einem erbärmlichen Zustand, glänzte dafür mit einer einzigartigen Geschichte.

Die Techno Classica 2019 liegt inzwischen hinter uns. Mehr als 190.000 Besucher nutzten die Gelegenheit, um in Essen zahlreiche Oldtimer zu bestaunen. Ich war zweimal an der Gruga. Nach einem Besuch am Pressetag nutzte ich am Sonntag die frühen Morgenstunden für einen zweiten Rundgang. Bei beiden Besuchen galt mein Interesse den heimlichen Stars der Messe. Drei davon will ich Euch in den nächsten Tagen hier im Blog vorstellen.

Eines dieser in meinen Augen besonderen Autos fand ich in der Gruga-Halle, wo COYS die im Rahmen seiner Auktion angebotenen Fahrzeuge ausstellte. Dort fand ich einen ungewöhnlichen BMW M1. Der blaue Sportwagen verfügt über eine ungewöhnliche Karosserie. Auffällig sind zunächst die breiten Lufteinlässe an der Seite. Ungewöhnlich ist aber auch die Motorhaube des Mittelmotorsportlers. Sie trägt etwas höher auf, als das sonst beim bayrischen Keil der Fall ist.

Harald Ertl baute diesen BMW M1 um

Verantwortlich für diese Umbauten waren der Rennfahrer Harald Ertl und der Werbefachmann Gerhard Freudenberg. Sie gründeten im Herbst 1980 die C.A.R Promotions- und Entwicklung-GmbH. Zu ihren Projekten gehört die Konzeption einer Studie, die zeigen soll, wie schnell sich Autos mit alternativen Kraftstoffen bewegen lassen. Die Deutsche BP zeigt sich interessiert, um mit damit Flüssiggas als Autokraftstoff zu bewerben.

Die Heckpartie des Autogas-Rekord BMW M1 von Harald Ertl
Die Heckpartie des Autogas-Rekord BMW M1 von Harald Ertl

1981 kauft der in Deutschland lebende Österreicher Ertl deshalb einen gebrauchten BMW. Ursprünglich lieferte BMW diesen M1 ein Jahr zuvor an einen Berliner Besitzer aus. Bei der Schweizer Firma Seeger und Hoffmann entsteht die Kunststoffkarosserie, die den M1 heute einkleidet. Freunde des Motorsports kennen Seeger und Hoffmann unter dem Namen Sehcar. Anfang der 1980er-Jahre arbeitete Sehcar eng mit dem Rennstall von Peter Sauber zusammen.

Walter Maurer, den die ADAC-Motorwelt einst als den Dior unter den Lackieren nannte, lackierte die aus Aramiafaser gefertigte Karosserie in dem dunklen blauen Farbton. Die Gustav Hoecker Sportwagen-Service GmbH baute den Motor um. Die in Landau beheimate Sportwagen-Schmiede rüstete den Sechszylindermotor des Sportwagens mit zwei großen KKK-Turboladern aus, um die Leistung zu erhöhen. Das Ergebnis waren 410 PS.

301,4 km/h mit Autogas …

Vialle aus den Niederlanden stimmte den Motor für den Betrieb mit Autogas ab. Am 17. Oktober 1981 erreichte Harald Ertl mit dem Sportwagen ein Tempo von 301,4 Kilometern pro Stunde. Schneller war zuvor niemand mit Autogas unterwegs. Doch es ist nur ein Testlauf. Deshalb gilt die Fahrt heute nicht offiziell als Weltrekord. Möglicherweise verhinderte der Flugzeugabsturz, bei dem Ertl im April 1982 auf dem Weg nach Sylt ums Leben kam, eine offizielle Rekordfahrt.

Innenraum des Autogas-Rekord BMW M1 von Harald Ertl.
Innenraum des Autogas-Rekord BMW M1: Gut sichtbar ist die auffällige Lautsprecheranlage, die Projekt-Partner Blaupunkt in den Schwellern des Sportwagens verstaute.

Nach dem Tod des Rennfahrers überließ dessen Familie das Fahrzeug dem damaligen Midland Motor Museum in Stanmore Hall. Dessen Besitzer verfügte, wie wir heute wissen, nicht immer über die besten Absichten. Daher gingen in dieser Zeit einige der Motorteile, die heute fehlen, verloren. Vollständig ist der Innenraum. Zu ihm gehört eine auffällige Lautsprecheranlage. Sie stammt von Blaupunkt und verfügt über eine automatische Steuerung, die die Lautstärke des Radios an die Umgebungsgeräusche anpaßt. 1981 war das ein technisches Highlight.

1993 stand der BMW erstmals zum Verkauf. Gut möglich, dass aus dieser Zeit die britische Zulassung des Fahrzeugs stammt. In den letzten zweieinhalb Jahrzehnten galt der Autogas BMW M1 von Harald Ertl als verschollen. Bis zur Techno Classica 2019, wo COYS das Fahrzeug am Samstag versteigerte.

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Ein Beitrag von:

Als Kind der 1970er-Jahre hatte Tom das große Vergnügen, in einem ausgesprochen automobilen Umfeld aufzuwachsen. Das war der optimale Nährboden, um heute über Autos zu schreiben und regelmäßig am Mikrofon über Autos zu sprechen. Denn Tom Schwede moderiert seit 2010 bei großen Oldtimer- und Klassik-Veranstaltungen in Deutschland. So ist Tom unter anderem bei den Classic Days (früher Schloß Dyck, heute in Düsseldorf) oder dem 1.000 Kilometer-Rennen am Nürburgring zu hören. Wenn Sie also einen Moderator oder Streckensprecher für Ihre Oldtimer-Rallye oder Ihr Oldtimer-Treffen suchen, dann sind Sie bei Tom definitiv richtig!

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